Urlaub in der DDR
: Dorthin reisten die Ossis gerne

Ostalgie gefällig? Das waren die beliebtesten Urlaubsziele in der DDR - wer erinnert sich?
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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Urlauber auf dem Campingplatz in Feldberg im Kreis Neustrelitz (DDR) an der Mecklenburger Seenplatte. (zu dpa «Eine Cola für 25 Ostmark - «Wie der Osten Urlaub machte»») +++ dpa-Bildfunk +++

Urlauber auf dem Campingplatz in Feldberg im Kreis Neustrelitz (DDR) an der Mecklenburger Seenplatte. Wo machten die Ossis vor der Wende gerne Urlaub?

picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Zentralbild

Der größte Reiseveranstalter der DDR war der FDGB-Feriendienst vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund mit über 1000 eigenen FDGB-Ferienheimen. Dieser führte bis zu zwei Millionen Reisen pro Jahr durch. Die staatlichen Campingplätze waren der zweitgrößte Anbieter in der DDR. Außerdem gab es das Reisebüro der DDR und ab 1975 das „Jugendtourist“, das Jugendreisebüro der FDJ.

Mehr nostalgische Beiträge rund um die DDR gibt es unter Ostalgie.

34 Prozent der Übernachtung in der DDR wurden in betrieblichen Erholungseinrichtungen gebucht. Danach waren die staatlichen Campingplätze die meist genutzte Art für Urlaub. In den großen Touristenhochburgen in der DDR übernachteten der Großteil der Urlauber in Privatunterkünften. Die Selbstversorgung in den privaten Unterkünften sorgten häufig für spürbare Lieferengpässen bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs, da die Urlauber in Privatunterkünften als „inoffizielle“ Touristen galten und mit ihnen nicht gerechnet wurde.

Wer erinnert sich an die Urlaube vor der Wende? Wir haben die beliebtesten Urlaubsziele der DDR-Bürger vor der Wende zusammengetragen.

Ostseeinseln Rügen und Usedom

ARCHIV - Dutzende Nudisten sonnen sich am Müggelsee in Ostberlin (Archivfoto vom Mai 1986). Viele DDR-Bürger fühlten sich wenigstens im Urlaub an einem der zahlreichen FKK-Strände von der Ostsee bis zum Thüringer Wald ganz frei. Das frühere Paradies der ostdeutschen Nacktbader wird jetzt in dem Buch «Sommer Sonne Nackedeis - FKK in der DDR» aus dem Berliner Eulenspiegel Verlag vorgestellt. Etliche Anhänger der Freikörperkultur haben sich nicht gescheut, für die Veröffentlichung ihre privaten Fotoarchive zu öffnen. Foto: Thomas Uhlemann dpa (zu dpa 0442 vom 26.03.2008) +++ dpa-Bildfunk +++

FKK am Strand war in der DDR verbreitet.

Thomas Uhlemann/dpa

Wie auch heute noch zählte die Ostsee zu den beliebtesten Urlaubszielen der DDR-Bürger – besonders Rügen und Usedom. Auf den Inseln verteilt, besonders auf Rügen in Binz und Prora, gab es viele FDGB-Ferien- und Zeltplätze. Diese waren jeden Sommer voll ausgebucht.

Elbsandsteingebirge in Sachsen

Schule einmal anders erleben die Leipziger Kinder Steve, Danilo und Konrad (v.l.) mit Kompass, Feldstecher und Landkarte im Kinder-und Erholungszentrum "An der Grenzbaude" in Sebnitz (Kreis Saechsische Schweiz). Gemeinsam mit ihren Schulkameraden verbringen sie zu Beginn des neuen Schuljahres hier abwechslungsreiche Tage. Das fruehere DDR-Pionierlager (Hintergrund) beherbergt das gesamte Jahr ueber Kinder aus dem Bundesgebiet, die sich hier bei Sport und Spiel erholen koennen. Ausserdem stehen taeglich mehrere Stunden Unterricht in dem Themen Natur und Umwelt, Heimat und Geschichte sowie Computer auf dem Programm. +++ dpa-Bildfunk +++

Die Leipziger Kinder Steve, Danilo und Konrad (v.l.) mit Kompass, Feldstecher und Landkarte im Kinder-und Erholungszentrum "An der Grenzbaude" in Sebnitz (Kreis Saechsische Schweiz).

Ralf Hirschberger/dpa

Auch die Sächsische Schweiz war als Urlaubsziel in der DDR beliebt. Die Pensionen des FDGB oder Betriebsferienheime lockten Familien aus der Volksrepublik an. Dabei waren die Basteibrücke bei Rathen und das idyllische Städtchen Pirna und der Kurort Bad Schandau Besuchermagneten.

Harz

13.07.2018, Brandenburg, Senftenberg: Reiseunterlagen, Dokumente und Reisechecks aus DDR-Zeiten sind in der Ausstellung «Urlaub in der DDR» im Schloss und Festung Senftenberg zu sehen. Das sind einige von Hunderten Objekten im Obergeschoss, die bis zum 03.03.2019 ausgestellt sind. Postkarten, Reisekataloge und Fotos komplettieren das Bild. (Zu dpa «Von Zeltplatz bis Schiff: Schau zeigt «Urlaub in der DDR»» vom 14.07.2018) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB +++ dpa-Bildfunk +++

Reiseunterlagen, Dokumente und Reisechecks aus DDR-Zeiten.

Patrick Pleul/dpa

Obwohl die Urlauber im Harz streng überwacht wurden, weil die Urlaubsorte des Oberharzes im Grenzgebiet lagen, zog der Harz dennoch jedes Jahr viele Urlauber an. Den Brocken konnten DDR-Bürger zwar nicht erreichen, weil dieser zum militärischen Sperrgebiet gehörte, aber die Berglandschaft, die vielen Wanderwege zwischen Wernigerode und Bad Sachsa, die Burgruinen, alte Stollen und die vielen Freibäder sorgten für einen tollen Familienurlaub.

Spreewald in Brandenburg

Im Kahnhafen von Lübbenau liegen die Spreewaldkähne am Donnerstag (22.10.1998) dicht an dicht, nachdem sie den Sommer über mehrere hunderttausend Touristen durch die einzigartige Landschaft gefahren haben. Der Fährbetrieb ist noch nicht vollständig eingestellt. Vereinzelt fahren noch immer Boote mit Spreewald-Besuchern die Fließe entlang. dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Im Kahnhafen von Lübbenau liegen die Spreewaldkähne dicht an dicht. Sie fuhren jeden Sommer über mehrere hunderttausend Touristen durch die einzigartige Landschaft.

Martin Schutt/dpa

Bereits im Jahr 1960 wurden im Spreewald 600.000 Touristinnen und Touristen gezählt. 1975 waren es eine Million Touristen. Schon in der DDR war der Spreewald im Süden Brandenburgs eins der beliebtesten Reiseziele, besonders für Berliner.

Auslandsreisen in der DDR

Grundsätzlich waren nur Reisen in das befreundete sozialistische Ausland möglich. Auslandsreisen nach Polen und in die Tschechoslowakei (ČSSR) waren einige Zeit ohne Genehmigung möglich. Auf Ausreiseantrag durften DDR-Bürger nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien, in die UdSSR oder sehr selten nach Kuba reisen.

Balaton in Ungarn

ARCHIV - DDR-Bürger informieren sich am 17.08.1989 vor der deutschen Botschaft in Budapest auf einer Landkarte über den Verlauf der grünen Grenze. Hunderte DDR-Bürger flohen am 19.08.1989 beim «Paneuropäischen Picknick» aus den ungarischen Sopron in den Westen. Über 10.000 Übersiedler fuhren dann in den ersten 24 Stunden nach der Öffnung der ungarischen Grenze am 11.09.1989 über die Grenze von Ungarn nach Österreich. Foto: Wolfgang Kumm/dpa (zu dpa Serie 25 Jahre Mauerfall - «Paneuropäisches Picknick»: Wie DDR-Bürger den Mauerfall probten» vom 18.08.2014) +++ dpa-Bildfunk +++

DDR-Bürger sitzen vor der deutschen Botschaft in Budapest.

Wolfgang Kumm/dpa

DDR-Bürger reisten gerne nach Ungarn an den Balaton. Der glasklare Plattensee mit seinem 197 Kilometer langen Ufer liegt im Westen Ungarns. Besonders beliebte Badeorte waren Siofok, Balatonlelle und Balatonfüred. Weil so viele Touristen anreisten, hieß der Balaton auch „Mallorca der DDR-Bürger“. Zwischen 1970 und 1980 kamen im Durchschnitt eine Million Gäste, vorwiegend aus den „sozialistischen Bruderstaaten“ an den Plattensee.

Bulgarien

Das Hotel Riviera in Slatni Pjassazi (Goldstrand) am Schwarzen Meer. Das Hotel Riviera, das zu DDR-Zeiten Romantika hieß, ist eine beliebtes Reiseziel bei deutschen Feriengäste, vornehmlich aus der früheren DDR. (zu dpa «Flucht ins Paradies» - Eine kleine Geschichte übers Reisen") +++ dpa-Bildfunk +++

Das Hotel Romantika in Slatni Pjassazi (Goldstrand) am Schwarzen Meer war bei DDR-Feriengäste beliebt.

Georgi Genchev/dpa

Die 70er und 80er waren Reisehochzeit für DDR-Urlauber, die an den Goldstrand nahe der Stadt Warna und in das Rila- und Piringebirge wollten. 1973 reisten mehr als 140.000 DDR-Bürgerinnen- und Bürger nach Bulgarien an die Schwarzmeerküste, um das mediterrane Flair zu genießen.

Polen

ARCHIV - Dresdens erster frei gewählter Oberbürgermeister Herbert Wagner fährt mit seiner Frau und den zwei Kindern am 18.07.1990 von Dresden aus in den Urlaub an die Ostsee. Wagners Auto war das?erste DDR-Fahrzeug mit einer Dekra-HU-Plakette nach West-Standard. Am 1. Oktober 1990 - so sagt es das Archiv der Organisation - klebten die Prüfer den Beweis für die bestandene Kfz-Hauptuntersuchung an?Wagners papyrusweißen Trabant Kombi. Foto: Ulrich Hässler dpa/lsn (zu lsn 4019 "Plaketten für die Trabis - 20 Jahre Ost-HU" vom 23.08.2010) +++ dpa-Bildfunk +++ || Mindestpreis 25 Euro

Ein weißer Trabant Kombi vollgepackt und bereit für den Urlaub.

Ulrich Haessler/dpa

Die polnische Ostsee und die historischen Städte Warschau, Krakau und Breslau waren bei den ostdeutschen Urlaubern begehrt. Nach 1972 waren die Reisen nach Polen und in die CSSR ohne Antrag und ohne Genehmigung möglich. Laut Bundesarchiv reisten 1976 knapp 3,8 Millionen DDR-Bürger nach Polen, um dort Ausflüge oder Urlaub zu machen.

Tschechien

Eine Badehose vom VEB Strickwaren Oberlungwitz aus den 1970er Jahren, Badeschuhe «Carola» und Sonnenschutzspray «Violetta» sind in der Ausstellung «Grenzen der Freundschaft. Tourismus zwischen DDR, CSSR und Polen» im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR zu sehen. Durch Europa verlief im Kalten Krieg der «Eiserne Vorhang», doch auch die Grenzen zwischen den sozialistischen «Freundesländern» waren ein Politikum und nur beschränkt passierbar. In den sechziger Jahren wurden sie zwar etwas durchlässiger, einen wahren Aufbruch markiert jedoch das Jahr 1972: In der DDR, CCSR und Polen traten Regelungen in Kraft, die den wechselseitigen Grenzübertritt ohne Pass und Visum erlaubten. Millionen von Menschen nutzten dies bereits im ersten Jahr. Sie unternahmen Urlaubsreisen, Tagesausflüge oder Einkaufstouren in die Nachbarländer. Die Ausstellung beleuchtet die vielschichtigen Reiseerfahrungen hinweg über die «Grenzen der Freundschaft». (zu dpa: «Grenzen der Freundschaft» - Wie die DDR-Bürger das Reisen entdeckten) +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Badehose vom VEB Strickwaren Oberlungwitz aus den 1970er Jahren, Badeschuhe „Carola“ und Sonnenschutzspray „Violetta“ durften beim Urlaub in der DDR nicht fehlen.

Patrick Pleul/dpa

Tschechien, die ehemalige CSSR, gehörte zu den am häufigsten besuchten sozialistischen Ländern. Etwa 60 Prozent aller Auslandsreisen von der DDR aus gingen im Jahr 1978 dorthin. Per Zug oder Bus fuhren die ostdeutschen Urlauber in das Nachbarland. Im Sommer reisten die DDR-Bürger in die historischen Städte Prag und Karlsbad. Zum Winterurlaub fuhren sie gerne in die Gebirge, um Wintersport zu betreiben und sich an der Schneelandschaft zu erfreuen.