Urlaub in der DDR: Dorthin reisten die Ossis gerne

Urlauber auf dem Campingplatz in Feldberg im Kreis Neustrelitz (DDR) an der Mecklenburger Seenplatte. Wo machten die Ossis vor der Wende gerne Urlaub?
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | ZentralbildDer größte Reiseveranstalter der DDR war der FDGB-Feriendienst vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund mit über 1000 eigenen FDGB-Ferienheimen. Dieser führte bis zu zwei Millionen Reisen pro Jahr durch. Die staatlichen Campingplätze waren der zweitgrößte Anbieter in der DDR. Außerdem gab es das Reisebüro der DDR und ab 1975 das „Jugendtourist“, das Jugendreisebüro der FDJ.
Mehr nostalgische Beiträge rund um die DDR gibt es unter Ostalgie.
34 Prozent der Übernachtung in der DDR wurden in betrieblichen Erholungseinrichtungen gebucht. Danach waren die staatlichen Campingplätze die meist genutzte Art für Urlaub. In den großen Touristenhochburgen in der DDR übernachteten der Großteil der Urlauber in Privatunterkünften. Die Selbstversorgung in den privaten Unterkünften sorgten häufig für spürbare Lieferengpässen bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs, da die Urlauber in Privatunterkünften als „inoffizielle“ Touristen galten und mit ihnen nicht gerechnet wurde.
Wer erinnert sich an die Urlaube vor der Wende? Wir haben die beliebtesten Urlaubsziele der DDR-Bürger vor der Wende zusammengetragen.
Ostseeinseln Rügen und Usedom

FKK am Strand war in der DDR verbreitet.
Thomas Uhlemann/dpaWie auch heute noch zählte die Ostsee zu den beliebtesten Urlaubszielen der DDR-Bürger – besonders Rügen und Usedom. Auf den Inseln verteilt, besonders auf Rügen in Binz und Prora, gab es viele FDGB-Ferien- und Zeltplätze. Diese waren jeden Sommer voll ausgebucht.
Elbsandsteingebirge in Sachsen

Die Leipziger Kinder Steve, Danilo und Konrad (v.l.) mit Kompass, Feldstecher und Landkarte im Kinder-und Erholungszentrum "An der Grenzbaude" in Sebnitz (Kreis Saechsische Schweiz).
Ralf Hirschberger/dpaAuch die Sächsische Schweiz war als Urlaubsziel in der DDR beliebt. Die Pensionen des FDGB oder Betriebsferienheime lockten Familien aus der Volksrepublik an. Dabei waren die Basteibrücke bei Rathen und das idyllische Städtchen Pirna und der Kurort Bad Schandau Besuchermagneten.
Harz

Reiseunterlagen, Dokumente und Reisechecks aus DDR-Zeiten.
Patrick Pleul/dpaObwohl die Urlauber im Harz streng überwacht wurden, weil die Urlaubsorte des Oberharzes im Grenzgebiet lagen, zog der Harz dennoch jedes Jahr viele Urlauber an. Den Brocken konnten DDR-Bürger zwar nicht erreichen, weil dieser zum militärischen Sperrgebiet gehörte, aber die Berglandschaft, die vielen Wanderwege zwischen Wernigerode und Bad Sachsa, die Burgruinen, alte Stollen und die vielen Freibäder sorgten für einen tollen Familienurlaub.
Spreewald in Brandenburg

Im Kahnhafen von Lübbenau liegen die Spreewaldkähne dicht an dicht. Sie fuhren jeden Sommer über mehrere hunderttausend Touristen durch die einzigartige Landschaft.
Martin Schutt/dpaBereits im Jahr 1960 wurden im Spreewald 600.000 Touristinnen und Touristen gezählt. 1975 waren es eine Million Touristen. Schon in der DDR war der Spreewald im Süden Brandenburgs eins der beliebtesten Reiseziele, besonders für Berliner.
Auslandsreisen in der DDR
Grundsätzlich waren nur Reisen in das befreundete sozialistische Ausland möglich. Auslandsreisen nach Polen und in die Tschechoslowakei (ČSSR) waren einige Zeit ohne Genehmigung möglich. Auf Ausreiseantrag durften DDR-Bürger nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, in die UdSSR oder sehr selten nach Kuba reisen.
Balaton in Ungarn

DDR-Bürger sitzen vor der deutschen Botschaft in Budapest.
Wolfgang Kumm/dpaDDR-Bürger reisten gerne nach Ungarn an den Balaton. Der glasklare Plattensee mit seinem 197 Kilometer langen Ufer liegt im Westen Ungarns. Besonders beliebte Badeorte waren Siofok, Balatonlelle und Balatonfüred. Weil so viele Touristen anreisten, hieß der Balaton auch „Mallorca der DDR-Bürger“. Zwischen 1970 und 1980 kamen im Durchschnitt eine Million Gäste, vorwiegend aus den „sozialistischen Bruderstaaten“ an den Plattensee.
Bulgarien

Das Hotel Romantika in Slatni Pjassazi (Goldstrand) am Schwarzen Meer war bei DDR-Feriengäste beliebt.
Georgi Genchev/dpaDie 70er und 80er waren Reisehochzeit für DDR-Urlauber, die an den Goldstrand nahe der Stadt Warna und in das Rila- und Piringebirge wollten. 1973 reisten mehr als 140.000 DDR-Bürgerinnen- und Bürger nach Bulgarien an die Schwarzmeerküste, um das mediterrane Flair zu genießen.
Polen

Ein weißer Trabant Kombi vollgepackt und bereit für den Urlaub.
Ulrich Haessler/dpaDie polnische Ostsee und die historischen Städte Warschau, Krakau und Breslau waren bei den ostdeutschen Urlaubern begehrt. Nach 1972 waren die Reisen nach Polen und in die CSSR ohne Antrag und ohne Genehmigung möglich. Laut Bundesarchiv reisten 1976 knapp 3,8 Millionen DDR-Bürger nach Polen, um dort Ausflüge oder Urlaub zu machen.
Tschechien

Eine Badehose vom VEB Strickwaren Oberlungwitz aus den 1970er Jahren, Badeschuhe „Carola“ und Sonnenschutzspray „Violetta“ durften beim Urlaub in der DDR nicht fehlen.
Patrick Pleul/dpaTschechien, die ehemalige CSSR, gehörte zu den am häufigsten besuchten sozialistischen Ländern. Etwa 60 Prozent aller Auslandsreisen von der DDR aus gingen im Jahr 1978 dorthin. Per Zug oder Bus fuhren die ostdeutschen Urlauber in das Nachbarland. Im Sommer reisten die DDR-Bürger in die historischen Städte Prag und Karlsbad. Zum Winterurlaub fuhren sie gerne in die Gebirge, um Wintersport zu betreiben und sich an der Schneelandschaft zu erfreuen.
