Bekannte Influencerin: Kaninchen ausgesetzt: Werbepartner ziehen sich zurück

Ein Kaninchen guckt aus seinem Gehege heraus. (Symbolbild)
Paul Zinken/dpaNach Vorwürfen, vier Kaninchen im Wald ausgesetzt zu haben, verliert die Influencerin Alicia Vosgrau mehrere Werbepartner. Unternehmen wie Pampers bestätigten, die Zusammenarbeit beendet zu haben. Zugleich prüfen Behörden mögliche rechtliche Konsequenzen.
Auslöser der Entwicklungen ist ein Vorfall aus dem vergangenen Sommer, der Anfang Dezember öffentlich wurde. Spaziergänger hatten im Rantzauer Forst in Schleswig-Holstein vier ausgesetzte Kaninchen entdeckt. Nach Angaben eines Tierheims aus Henstedt-Ulzburg konnten drei Tiere lebend aufgenommen werden, eines war bereits tot. Hinweise und Vergleiche mit Videos auf Social-Media-Kanälen führten die Tierschützer zur Influencerin Alicia Vosgrau, wie mehrere Medien berichten.
Die Influencerin, die auf Instagram, TikTok und YouTube Einblicke in ihren Familienalltag gibt, räumte den Vorfall ein. In einem zeitweise veröffentlichten Statement auf Instagram erklärte sie laut „Hamburger Abendblatt“ und RTL, sie habe sich nach der Geburt ihres dritten Kindes in einem „totalen Ausnahmezustand“ befunden und sei überfordert gewesen. Das Aussetzen der Tiere bereue sie, so Vosgrau. Die Stellungnahme ist inzwischen nicht mehr abrufbar.
Unternehmen beenden Kooperationen
Die Vorwürfe haben nun auch geschäftliche Folgen. Der Windelhersteller Pampers bestätigte auf Anfrage des „Spiegel“, die Zusammenarbeit mit der Influencerin beendet zu haben. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung aus einer Antwort des Unternehmens auf Instagram zitiert. Darin betonte Pampers, ein respektvoller Umgang mit Menschen und Tieren sei ein zentraler Bestandteil der eigenen Werte; man habe sich daher gegen eine Fortsetzung der Kooperation entschieden.
Auch weitere Firmen zogen Konsequenzen. L’Oréal Deutschland erklärte der „Bild“-Zeitung zufolge, mit der Marke Vichy bestehe bereits seit Oktober keine aktive Partnerschaft mehr. Der Reiseanbieter HolidayCheck teilte dem Blatt mit, ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren sei nicht verhandelbar, weshalb eine weitere Zusammenarbeit ausgeschlossen werde.
Ermittlungen laufen
Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Justiz. Das Tierheim erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft Kiel prüft mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Ein Sprecher sagte der „Bild“-Zeitung, der Vorgang liege derzeit bei der zuständigen Polizeidienststelle zur Durchführung der erforderlichen Ermittlungen.
Zusätzlich äußerte sich die Tierschutzorganisation PETA zu dem Vorfall. Laut „Hamburger Morgenpost“ forderte die Organisation, ein Tierhalteverbot zu prüfen, und appellierte an die Familie, vorhandene Haustiere vorerst in andere Hände zu geben. Dies sei notwendig, um weiteren Schaden von Tieren abzuwenden, hieß es. Die Familie hält derzeit noch zwei Hunde.
Deutliche Reaktionen im Netz
Parallel zu den Ermittlungen geriet die Influencerin in sozialen Netzwerken massiv in die Kritik. Medien berichten von einem Shitstorm, unter Beiträgen finden sich zahlreiche kritische Kommentare, aber auch solche, die Vosgrau in Schutz nehmen.
Nach Angaben der Analyseplattform Nindo verlor Vosgrau innerhalb der vergangenen sechs Monate rund 28.000 Follower auf Instagram und mehr als 40.000 auf TikTok. Trotz der Verluste erreicht sie dort weiterhin ein großes Publikum von rund 1,5 Millionen Menschen.
