Türkei-Urlaub
: Vergiftung einer Familie in Istanbul? Darauf müssen Reisende jetzt achten

Eine Familie aus Hamburg war vor mehr als einer Woche nach Istanbul gereist. Innerhalb kurzer Zeit starben die beiden Kinder und ihre Eltern. Was bedeutet der Vorfall für Touristen?
Von
David Hahn
Istanbul
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Tourismus in der Türkei: ARCHIV - 20.06.2021, Türkei, Antalya: Touristen besuchen den Strand von Antalya. Hotels in der türkischen Region Antalya, einem bei Urlaubern beliebten Reiseziel, bereiten sich darauf vor, den Betrieb endlich wieder aufzunehmen. (zu dpa: «Ausbeutung im Türkei-Tourismus? Kritik an neuer Arbeitsregel») Foto: Emrah Gurel/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Touristen besuchen den Strand von Antalya. Die Todesfälle der vierköpfigen Familie aus Hamburg könnte die Sorge vor Lebensmittelvergiftungen und Pestiziden in der Türkei aufkommen lassen. Was gilt es zu beachten?

Emrah Gurel/AP/dpa

Eine vierköpfige Familie aus Hamburg ist im Türkei-Urlaub tragisch ums Leben gekommen. Was ist zu den Hintergründen aktuell bekannt und worauf sollten Touristen jetzt in der Türkei achten?

Türkei: Vergiftung einer Familie in Istanbul?

Die Familie war vor mehr als einer Woche nach Istanbul gereist. Am Mittwoch suchten die Eltern mit ihren Kindern erstmals ein Krankenhaus auf, nachdem alle über starke Übelkeit und Erbrechen geklagt hatten. Trotz zwischenzeitlicher Entlassung verschlechterte sich ihr Zustand in der folgenden Nacht dramatisch. Die beiden Kinder starben noch kurz darauf, die Mutter am Freitag. Der Vater kämpfte mehrere Tage im Krankenhaus um sein Leben und erlag am Montagabend in einem Krankenhaus seinen schweren Symptomen. Eine erste Autopsie hatte jedoch keine eindeutigen Hinweise geliefert. Untersuchungen der Gerichtsmedizin sowie detaillierte toxikologische Analysen ermöglichten weitere Erkenntnisse zur Todesursache. Ein vorläufiger Bericht der türkischen Gerichtsmedizin belastet aktuell laut der Deutschen Presse-Agentur weiter das Hotel. Darin werde erklärt, dass der Tod der vierköpfigen Familie vorrangig durch eine chemische Vergiftung im Hotel verursacht worden sei, berichtete der Staatssender TRT unter Berufung auf das nicht abschließende Dokument. Die Wahrscheinlichkeit einer Lebensmittelvergiftung werde als gering eingestuft. Die Untersuchungen seien allerdings noch nicht final abgeschlossen.

Medienberichten zufolge soll im Hotelzimmer der Familie kurz zuvor ein Mittel zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt worden sein. Zwei weitere Hotelgäste mussten wegen Übelkeit und Erbrechen medizinisch behandelt werden. Das Hotel wurde vorsorglich evakuiert und versiegelt.

Urlaub in der Türkei: Das gilt es zu beachten

Samed Kizgin, Chief Content Officer bei A3M Global Monitoring, gibt nach den tragischen Todesfällen Tipps für den Türkei-Urlaub:

„Vergiftungen durch falsch eingesetzte Schädlingsbekämpfungsmittel entstehen meist durch Überdosierung, mangelnde Lüftung oder den Einsatz nicht zugelassener Produkte. Reisende sollten vorab Bewertungen und bei Unsicherheit wenn möglich Hygienezertifikate prüfen. Bei Ankunft sollten sie insbesondere auf Warnsignale wie starken Chemiegeruch, feuchte Sprühspuren oder offene Köder im Innenraum achten und bei Verdacht sofort das Zimmer wechseln. Restaurants sollte man prinzipiell nach ihrer Sauberkeit beurteilen.“

„Hotelzimmer sollten – wo es möglich ist – regelmäßig gelüftet werden und Lebensmittel nicht offen herumstehen. Auffälligkeiten können Gäste dokumentieren oder wenn nötig sofort dem Management melden. Bei Symptomen wie Kopfschmerz, Übelkeit oder Atemwegsreizungen sowie deutlichem Chemiegeruch sollten Reisende den Bereich sofort verlassen und ärztliche Hilfe suchen. Bei anhaltendem Risiko sollten sie lieber einmal zu viel als zu wenig die Unterkunft wechseln. Mit gewisser Vorbereitung, Aufmerksamkeit vor Ort und schneller Reaktion auf Warnsignale lässt sich das Risiko von Pestizidvergiftungen im Urlaub somit deutlich reduzieren.“

Lebensmittelvergiftung in Istanbul? Bereits 11 Festnahmen

Im Zusammenhang mit möglichen verunreinigten Speisen nahm die Polizei bereits elf Verdächtige fest. Gegen vier von ihnen, darunter Verkäufer von Süßigkeiten, Muscheln und Kokoreç sowie ein Cafébesitzer, erließ ein Gericht einen Haftbefehl. Die vier Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Die Familie hatte zuvor bei ihnen gegessen. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Der aktuelle Bericht der Gerichtsmedizin könnte sie entlasten, da die Wahrscheinlichkeit einer Lebensmittelvergiftung als gering eingestuft wurde. Der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung und die mediale Berichterstattung rücken trotzdem die Lebensmittelhygiene in der Türkei in den Fokus. Hier gibt es die Informationen, wie man sich vor einer Lebensmittelvergiftung schützt, zusammengefasst.