Wahlen in Ungarn 2026: Aktuelle Umfragen - Wer gewinnt am Sonntag die Parlamentswahl?

Menschen jubeln am 15. März 2026, während der Oppositionsführer Péter Magyar bei einer Demonstration eine Rede hält.
Denes Erdos/AP/dpaIn Ungarn wird am Sonntag, dem 12. April 2026, ein neues Parlament gewählt. Die Wahl verspricht, spannend zu werden. Nach 16 Jahren an der Macht steht Ministerpräsident Viktor Orbán erstmals vor einer möglichen Abwahl. Sein Herausforderer Péter Magyar hat mit seiner Tisza-Partei in kurzer Zeit eine breite Mobilisierung erreicht und liegt in vielen Umfragen deutlich vorn. Die Wahl ist dabei nicht nur für den Kurs Ungarns entscheidend, sondern auch in Hinblick auf die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union.
Umfragen zur Parlamentswahl in Ungarn 2026
Umfragen zeichneten bis Ende März überwiegend ein klares Bild zugunsten der Oppositionspartei TISZA. Je nach Institut kam sie meist auf Werte zwischen 49 und 58 Prozent, während die regierende Fidesz-Partei von Viktor Orbán zwischen 35 und 40 Prozent lag. Damit beträgt der Vorsprung der Opposition in vielen Erhebungen rund zehn bis über 20 Prozentpunkte.
Neben den beiden großen Parteien spielten kleinere politische Kräfte bislang nur eine begrenzte Rolle. Die rechtsextreme Partei Mi Hazánk (MH) erreichte stabil etwa vier bis sechs Prozent und könnte damit den Einzug ins Parlament schaffen. Die Demokratische Koalition (DK) sowie die Satirepartei MKKP lagen dagegen meist nur zwischen ein und vier Prozent.
Aktuelle Umfragen im Detail
Eine Umfrage des Instituts Iránytű vom 4. April 2026 sieht die Oppositionspartei TISZA weiterhin deutlich vorn. Demnach kommt TISZA auf 51 Prozent, während Fidesz bei 40 Prozent liegt. Die rechtsextreme Partei Mi Hazánk (MH) sowie die Satirepartei MKKP erreichen jeweils 4 Prozent, die Demokratische Koalition (DK) liegt bei 1 Prozent.
Das Institut Medián sah Tisza (20. März) bei 58 Prozent, Fidesz lediglich bei 35 Prozent. Auch das 21 Kutatóközpont (28. März) maß einen klaren Abstand (56 zu 37 Prozent). Andere Institute wie Závecz (28. März) oder Republikon (26. März) kamen auf Werte um 49 bis 51 Prozent für Tisza und etwa 38 bis 40 Prozent für Fidesz. Eine Umfrage des Instituts Publicus vom 30. März 2026 sah ebenfalls die Oppositionspartei TISZA klar vorn. Demnach kam TISZA auf 49 Prozent, während Fidesz bei 40 Prozent lag. Die rechtsextreme Partei Mi Hazánk (MH) erreichte 6 Prozent. Die Demokratische Koalition (DK) sowie die Satirepartei MKKP lagen jeweils bei 3 Prozent.
Eine Ausnahme bildete zuletzt jedoch eine Umfrage des häufig als regierungsnah eingeordneten Alapjogokért Központ vom 29. März 2026. Dabei liegt Fidesz mit 50 Prozent vor TISZA, die auf 42 Prozent kam.
Warum ein Vorsprung nicht automatisch den Sieg bedeutet
Trotz teils deutlicher Umfragewerte ist der Wahlausgang offen. Grund dafür ist das ungarische Wahlsystem, das Fidesz strukturell begünstigt. Ein großer Teil der Mandate wird in Direktwahlkreisen vergeben, deren Zuschnitt tendenziell der Regierungspartei zugutekommt. „Es ist eine Situation vorstellbar“, sagt dazu der Wahlforscher Robert Laszlo vom Thinktank Political Capital, „dass Tisza um ein bis drei Prozentpunkte mehr Stimmen hat als Fidesz - und trotzdem Fidesz die Mehrheit der Parlamentsmandate hat“. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Auch im Falle einer Niederlage könnte Orbán politischen Einfluss behalten. In wichtigen Institutionen wie Gerichten, Staatsanwaltschaft und Medienaufsicht sind zahlreiche Schlüsselpositionen mit Vertrauten besetzt, die nur mit einer Zweidrittelmehrheit abgelöst werden können. Eine neue Regierung könnte somit auf institutionelle Hürden stoßen.
Auswirkungen auf Europa
Die Wahl gilt als richtungsweisend und hat über Ungarn hinaus auch Auswirkungen auf die Europäische Union. Orbáns Regierung steht seit Jahren wegen ihrer Russlandnähe, Rechtsstaatskonflikte und Blockaden in der EU in der Kritik.
Ein Sieg der Tisza-Partei könnte das Verhältnis zur EU deutlich entspannen. Parteichef Péter Magyar hat angekündigt, Reformen umzusetzen, Korruption zu bekämpfen und blockierte EU-Gelder freizusetzen. Beobachter erwarten zumindest einen kooperativeren Kurs gegenüber Brüssel. Umgekehrt würde ein weiterer Sieg Orbáns die bestehenden Konflikte wohl fortschreiben und die Handlungsfähigkeit der EU weiter belasten.
