US Wahl 2020
: Reaktionen auf Joe Bidens Wahlsieg: Jubel in US-Großstädten, Gratulationen aus der Politik

Riesige Erleichterung bei den Anhängern der Demokraten: Kaum hatten US-Sender Joe Biden zum Sieger erklärt, strömten die Menschen in den Großstädten der Ostküste auf die Straßen und feierten. Auch in den Sozialen Netzwerken wird gejubelt.
Von
dpa, afp, lema
Washington
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Menschen feiern vor dem Pennsylvania Convention Center, nachdem der demokratische Präsidentschaftskandidat J. Biden den Präsidenten D. Trump besiegt hat, um 46. Präsident der USA zu werden.

Rebecca Blackwell/dpa

Nur Sekunden, nachdem mehrere US-Medien den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden am Samstag zum Sieger der Wahl in den USA erklärt haben, ist in vielen Großstädten großer Jubel ausgebrochen. Auf den Straßen New Yorks klatschten, schrien und jubelten die Menschen. Hunderte strömten Samstagmittag (Ortszeit) zum Times Square und feierten. Viele Autofahrer betätigten pausenlos ihre Hupen. Auch nach einer Stunde hatte der andauernde Applaus noch kein Ende genommen.

Fernsehsender zeigten auch Bilder aus Philadelphia in Pennsylvania mit feiernden Menschen. Kurz nachdem einige noch ausstehende tausend Stimmen von dort bekanntgegeben wurden, hatten US-Sender Joe Biden zum Sieger ausgerufen. Auch vor dem Weißen Haus in Washington jubelten die dort versammelten Demonstranten.

Die Metropolen an der US-Ostküste gelten als liberal und demokratisch, Joe Biden hat dort ersten Ergebnissen zufolge den weit überwiegenden Teil der Stimmen geholt. New York ist aber auch die Geburtsstadt des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump.

Freude und Erleichterung in den Sozialen Medien

Auch in den Sozialen Medien wird der Sieg Joe Bidens gefeiert. Auf Twitter wird unter anderem der Hashtag #yourefired (Du bist gefeuert) gebraucht, ein berühmter Satz Trumps aus seiner Show „The Apprentice“. Die User benutzen diesen Satz nun, um das Ende von Trumps Präsidentschaft zu feiern.

Emotional wurde es bei einer Live-Übertragung des Fernsehsenders CNN: Als der Moderator Anderson Cooper seinen Kollegen Van Jones fragt, was das Ergebnis der Wahl für ihn bedeutet, bricht dieser vor Erleichterung in Tränen aus.

Trump-Anhänger in der Unterzahl

In der deutlichen Unterzahl waren die Unterstützer des amtierenden Präsidenten, die sich der Zeitung „USA Today“ zufolge in Hauptstädten der Bundesstaaten sammelten und gegen den angeblichen Wahlbetrug protestierten. Trump hatte sich in den vergangenen Tagen immer als Opfer systematischen Wahlbetrugs dargestellt, ohne dafür stichhaltige Belege zu liefern.

Dem Artikel zufolge versammelten sich einige Demonstranten unter dem Motto „Stopp den Diebstahl“ unter anderem in Albany im Bundesstaat New York und Michigans Hauptstadt Lansing. Dort riefen sie demnach „Wir haben gewonnen“ und hielten Schilder mit der Aufschrift „Es ist nicht vorbei“ hoch. Auch in South Carolinas Hauptstadt Columbia hatten sich Samstag Hunderte Anhänger des Präsidenten versammelt. Der örtlichen Zeitung „The Post and Courier“ zufolge skandierten sie unter anderem „Wir sind die stille Mehrheit“.

Merkel freut sich auf „künftige Zusammenarbeit mit Präsident Biden“

Nach der Ausrufung des Wahlsiegs von Biden ließen die Reaktionen aus aller Welt am Samstag nicht lange auf sich warten. Glückwünsche kamen umgehend unter anderem aus Deutschland:

Die Bundesregierung hofft nun auf eine Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, die unter dem bisherigen Präsidenten Donald Trump schwer gelitten haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einer Mitteilung, sie freue sich auf die „künftige Zusammenarbeit mit Präsident Biden“. Merkel hob hervor: „Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich, wenn wir die großen Herausforderungen dieser Zeit bewältigen wollen.“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte: „Wir wollen in unsere Zusammenarbeit investieren, für einen transatlantischen Neuanfang, einen New Deal.“ Ähnlich äußerte sich Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). „Congratulations“ ("Glückwunsch"), twitterte er zudem.

Politiker gratulieren Joe Biden zum Sieg

Als einer der ersten gratulierte Irlands Regierungschef Micheal Martin. Mit Blick auf die irische Herkunft von Bidens Familie schrieb er: „Irland ist stolz auf die Wahl von Joe Biden“. Er hob hervor: „Joe Biden war immer ein treuer Freund und Unterstützer Irlands.“ Zugleich lud Martin den neuen US-Präsidenten nach Irland ein, sobald dies die Umstände erlaubten.

Auch Kanadas Regierungschef Justin Trudeau, der häufiger im Clinch mit Trump gelegen hatte, war unter den ersten Gratulanten. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem gewählten Präsidenten Biden, der gewählten Vize-Präsidentin (Kamala) Harris, mit ihrer Regierung und dem US-Kongress, damit wir die größten Herausforderungen in der Welt gemeinsam in Angriff nehmen,“ erklärte er.

Der französische Präsident Emmanuel Macron gratulierte Biden und Harris und schrieb über Twitter: „Wir haben viel zu tun, um die Herausforderungen von heute in Angriff zu nehmen. Handeln wir zusammen!“ Frankreichs Staatschef war mit Trump unter anderem in der Klimapolitik aneinandergeraten.

Der britische Regierungschef Boris Johnson, der zu Trump ein eher gutes Verhältnis hatte, gratulierte Biden zu seiner Wahl und der ersten US-Vize-Präsidentin Harris zu „ihrem historischen Erfolg“. Die USA seien der „wichtigste Verbündete“ Großbritanniens. Er freue sich auf die Zusammenarbeit bei „gemeinsamen Prioritäten vom Klimawandel über Handel bis hin zu Sicherheit“. Vor der US-Wahl war gemutmaßt worden, Johnson verzögere die Post-Brexit-Verhandlungen mit der EU, um erst einmal den Ausgang der Präsidentschaft in den USA abzuwarten.

Auch die Spitzen der EU riefen zu einer engeren transatlantischen Partnerschaft auf. Mit Blick auf Herausforderungen wie die Corona-Pandemie oder den Klimawandel schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „Die EU-Kommission steht bereit, die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung und dem neuen Kongress zu intensivieren.“ EU-Parlamentspräsident David Sassoli rief zu einer „Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen“ auf. EU-Ratspräsident Charles Michel gratulierte Biden und Harris ebenfalls - aber viel zurückhaltender. Unter den EU-Länder waren einige klar auf Trumps Seite, so hatte Slowenien Trump sogar bereits zu einem Wahlsieg gratuliert.

NATO-Chef Jens Stoltenberg gratulierte Biden indes und nannte ihn einen „starken Unterstützer unserer Allianz“. Auf Twitter schrieb er: „Eine starke Nato ist gut sowohl für Nordamerika als auch für Europa.“ Trump hatte die Nato-Partner mehrfach verprellt, unter anderem durch unabgesprochene Truppenabzugsankündigungen und sein offenes Infragestellen des Verteidigungsbündnisses.