Spritpreise aktuell: Tanken im Osten ist teurer - Kartellamt nennt diese Gründe

Tanken ist in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt regelmäßig teurer, als im übrigens Bundesgebiet. Das Bundeskartellamt hat nun Vermutungen vorgelegt, woran das liegen könnte.
Oliver Berg/dpaOstdeutsche Fahrer zahlen mehr für Benzin und Diesel. Ein aktueller Bericht des Bundeskartellamts zeigt, dass das kein Gefühl ist, sondern ein Fakt. Welche Erklärungsansätze das Kartellamt hat und wo der Sprit im Osten besonders teuer ist.
Spritpreise wieder gestiegen, vor allem Diesel ist teurer
Im dritten Quartal 2025 lag der Durchschnittspreis bei 1,72 Euro für E5, 1,67 Euro für E10 und 1,59 Euro für Diesel. Mitte November steigen die Preise erneut, vor allem bei Diesel ist der Sprung deutlich: Aktuell kostet Diesel 1,640 Euro pro Liter (+2,7 Ct), E10 1,689 Euro (+1,2 Ct). Innerhalb von drei Wochen verteuerte sich Diesel um 7,5 Ct, E10 um etwas mehr als 3 Ct.
Spritpreise im Osten immer höher
Für die Menschen im Osten sind die Preissteigerungen bei Benzin und Diesel regelmäßig noch drastischer: Ostdeutsche Bundesländer wie Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt liegen beim Spritpreis meistens deutlich über dem Bundesdurchschnitt, wie die monatlichen Auswertungen des ADAC Deutschland zeigen.
Sachsen-Anhalt war Mitte Oktober 2025 sogar das teuerste Bundesland bei Super E10. Den höchsten Literpreis bei Diesel gab es in Brandenburg. Teilweise zeigt sich so ein deutliches #Preisgefälle zwischen Ost und West. In der Oktober-Auswertung lag der Preisunterschied zum Saarland bei über 11 Cent pro Liter. Der ADAC führt eine geringere Bevölkerungsdichte und damit auch eine dünnere Versorgung mit Tankstellen in den großen Flächenländern als mögliche Gründe an, weil weniger Wettbewerb tendenziell höhere Spritpreise begünstigt.
Das Bundeskartellamt nennt mehrere Gründe für die höheren Preise
Das Bundeskartellamt beobachtet diese Entwicklung nicht nur für den Osten. Grenznahe Regionen wie an den Grenzen zu Polen, Tschechien, der Schweiz, Österreich und Luxemburg verzeichnen einem Bericht von Oktober 2025 zufolge regelmäßig höhere Spritpreise. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Inseln wie Sylt und Rügen – dort treiben Tourismus, saisonale Nachfrage, Insellage und hohe Transportkosten die Preise zusätzlich nach oben.
Das Bundeskartellamt sieht die Ursachen für die höheren Preise in einem Zusammenspiel zweier Hauptfaktoren: Einen Grund sieht auch das Kartellamt in der geringeren Tankstellendichte, die deutlich weniger Wettbewerbsdruck verursache als beispielsweise in der Metropole Berlin. Aber auch die Nähe zu Polen wirkt sich vermutlich auf die Spritpreise im Osten aus, gerade in den Grenzregionen. Das wirkt paradox, da der Kraftstoff im Ausland wegen niedrigerer Steuern meist billiger ist.
Wer aber preisbewusst tankt, tut dies jenseits der Grenze, wenn sich der Weg lohnt. Deutsche Tankstellen in Grenznähe versuchen, so der Kartellamtsbericht, diese entgangenen Umsätze auszugleichen und verzichten daher auf größere Preisnachlässe. Wer nicht ausweichen kann, zahlt also mehr. Dennoch sollen nach Auskunft der Behörde die genauen Gründe weiter untersucht werden. Bis dahin heißt es für Menschen in den östlichen Bundesländern weiterhin: Jenseits der Grenze ist das Tanken fast immer günstiger.

