Test Videospiel
: Resident Evil – Das Grauen hat einen Namen: „Requiem“

30 Jahre nach der Premiere liefert das Survival-Horror-Game schlechthin mit „Requiem“ eine würdige Jubiläumsausgabe. Der neueste Teil im Test.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Resident Evil Requiem. Der neue Teil der erfolgreichen Survival-Horror-Reihe vereint Vergangenheit und Gegenwart.

Resident Evil Requiem. Der neue Teil der erfolgreichen Survival-Horror-Reihe vereint Vergangenheit und Gegenwart.

Capcom
  • Requiem ist die Jubiläumsausgabe von Resident Evil – 30 Jahre nach der Premiere 1996.
  • Zwei Perspektiven: Leon (mehr Action) und Grace (klassischer Survival-Horror).
  • Story verankert im Umbrella-Erbe; Raccoon City bleibt Symbol des Scheiterns.
  • Leveldesign: linear mit verschachtelten Räumen, Rätseln, Ressourcenknappheit.
  • Technisch stark, hoher Gore-Faktor; Nahkampf zu stark reglementiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Resident Evil gehört zu den wenigen Videospiel-Reihen, die ein ganzes Genre geformt haben. Als Capcom 1996 den ersten Teil für die Playstation veröffentlichte, entstand mehr als nur ein weiteres Horrorspiel. Knappe Munition, verwinkelte Räume, Rätsel unter Druck und Gegner, die echte Bedrohung statt bloßes Kanonenfutter waren: Daraus wurde jene Formel, die Survival Horror bis heute prägt.

Seitdem hat sich die Serie mehrfach neu erfunden. Die frühen Teile setzten auf Enge, feste Perspektiven und Kontrollverlust. Resident Evil 4 verlagerte den Schwerpunkt deutlich in Richtung Action. Resident Evil 5 und 6 machten daraus beinahe Blockbuster-Kino, oft auf Kosten des Grauens. Erst Resident Evil 7 zog die Reihe wieder zurück in eine intimere, schmutzigere Form des Horrors. Village suchte danach den Mittelweg. Requiem bündelt diese Entwicklung souverän.

Inhaltlich bleibt Requiem tief in den Grundfesten des Serienuniversums verankert. Umbrella ist weiterhin die Ursünde: jener Konzern, dessen Größenwahn Raccoon City in eine biologische Hölle verwandelte. Die Stadt ist längst mehr als nur ein Schauplatz, sondern ein Symbol für alles, was in Resident Evil schiefgelaufen ist.

Leon S. Kennedy trägt diese Vergangenheit wie kaum eine andere Figur. Aus dem jungen Cop ist ein Profi geworden, der das Grauen nicht mehr bestaunt, sondern kennt. Leon bringt Routine, Härte und Erfahrung mit, aber auch den stillen Verschleiß eines Mannes, der zu oft dorthin geschickt wurde, wo alles längst verloren war. Grace Ashcroft setzt dazu den Gegenpol. Die FBI-Agentin bringt eine verletzlichere Perspektive in das Geschehen. Wo Leon Gefahr analysiert, erlebt Grace sie zunächst als Überforderung.

Requiem – Das Erbe von Umbrella

Die Handlung beginnt mit mysteriösen Todesfällen, alten Spuren und einer Bedrohung, die sich nicht einfach als neue Variante bekannten Übels abtun lässt. Das Spiel setzt dabei nicht auf Dauereskalation, sondern auf kontrollierte Verdichtung. Stück für Stück zieht sich die Schlinge enger. Orte, Personen und Ereignisse sind miteinander verwoben, und genau daraus gewinnt die Geschichte ihr Tempo.

Besonders stark ist, wie konsequent das Spiel den Nachhall früherer Katastrophen spürbar macht. Requiem lebt nicht davon, alte Namen bloß wieder auszustellen, sondern davon, dass diese Vergangenheit für die Figuren Gewicht hat. Das Ergebnis ist ein Horrorthriller, der seine Geschichte ernst nimmt und ohne unnötiges Pathos erzählt.

Resident Evil – zwei Figuren, doppelte Unterhaltung

Die auffälligste spielerische Entscheidung ist die Aufteilung zwischen Leon und Grace. Grace verkörpert den reineren Survival-Horror-Ansatz. Ihre Abschnitte sind langsamer, angespannter und von Ressourcenknappheit geprägt. Munition ist wertvoll, Flucht oft klüger als Konfrontation, und jeder neue Raum wirkt zunächst eher wie ein Risiko als wie ein Fortschritt.

Leon übernimmt die offensiveren Passagen. Hier wird häufiger geschossen, aggressiver vorgerückt und deutlicher mit dem Waffenarsenal gearbeitet. Trotzdem kippt das Spiel nie in ein dumpfes Ballerspiel. Auch bei Leon bleiben Raumkontrolle, Timing und Übersicht entscheidend. Gerade dieser Wechsel ist eine der größten Stärken. Nach einer nervenaufreibenden Passage mit Grace wirkt Leon wie ein Ventil. Nach zu viel Dominanz mit Leon zieht Grace den Horror wieder enger.

Requiem – weder linear noch Open World

Open World ist Requiem nicht. Das Spiel setzt auf lineare Führung, lockert diese aber mit halb offenen Arealen und der klassischen Resident-Evil-Logik verschachtelter Räume auf. Türen bleiben verschlossen, Wege sind blockiert, bestimmte Abschnitte erschließen sich erst mit dem passenden Objekt, einem gelösten Rätsel oder einer anderen Handlung an ganz anderer Stelle.

Resident Evil Requiem. Vertraute Umgebung. Die Heilanstalt erinnert viel an das Herrenhaus oder die Polizeistation aus vorherigen Teilen.

Resident Evil Requiem. Vertraute Umgebung. Die Heilanstalt erinnert viel an das Herrenhaus oder die Polizeistation aus vorherigen Teilen.

Capcom

Oft genügt es nicht, einfach nur einen Gegenstand zu finden. Erst muss ein Bereich gesichert, dann ein Mechanismus aktiviert, anschließend ein anderer Pfad geöffnet und dabei noch darauf geachtet werden, dass Ressourcen nicht zu früh verbraucht werden. Dieses mehrstufige Vorankommen macht Requiem stark. Das Spiel fordert Planung, ohne sperrig zu werden, und fordert dabei Grips statt bloßer Gewalt. All das erinnert stark an die Anfänge der Serie, Fans dieser werden so manches Déjà-vu-Erlebnis haben.

Resident Evil Requiem – Der härteste Teil der Reihe

Dennoch gehört Requiem innerhalb der Reihe klar zu den härteren Teilen. Treffer haben Wucht, Körper zerreißen sichtbar, Blut verteilt sich großzügig auf Böden und Wänden, und Mutationen werden mit einer Detailfreude gezeigt, die nicht nur eklig, sondern regelrecht unangenehm ist. Der Gore-Faktor ist entsprechend hoch.

Der Unterschied zu älteren Teilen liegt vor allem in der Materialität. Früher war Gewalt oft stilisiert oder technisch begrenzt. Hier wirkt sie schwer, feucht und bedrückend real. Trotzdem kippt das Spiel nicht in plumpen Splatter-Selbstzweck. Die Brutalität dient der Wirkung. Gerade im Vergleich zu actionlastigeren Serienteilen wirkt der Exzess hier kontrollierter und dadurch meist wirkungsvoller. An Requiem ist so auch gut ablesbar, wie sich die Gewaltdarstellung und Akzeptanz verändert haben. Heute zwar immer noch USK 18, wäre solch ein Teil vor 30 Jahren nie in den Handel gekommen.

Resident Evil Requiem

Resident Evil Requiem. Der härteste Teil der Serie, für die Action ist vor allem Leon zuständig.

Capcom

Requiem – Steuerung, Gameplay, Grafik, Sound

Die Steuerung sitzt im Kern sehr gut. Bewegung, Zielen, Waffenwechsel und Interaktion funktionieren direkt und sauber. Leon spielt sich druckvoll und präzise, ohne in überzogenes Spektakel abzudriften. Grace ist spürbar verletzlicher angelegt, was ihren Passagen zusätzliche Nervosität verleiht.

Ganz ohne Einschränkungen bleibt das alles aber nicht. Auffällig ist vor allem, dass der Nahkampf stark reglementiert ist. Nach bestimmten Treffern oder in klar markierten Situationen lassen sich harte Nahkampf-Moves auslösen, außerhalb dieser Fenster bleibt die Verteidigung aber erstaunlich begrenzt. Gerade gegen einzelne Zombies wirkt es mitunter künstlich, dass keine improvisierte Gegenwehr ohne Waffe möglich ist. Das erhöht bei Grace zwar den Grusel-Anteil, nervt aber auf Dauer.

Audiovisuell gehört Requiem zum Besten, was die Reihe bisher hervorgebracht hat. Licht und Schatten sind hervorragend, Innenräume profitieren enorm von dichter Ausleuchtung, starken Kontrasten und Reflexionen. Gesichter, Animationen und Oberflächen wirken hochwertig. Viele Schauplätze haben genau jene kranke, verbrauchte Atmosphäre, die man sich von dieser Serie wünscht.

Technisch überzeugt das Spiel weitgehend. Die 60 fps werden meist stabil gehalten, die Schattenqualität ist stark, und größere Aussetzer bleiben die Ausnahme. Ganz makellos ist die Präsentation dennoch nicht. Vereinzelt treten kleinere Clippingfehler auf, im Performance-Betrieb wird das Bild stellenweise etwas weicher, und nicht jeder Außenbereich erreicht die visuelle Dichte der besten Innenräume.

Resident Evil Requiem – Zusammenfassung

Resident Evil: Requiem ist keine radikale Neuerfindung, sondern eine kluge Verdichtung dessen, was diese Reihe über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Das Spiel verbindet die Enge und Struktur der frühen Teile mit der Wucht moderner Action und der direkten Körperlichkeit des neueren Serienhorrors. Die Aufteilung zwischen Leon und Grace erweist sich dabei nicht als Spielerei, sondern als tragendes Prinzip, das Spannung, Tempo und Atmosphäre immer wieder neu justiert.

Resident Evil Requiem. Reminiszenz ans Original: Gespeichert wird wieder per Schreibmaschine.

Resident Evil Requiem. Reminiszenz ans Original: Gespeichert wird wieder per Schreibmaschine.

Capcom

Nicht alles ist perfekt. Der Nahkampf bleibt zu stark an feste Momente gebunden, manche Abschnitte dürften etwas freier reagieren, und nicht jede Sequenz hält das hohe Niveau der besten Stunden. Doch diese Schwächen ändern wenig am Gesamteindruck. Requiem ist spannend, technisch stark, atmosphärisch dicht und spielerisch so gut verschachtelt, dass es die eigene Vergangenheit nicht nur zitiert, sondern produktiv weiterführt.

Resident Evil Requiem – Test-Fazit

Grafisch ist Requiem ein Spitzenbeitrag der Serie und reicht in seiner Wirkung nah an das Original vor 30 Jahren heran. Die Action ist druckvoll, aber diszipliniert, und kann in der Rolle von Leon voll ausgekostet werden. Der Grusel funktioniert vor allem in Graces Passagen exzellent. Die Rätsel sind klassisch, angenehm verschachtelt und genau komplex genug, um zu fordern, ohne zu bremsen. Requiem ist als neuester Teil der Resident-Evil-Reihe mehr als würdig und vollbringt das Kunststück, geliebte und bewährte Elemente aus der Vergangenheit mit modernen Spiel- und Unterhaltungsanforderungen in Einklang zu bringen.

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