Gestrandeter Wal an der Ostsee
: Der Rettungsversuch heute im Livestream

Ein junger Buckelwal ist vor Niendorf in der Ostsee gestrandet und kämpft ums Überleben. Hier gibt es die heutige Rettungsaktion live zum Mitverfolgen.
Von
David Hahn
Timmendorfer Strand
Wal an der Ostseeküste gestrandet

Mit Booten wurden die Woche Wellen erzeugt, um dem Wal bei der Rückkehr in tieferes Wasser zu helfen. Bisherige Rettungsversuche sind jedoch gescheitert. Heute starten die Retter einen nächsten Anlauf mit einem größeren Bagger.

Jens Büttner/dpa

Vor der Küste von Niendorf (Timmendorfer Strand) sorgt ein gestrandeter Buckelwal für große Anteilnahme. Das Jungtier liegt seit Montagfrüh auf einer Sandbank, sein Rücken ragt aus dem Wasser. Hier gibt es die Rettungsaktion am Donnerstag, 26.03.2026, im Livestream.

Live: Wal am Timmendorfer Strand aktuell - Rettung im Stream

Gestrandeter Wal am Timmendorfer Strand

Experten haben einen neuen Rettungsversuch für den vor Timmendorfer Strand gestrandeten Buckelwal gestartet. Zwei Bagger begannen, in einiger Entfernung eine Rinne in den Sand zu graben, um dem Tier den Weg zurück ins tiefere Wasser zu ermöglichen, ein dritter Bagger steht bereit. Ziel ist es, sich langsam und kontrolliert bis auf wenige Zentimeter an den Kopf des Wals heranzuarbeiten, wobei Wind und Strömung die Arbeiten erschweren. Der Meeressäuger reagierte auf Annäherung mit Bewegungen und Schnauben, wirkt laut Einschätzung von Fachleuten jedoch weiterhin vergleichsweise stabil und kann seinen Kopf noch anheben.

Der Buckelwal ist wohl deutlich größer als zunächst angenommen. Das Tier sei wahrscheinlich zwischen 12 und 15 Meter lang, sagte Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Nachrichtenagentur dpa. Das Gewicht wurde demnach auf rund 15 Tonnen geschätzt. Das Alter sei schwer zu bestimmen, auch wegen der Hautveränderungen im Zuge der Strandung, hieß es.

Vorherige Rettungsversuche scheiterten. Mit einem Saugbagger konnte der feste Sand nicht ausreichend entfernt werden. Das Hochwasser habe in der Nacht auf Dienstag nicht ausgereicht, damit sich das etwa zehn Meter lange Tier aus eigener Kraft hätte freischwimmen können, sagte ein Polizeisprecher. Zum Einsatz kamen die letzten Tage unter anderem auch Polizei-Boote, Schlauchboote und Drohnen, zahlreiche Helfer sowie ITAW-Experten. Mit den Booten wurden Wellen erzeugt, um dem Wal bei der Rückkehr in tieferes Wasser zu helfen - bislang jedoch ohne Erfolg. Um den vor Schleswig-Holstein gestrandeten Buckelwal zu retten, setzen die Helfer nun auf einen größeren Schwimmbagger aus Niedersachsen.

Tötung laut Experten ausgeschlossen

Eine Tötung des jungen Buckelwals, um ihn von möglichem Leiden zu erlösen, ist nach Angaben der ITAW-Leiterin Ursula Siebert keine Option. Es gebe internationale Absprachen, was gemacht werden könne und wie. „Je größer der Wal ist, desto schwieriger wird das ganze“, erklärte Siebert. Auch die Gegebenheiten vor Ort seien ungünstig.

Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, im Grunde sei das Wasser zu flach für den Wal, aber zu tief für eine gezielte Tötung. „Zudem gibt es bei einem solchen großen Wal keine zuverlässige Methode der Euthanasierung, mit der man weiteres Leiden vollständig ausschließen kann.“

Warum ist der Wal gestrandet?

Experten gehen davon aus, dass sich große Wale wie Buckelwale in der Ostsee meist verirren, wenn sie auf Nahrungssuche Fischschwärmen folgen. Auch Unterwasserlärm kann ihre Orientierung beeinträchtigen. Besonders junge Tiere neigen dazu, neue Gebiete zu erkunden, und geraten dabei leichter in flache Gewässer. Vermutlich handele es sich um einen jungen Bullen, weil die männlichen Tiere im Gegensatz zu den Kühen auf Wanderschaft sind, so Sven Biertümpfel von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Das gestrandete Tier könnte zudem identisch sein mit einem Wal, der zuvor im Hafen von Wismar gesichtet wurde.

Hintergrund: Buckelwale in der Ostsee

Die Ostsee ist kein natürlicher Lebensraum für große Wale. Heimisch sind dort lediglich Schweinswale, deren Bestände jedoch als bedroht gelten. Buckelwale hingegen gehören zu den größten Meeressäugern und können bis zu 15 Meter lang und rund 35 Tonnen schwer werden. Immer wieder werden einzelne Tiere in der Ostsee gesichtet, ein möglicher Grund ist laut Experten auch eine gewachsene Population. Viele Tiere finden später wieder den Weg zurück in die Nordsee. Strandungen bleiben selten, stellen aber aufgrund des enormen Gewichts und der Stressanfälligkeit der Tiere eine große Herausforderung für Rettungsteams dar.

Mit Material der dpa und AFP