Schwerstes Zugunglück der DDR
: 44 Kinder starben in den Flammen

Traurige Ostalgie – 77 Menschen, darunter 44 Kinder, fanden beim schwersten Zugunfall der DDR den Tod. Was geschah vor all den Jahren in Langenweddingen?
Von
Lisa Klopp-Jaber
Langenweddingen
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ARCHIV - Das Archivbild vom 6.7.1967 zeigt Bergungsarbeiten in Langenweddingen bei Magdeburg. Beim schwersten DDR-Eisenbahnunglück im Juli 1967 sterben in Langenweddingen (heute Sachsen-Anhalt) 94 Menschen, 44 davon sind Kinder. Foto: Zentralbild (zu dpa "Unglücke in der DDR: Ein Gefühl der Ohnmacht bei Hinterbliebenen" vom 16.08.2016) +++ dpa-Bildfunk +++

Das war das größte Zugunglück in der DDR.

Peter Koard/dpa

Vor fast 60 Jahren ereignete sich in der Nähe von Magdeburg das schlimmste Zugunglück in der DDR und einer der schwersten Unfälle in der deutschen Eisenbahngeschichte. Was genau geschah am 6. Juli 1967?

Das Zugunglück von Langenweddingen

Das Zugunglück von Langenweddingen zählt zu den schwersten Eisenbahnunfällen der deutschen Geschichte und war das schlimmste Zugunglück in der DDR. Dabei kamen 94 Menschen ums Leben, darunter 44 Kinder. Doch was genau geschah an jenem tragischen Tag?

Am 6. Juli 1967 war ein Zug der Deutschen Reichsbahn auf der Strecke zwischen Magdeburg und Thale unterwegs. Eine Dampflokomotive zog mehrere Doppelstockwagen, in denen sich rund 250 Fahrgäste befanden. Im ersten Wagen hinter der Lok saßen 50 Kinder, die auf dem Weg zu einem Ferienlager im Harz waren.

Das Unglück ereignete sich am Bahnübergang in Langenweddingen an der damaligen Fernverkehrsstraße 81. Dort kam es immer wieder vor, dass sich der Schrankenbaum in dem über der Schranke verlaufenden Telefonkabel der Deutschen Post verfing.

Als sich der Zug dem Bahnübergang näherte, versuchte der Schrankenwärter die Schranken zu schließen, doch eine Schranke blieb im Postkabel hängen. Der Zugführer hatte bereits das Signal zum Durchfahren erhalten und fuhr mit voller Geschwindigkeit auf den Übergang zu. Gleichzeitig näherte sich aus Norden ein Minol-Tanklastwagen, der etwa 15.000 Liter Leichtbenzin geladen hatte, und wollte auf der Straße den Bahnübergang überqueren. Aus der anderen Richtung kam ein Omnibus zum Übergang. Der Fahrdienstleiter bemerkte den Busfahrer rechtzeitig und konnte ihn mit einer Signalflagge zum Anhalten bewegen. Den Tanklastwagen, der sich aufgrund eines toten Winkels und schlechter Sichtverhältnisse außerhalb seines Blickfeldes befand, übersah er jedoch.

ARCHIV - Blick auf Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle nach der Bahnkatastrophe in Langenweddingen bei Magdeburg (Archivbild vom 06.07.1967). Beim schwersten DDR-Eisenbahnunglück im Juli 1967 sterben in Langenweddingen (heute Sachsen-Anhalt) 94 Menschen, 44 davon sind Kinder. Foto: Zentralbild (zu dpa "Unglücke in der DDR: Ein Gefühl der Ohnmacht bei Hinterbliebenen" vom 16.08.2016) +++ dpa-Bildfunk +++

Blick auf die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle nach der Bahnkatastrophe in Langenweddingen bei Magdeburg.

picture alliance / dpa

Am Bahnhof wartete bereits ein anderer Zug auf Durchfahrt. Der Lokführer des wartenden Zuges erkannte die Situation und versuchte noch, den heran rauschenden Zug per Signal zu warnen. Doch es war zu spät.

44 Kinder starben bei dem Zugunglück in Langenweddingen

Zug und Tanklastwagen stießen zusammen. Die Lokomotive traf den mit Leichtbenzin beladenen Tanklaster mit ihrem rechten Puffer und schleifte den Lkw mit. Dabei wurde der Lastwagen gegen die Waggons geschleudert, wodurch die Fensterscheiben zerbrachen. Das ausgelaufene Leichtbenzin überzog die Waggons, spritzte in alle Richtungen und lief auf den Boden. Kurz darauf kam es zu einer Explosion, bei der die Lokomotive und die ersten Waggons in Brand gerieten.

Erst nach rund zwei Stunden gelang es den Rettungskräften, das Feuer mit Wasser aus dem Dorfteich zu löschen. Die meisten Kinder im ersten Waggon fanden in den Flammen den Tod. Ihr Lehrer konnte einige retten, verstarb jedoch letztlich selbst. Insgesamt starben 77 Menschen sofort an der Unfallstelle, die übrigen Opfer erlagen später ihren Verletzungen im Krankenhaus.

Der Schrankenwärter und der Fahrdienstleiter wurden für den Unfall verantwortlich gemacht, da sie das herunterhängende Kabel über der Schranke nicht genug beachtet hatten. Beide wurden zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zur Trauerfeier und Beerdigung der Opfer kamen zahlreiche bedeutende SED-Funktionäre.

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe trat am 1. März 1968 die neue Transportordnung für gefährliche Güter (TOG) in Kraft. Zudem wurden die Schließzeiten der Bahnschranken in der gesamten DDR verlängert. Seitdem dürfen Züge erst dann das Durchfahrtsignal erhalten, wenn die Schranken bereits geschlossen sind – eine Regelung, die bis heute gilt.

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