Vor Rerik in MV: Sensationsfund in der Ostsee – Eiszeitjäger-Steinwall gibt Rätsel auf

Dieses vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine grafische Rekonstruktion des Steinwalls vor Rerik in der Ostsee. Wozu der Wall diente und wann genau er gebaut wurde, ist Gegenstand eines Forschungsprojektes.
Micha·Grabowski/dpaIn der Mecklenburger Bucht haben Forschende auf dem Grund der Ostsee einen fast einen Kilometer langen steinernen Wall entdeckt. Er wurde vermutlich vor mehr als 10 000 Jahren von Jägern und Sammlern angelegt.
Damals war das Gelände noch nicht überflutet, wie die Gruppe um Jacob Geersen vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und Marcel Bradtmöller von der Universität Rostock schreibt.
Wurde der Steinwall zur Rentierjagd erbaut?
Der sogenannte Blinkerwall könnte den Menschen geholfen haben, Rentiere zu erbeuten, vermutet das Forschungsteam im Fachmagazin „PNAS“. „Es wird angenommen, dass in dieser Zeit nicht mehr als 5.000 Menschen in ganz Nordeuropa lebten. Ein Hauptnahrungsmittel dieser Gruppen waren Rentiere, die im jahreszeitlichen Rhythmus in Herden durch die vegetationsarme nacheiszeitliche Landschaft zogen.
Wahrscheinlich diente der Wall dazu, die Rentiere am Rande eines Sees in die Enge zu treiben, sodass sie von den steinzeitlichen Jägern mit Jagdwaffen erlegt werden konnten“, erläutert Marcel Bradtmöller von der Universität Rostock.
Zufällige Entdeckung des Walls in der Ostsee
Der Wall wurde zufällig entdeckt. Wie in einer Pressemitteilung der Universität Rostock zu lesen ist, wollte ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ursprünglich Mangankrusten an einem Mergelrücken untersuchen, der etwa 10 Kilometer vor Rerik am Grund der Mecklenburger Bucht liegt.
Dabei wurden sie auf eine 970 m lange, regelmäßige Steinstruktur in etwa 21 Metern Tiefe aufmerksam.
Die Struktur besteht aus fast 1700 Steinen – die meisten tennis- oder fußballgroß – und ist bis zu zwei Meter breit und größtenteils unter einem Meter hoch. Die Gegend vor Rerik, heute die Mecklenburger Bucht, wurde zum Ende der letzten Eiszeit von der Ostsee überflutet. Etwas Vergleichbares gebe es in Europa nicht, schreibt die Gruppe.
Natürliche Entstehungsursachen sind unwahrscheinlich
Natürliche Ursachen für die Anlage - etwa einen Tsunami, sich zurückziehende Gletscher oder Strömungen unter Wasser - hält das Team für äußerst unwahrscheinlich. Auch andere menschliche Eingriffe als Ursache seien unplausibel.
Das Team glaubt, dass Wildbeuter-Gruppen die Anlage zur Jagd nach Rentieren nutzten. Direkt datiert wurde die Struktur nicht, aber vor 9800 Jahren war die Region bewaldet und Rentiere zogen seltener vorbei - da hätte eine solche Anlage keinen Sinn mehr ergeben.
So gehen die Forschungen in der Ostsee nun weiter
Der Steinwall, aber auch der ihn umgebende Meeresboden, werden nun weiter untersucht. „Darüber hinaus haben wir inzwischen Hinweise, die eine Existenz vergleichbarer Steinwälle an anderen Stellen in der Mecklenburger Bucht vermuten lassen. Diese werden wir systematisch erkunden“, erklärt Jens Schneider von Deimling, von der Uni Kiel.

