Sex, Macht, Sünde: Der skandalöseste Papst der Geschichte

Papst Franziskus ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Welcher Papst brach aus heutiger Sicht stark mit den kirchenrechtlichen Verpflichtungen, insbesondere dem Zölibat?
Pier Paolo Cito/AP/dpaDie Welt trauert um den verstorbenen Papst Franziskus. Er starb am Morgen des Ostermontags im Alter von 88 Jahren nach den Folgen einer schweren Lungenentzündung an einem Schlaganfall, wie der Vatikan bestätigte. Er galt in seiner Lebensweise als bescheiden. Anstelle des Apostolischen Palastes, entschied sich der Papst bewusst für seine schlichte Wohnung mit drei Zimmern im Pilgerheim Santa Marta. Prunkvolle Zeichen päpstlicher Macht lehnte er entschieden ab.
In der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gab es vor Papst Franziskus jedoch einige Päpste, die mit ihrer Lebensart selbst den Zorn der eigenen Kirche auf sich zogen. Papst Alexander VI. sorgte für zahlreiche Skandale, um die sich noch heute Mythen ranken. Das Kirchenoberhaupt nahm es mit dem Zölibat nicht ganz so genau, hatte mehrere Geliebte und bekam zahlreiche Kinder.
Papst Alexander VI.
Papst Alexander VI. (Rodrigo Borgia), der von 1492 bis 1503 auf dem Stuhl Petri saß, gilt als einer der umstrittensten, wenn nicht der skandalöseste Papst der Kirchengeschichte. Seine Zeit als Kirchenoberhaupt war geprägt von Nepotismus, sexuellen Eskapaden, politischen Intrigen und der gnadenlosen Machtausweitung seiner berüchtigten Familie: den Borgias.
Aufstieg und Fall der Borgias
Durch die Wahl seines Onkels zum Papst (Calixtus III.), der das Amt von 1455 bis 1458 innehatte, erhielt Rodrigo Borgia bereits früh Zugang zu einflussreichen kirchlichen Positionen. Sein eigenes Pontifikat erlangte er zum Teil, indem er mit seinem bis dahin erlangten Reichtum (unter anderem auch Schenkungen seines Onkels) zahlreiche Stimmen kaufte. Das Amt nutzte Alexander VI. ebenfalls gezielt, um seine Familie zu einer der mächtigsten Dynastien Italiens zu machen. Seine Kinder wurden mit politischen Ehen, kirchlichen Ämtern und Ländereien versorgt. Besonders seine Kinder Cesare und Lucrezia Borgia spielten dabei zentrale Rollen.
Alexander VI. machte seinen Sohn Cesare zunächst zum Kardinal, obwohl dieser keinerlei geistliche Berufung hatte. Als Cesare später eine Militärkarriere einschlug, unterstützte der Papst ihn dabei, italienische Stadtstaaten zu unterwerfen. Lucrezia wurde mehrfach politisch verheiratet und verwaltete in Abwesenheit ihres Vaters sogar vatikanische Angelegenheiten.
Nach dem Tod Alexanders VI. 1503, dessen Hintergründe bis heute nicht eindeutig geklärt sind, verlor Cesare rasch seine Macht und starb wenige Jahre später im Exil. Mit seinem Tod zerbrach der Einfluss der Borgias.
Papst Alexander VI.: Sex und Skandale im Vatikan
Nach dem Zölibat (vom lateinischen caelibatus = „Ehelosigkeit“), eine kirchenrechtliche Verpflichtung, darf ein römisch-katholischer Priester nicht heiraten und muss sexuell enthaltsam leben. Mehrere Päpste waren in der Geschichte der katholischen Kirche jedoch zum Beispiel verheiratet, bevor sie das Amt als Papst antraten. Die meisten Fälle liegen weit zurück, mehr als 900 Jahre, als das Zölibat noch nicht verbindlich galt. Eine zweite Welle gab es im 16. Jahrhundert während der Renaissance, als mehrere Päpste mit der mittlerweile verbindlichen Verpflichtung brachen.
Rodrigo Borgia, Papst Alexander VI., lebte öffentlich mit seiner Geliebten Vannozza dei Cattanei zusammen und zeugte mit ihr mindestens vier Kinder. Später hatte er weitere Affären, unter anderem mit Giulia Farnese. Vier weitere Kinder sind belegt, zum Teil sind die Mütter unbekannt. Gerüchten zufolge sollen zur Zeit von Alexander VI. als Papst an seinem Hof auch Orgien stattgefunden haben. In der Realität des späten 15. Jahrhunderts wurde eine derartige Lebensart im Vatikan oft ignoriert, besonders wenn politisches Kalkül im Spiel war. Sein öffentliches Bekennen zu seinen unehelichen Kindern zog jedoch auch den Zorn zahlreicher Gegner an. Prominente Vertreter, wie Girolamo Savonarola, welcher den Papst für seine Lebensweise öffentlich stark kritisierte, bezahlten dafür mitunter mit ihrem Leben. Girolamo Savonarola wurde zum Beispiel verhaftet, gefoltert, erhängt und verbrannt.
