Tomorrowland 2025
: Berliner DJ startet international durch

InterviewVom ersten Gig bis hin zum Auftritt beim Tomorrowland 2025 in nur einem Jahr: Für Katy Rough geht es aktuell steil nach oben. Wir haben mit ihr über ihren musikalischen Werdegang, Höhepunkte und Herausforderungen gesprochen.
Von
David Hahn
Berlin
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Katy Rough im exklusiven Interview bei Moz.de

Katy Rough, DJ aus Berlin, spielt am Sonntag um 21 Uhr auf der Cage Stage beim Tomorrowland Festival 2025.

Noah Gabriel Lenz

Es klingt wie ein Musikmärchen: Vor gerade einmal einem Jahr legte sie ihren ersten Auftritt hin, an diesem Wochenende spielt sie beim legendären Tomorrowland – einem der größten Festivals der Welt. Die Rede ist von einer jungen DJ, deren Name noch nicht weltbekannt ist, deren Karriere aktuell aber rasant durch die Decke geht: Katy Rough im exklusiven Interview bei MOZ.de.

Was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass du bei Tomorrowland spielst?

Als das Line-up online gestellt wurde und ich meinen Namen darauf gesehen habe, sind mir sofort die Tränen gekommen.

Wie kam es dazu, dass du überhaupt mit dem Auflegen angefangen hast?

Ich bin mit Musik aufgewachsen – Klavier, Gitarre, Gesang, ich war früh im Chor, hatte Bühnenauftritte, stand sogar schon als Kind ein paar Mal in der Zeitung. Musik war immer ein Teil von mir. Später hat sich meine Leidenschaft einfach weiterentwickelt – von akustischen Instrumenten zu elektronischem Sound. Ich war schon immer tief in der Musik – Gesang, Instrumente, Bühne. Aber irgendwann hat mir das nicht mehr gereicht. Ich wollte nicht mehr nur mitspielen, ich wollte die Kontrolle übernehmen. Am Deck zu stehen und zu entscheiden, wann die Crowd explodiert – das war’s für mich.

Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Auftritt? Wie war das für dich?

Absolut. Ich war extrem nervös, aber gleichzeitig fühlte es sich komplett richtig an. Der Vibe, die Energie – das hat sich sofort wie Zuhause angefühlt. Ich hatte ja schon früh Bühnenerfahrung durchs Singen, aber das hier war anders. Zudem war das sehr spontan. Ich habe gerade mal 3 Wochen vorher Bescheid bekommen und das war zudem Zeitpunkt als ich das Auflegen gerade erst für mich entdeckt habe.

Was bedeutet dir Berlin als Musikstadt – und wie fließt das in deinen Sound ein?

Berlin ist nicht nett. Hier zählt kein Hype, kein Image – hier zählt, ob du lieferst. Berlin hat mich geformt. Als Resident im Club OST erlebe ich regelmäßig, wie kompromisslos die Szene hier ist. Es gibt keinen Ort, an dem man musikalisch so lernen kann wie hier.

Wie gehst du bei der Vorbereitung eines Sets vor?

Ich höre mich durch Unmengen an Tracks – ich liebe es, mich durchzuprobieren. Struktur ist mir wichtig, aber ich lasse auch Platz für Spontanität – denn kein Publikum ist gleich. Es kommt natürlich auch immer drauf an, ob ich am Anfang, in der Mitte und sogar eventuell das Closing spiele. Je nach Uhrzeit steigt oftmals die Härte, das Energielevel machst du dann je nach Crowd abhängig.

Was willst du mit deiner Musik bei den Leuten auslösen?

Ich will, dass sie fühlen. Egal ob Wut, Freiheit, Freude oder einfach nur den Drang, alles rauszutanzen. Für mich ist das wichtigste, dass die Leute Spaß haben bei meinem Set und sie am Ende im Kopf haben „dieser Abend hat sich gelohnt rauszugehen“ Ich will, dass du tanzt, schreist, weinst oder einfach alles rauslässt, was du mit dir rumschleppst.

Was war bisher dein schönster Moment als DJ – und was der schwierigste?

Der schönste Moment hm lass mich überlegen, ich glaube der schönste Moment für mich selbst war, als ich für mich gemerkt habe, dass es genau das ist, was ich wirklich im Leben machen möchte. Oft bekomme ich, wenn ich merke, die Leute haben Spaß und jubeln mir bei meinem Set zu, Gänsehaut und bin manchmal den Tränen nahe. Der schwierigste Moment? Wahrscheinlich die erste Phase, in der ich versucht habe, meinen Stil zu finden. Auch jetzt bin ich mir manchmal noch etwas unschlüssig. Zudem lernt man nie aus. Manchmal entdecke ich Genres wieder völlig neu für mich und andere bin ich dann eben auch wieder leid. Es kommt, wie es kommt und ich bin soweit offen dafür, in welche Richtung ich mich zukünftig entwickeln werde.

Gab es Momente, in denen du überlegt hast, alles hinzuschmeißen?

Ja, die gab es. Besonders in der Anfangszeit, als ich versucht habe, mich in einer sehr männlich dominierten Szene zu behaupten. Es gab Momente, in denen ich dachte: „Wofür mache ich das eigentlich?“ Aber dann kamen genau die kleinen Zeichen – ein emotionales Feedback nach meinem Set oder ein Booking, mit dem ich nie gerechnet hätte – Zweifel sind völlig okay und die hat jeder von uns – weitermachen ist letztendlich das Entscheidende.

Wie gehst du mit Nervosität oder Druck vor großen Auftritten um?

Am Anfang war ich wirklich extrem aufgeregt – Die Nervosität war ausnahmslos körperlich spürbar. Ich hatte mit Übelkeit, schlimmen Stresshusten und sogar Erbrechen zu kämpfen. Ich habe anfangs oft gezweifelt und dachte mir vor jedem Set: ist es wirklich das Richtige, was ich hier mache, wenn ich mit diesen Dingen zu kämpfen habe. Ich habe es sogar mit Hypnose versucht. Diese hat mir auch etwas geholfen, aber was mir am meisten geholfen hat, war definitiv: Zeit und Erfahrung. Umso sicherer du wirst, umso mehr merkst du, dass dir kaum bis gar keine Fehler mehr passieren. Es ist ein ständiger Lernprozess, also habe ich im Laufe der Zeit gelernt, damit umzugehen und kann das alles jetzt einfach genießen.

Was sollen Leute über dich wissen, das man auf Social Media nicht sieht?

Auf Social Media kannst du den Leuten meist nur vor den Kopf gucken. Ich versuche da gerade noch so meinen Weg zu finden, den Leuten zu zeigen, wer ich wirklich bin und was meine Geschichte ist. Ich spiele gern nach Gefühl und lasse mir Platz für Neues. Ich habe als Sängerin angefangen, bin jetzt DJ – aber der Wunsch zu singen war nie ganz weg. Tatsächlich nehme ich seit ein paar Monaten wieder Gesangsunterricht. Es stehen einige spannende Projekte an – also ja, ihr werdet bald auch eine andere Seite von mir hören.

Wie gehst du mit Social Media um – Fluch, Segen oder beides?

Beides, ganz klar. Social Media ist ein wichtiges Tool – es ermöglicht Sichtbarkeit, Austausch, und eine Community aufzubauen. Ich tue mich damit, jetzt gerade anfangs noch etwas schwer. Nicht weil ich keine Ahnung von Social Media habe, ganz im Gegenteil – ich bin seit Jahren im Social Media Bereich tätig. Ich habe mehrere Social-Media-Kanäle von Firmen, Influencern und Marken mit aufgebaut. Wenn es aber darum geht, sich selbst zu vermarkten, kann ein enormer Druck entstehen, dem man erstmal Stand halten muss.

Es ist immer einfacher jemand anderes Tipps zu geben, als diese dann bei sich selbst anzuwenden. Der ständige Vergleich, der Algorithmus, der dich oft nicht für Qualität, sondern für Quantität belohnt. Ich versuche, bewusst damit umzugehen: präsent sein, ohne mich zu verlieren und zu verstellen. Social Media ist ein zweischneidiges Schwert. Klar, es gibt dir Reichweite – aber du verkaufst dich ständig selbst. Du musst dich permanent neu inszenieren, sonst verlierst du an Sichtbarkeit. Es ist okay, wenn nicht jeder alles versteht. Ich will auch nicht jedem gefallen.

Glaubst du, dass sich deine Karriere durch den Gig bei Tomorrowland verändern wird?

Definitiv. Tomorrowland ist nicht nur eine Bühne – es ist ein internationales Statement. Es bringt eine neue Sichtbarkeit, öffnet Türen, von denen ich vielleicht vor einem Jahr noch geträumt habe.

Was willst du jungen Menschen mitgeben, die selbst auflegen oder Musik machen wollen?

Lass dir nicht einreden, du müsstest „reinpassen“. Es ist okay, wenn du nicht jedem Algorithmus gefällst. Bleib bei deinem Sound, entwickle dich weiter, aber verbieg dich nicht. Und vor allem: Hab Geduld. Ich bin selbst auch ein Mensch, der am liebsten alles hinschmeißen will, wenn etwas nicht klappt, aber hätte ich das gemacht – dann wäre ich wohl jetzt nicht da wo ich bin.