Vatikan
: Gab es schon mal zwei Päpste gleichzeitig?

Zwei Päpste auf einmal? Das wäre, als befänden sich Angela Merkel und Olaf Scholz zur gleichen Zeit im Amt. Klar ist: Das höchste Amt der römisch-katholischen Kirche steht nur einer Person zur Verfügung. Oder?
Von
David Hahn
Rom
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Silvester - Vatikan: 31.12.2024, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Franziskus leitet die Silvestervesper und das Te Deum im Petersdom im Vatikan. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Papst Franziskus leitet am 31.12.2024 die Silvestervesper und das Te Deum im Petersdom im Vatikan.

Andrew Medichini/AP/dpa
  • Zwei Päpste gleichzeitig im Amt gab es in der Geschichte der katholischen Kirche mehrmals.
  • Im 15. Jahrhundert gab es während des „Abendländischen Schismas“ sogar drei Päpste.
  • Papst Urban VI. wurde von Kardinälen für unfähig erklärt; ein Gegenpapst wurde ernannt.
  • Das Konzil von Pisa setzte beide Päpste ab, ernannte aber Alexander V., was zur Dreispaltung führte.
  • Das Schisma endete erst 1418 mit dem Konzil von Konstanz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es mag einem widersprüchlich vorkommen. Dennoch gab es in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gleich mehrere Zeitpunkte, an denen man vom Papst in der Mehrzahl sprechen musste. Wie konnte es dazu kommen?

Gibt es aktuell zwei Päpste?

Mit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. und Wahl von Papst Franziskus waren bis zu Benedikts Tod 2022 zumindest zwei Personen zur gleichen Zeit am Leben, die das Amt des Papstes innehatten. Man kann zwar sagen, dass es somit zwei Päpste zu derselben Zeit gegeben hat. Jedoch sind Franziskus und Benedikt XVI. nicht zur gleichen Zeit im Amt gewesen. Das war in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche aber auch schon anders.

Ein, zwei oder drei Päpste auf einmal?

Laut Statut kann es nur ein Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche geben. Bis in das 15. Jahrhundert kam es jedoch immer wieder zu Situationen, bei denen gleich mehrere Päpste im Amt waren. Im populärsten Fall gab es während des „Abendländischen Schismas“ sogar drei Päpste zu derselben Zeit. Bei einer zeitweiligen Glaubensspaltung der römischen Kirche gab es rivalisierende Papstansprüche in Rom (Italien) und in Avignon (Frankreich). Weil der amtierende Papst Urban VI. das Kardinalskollegium gegen die Ablehnung der bisherigen Kardinäle erweitern wollte, wurde er von diesen für unfähig erklärt. Sie entschlossen sich, einen neuen Papst zu ernennen, der somit als Gegenpapst zeitgleich im Amt war. Das Konzil von Pisa sollte diese Teilung beheben, setzte beide Päpste ab und erklärte Alexander V. als neuen Papst. Da dieser jedoch von den bestehenden Päpsten abgelehnt wurde, bestanden bis zum Ende des Konzils von Konstanz 1418 drei amtierende Päpste zur gleichen Zeit.