Vogelgrippe in Brandenburg: Können Menschen und Haustiere sich anstecken?

In Brandenburg und anderen Teilen Deutschlands gibt es einen Ausbruch der Vogelgrippe. Können auch Menschen und Haustiere wie Katzen und Hunde sich anstecken?
Matthias Bein/dpaEs ist der bislang schlimmste bekannte Vogelgrippe-Ausbruch bei Wildvögeln in Brandenburg und auch weitere Teile Deutschlands sind betroffen. Bislang sind nach Behördenschätzung mehr als 1.000 tote Kraniche rund um das Linumer Teichgebiet (im Kreis Ostprignitz-Ruppin) gefunden worden. Wie wird die Vogelgrippe übertragen und sind auch Haustiere wie Katzen gefährdet?
Warum breitet sich die Vogelgrippe gerade jetzt aus?
In diesem Herbst sind in Deutschland laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) besonders viele Kraniche von der hoch ansteckenden Vogelgrippe betroffen. Das sei ungewöhnlich, sagte FLI-Präsidentin Christa Kühn im RBB-Inforadio. Ursache seien vermutlich der Zeitpunkt des Vogelzugs, das Wetter und die Zugrouten. Die Lage entwickle sich derzeit sehr dynamisch, die Fallzahlen steigen täglich.
Mit dem Höhepunkt des Herbstzugs rechnen Fachleute mit deutlich mehr Todesfällen und einer schnellen Ausbreitung der Vogelgrippe in Mitteleuropa und entlang der Zugrouten, teilte das Landesamt für Umwelt mit. Wie in den Vorjahren überfliegen die Kraniche auch das Havelländische Luch, ein Gebiet, das laut Landesumweltamt für den Erhalt der letzten deutschen Großtrappenbestände entscheidend ist.
Wird die Vogelgrippe auf Menschen übertragen?
Ja, das ist möglich. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden beim Menschen bisher vor allem Infektionen mit den Vogelgrippeviren „A(H5N1)“ und „A(H7N9)“ festgestellt. Auch andere Varianten treten gelegentlich auf. Die bekannten Fälle stammen überwiegend aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten. In Deutschland ist bislang kein Mensch an Vogelgrippe erkrankt.
Das bestätigen auch aktuelle Fallzahlen der WHO. Laut Wochenreport vom 17. Oktober 2025 zur „aviären Influenza“ - so die offizielle Bezeichnung der Vogelgrippe - sind aktuell in Kambodscha, China, Vietnam sowie Indonesien vergleichsweise viele Fälle gemeldet worden.
Wie hoch ist das Risiko, sich jetzt mit Vogelgrippe zu infizieren?
Wenn Vogelgrippeviren in Geflügelbeständen zirkulieren, besteht laut WHO das Risiko vereinzelter Infektionen und kleiner Fallcluster beim Menschen. Ursache sind der Kontakt zu infiziertem Geflügel oder kontaminierten Umgebungen. Solche Einzelfälle gelten daher als nicht ungewöhnlich.
Wie stecken sich Menschen mit aviärer Influenza an?
Eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bei den zuletzt gemeldeten Infektionen mit Vogelgrippeviren vom Typ A(H5) nicht beobachtet. Die meisten Erkrankten hatten zuvor engen Kontakt mit infiziertem oder totem Geflügel. In den USA traten seit 2024 auch H5N1-Fälle bei Menschen auf, die sich an erkrankten Milchkühen angesteckt hatten. Für eine Infektion müssen offenbar große Virusmengen aufgenommen werden.
Das Virus wird laut RKI nur in Ausnahmefällen von Mensch zu Mensch weitergegeben, etwa bei der Variante A(H7N9). Eine dauerhafte Übertragung hat bisher nicht stattgefunden. Nach Einschätzung der WHO haben die aktuell zirkulierenden Viren keine Eigenschaften entwickelt, die eine effiziente Weitergabe zwischen Menschen ermöglichen. Insgesamt bleibt die Hürde für eine Ansteckung sowohl zwischen Tieren und Menschen als auch zwischen Menschen sehr hoch.
Kann die Vogelgrippe auf Haustiere wie Katzen übertragen werden?
Ja, das ist möglich. Im Juni 2023 traten zum Beispiel in Polen zahlreiche Fälle erkrankter und verendeter Hauskatzen auf. Da sich weltweit die Fälle häufen, wurde bereits 2024 ein Monitoringprojekt ins Leben gerufen. Auch Hunde können sich anstecken, wenn sie Virenkontakt haben.
Kann Vogelgrippe eine Pandemie auslösen?
Das Risiko bleibt aufgrund der weiten Verbreitung der Viren unter Vögeln erhöht. Das allgemeine Pandemierisiko durch A(H5) hat sich im Vergleich zu den Vorjahren jedoch nicht wesentlich verändert.
Muss bzw. kann man sich gegen Vogelgrippe impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät Personen mit regelmäßigem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln zur jährlichen Grippeschutzimpfung. Sie schützt zwar nicht vor einer Infektion mit Vogelgrippeviren, kann aber eine gleichzeitige Ansteckung mit saisonaler Grippe verhindern. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich die Erreger genetisch vermischen und neue Virusvarianten entstehen. Es gibt zudem Impfstoffe gegen Vogelgrippe, die laut RKI beispielsweise für beruflich exponiertes Personal, etwa in Forschungseinrichtungen, eingesetzt werden könnten. Es liegt aber keine Empfehlung der STIKO dahingehend vor.
