Was war das am Himmel?
: Glühender Lichtschweif über Brandenburg – die Ursache

UPDATE 9:15 Uhr: Mit einem Knistern zog ein glühender Lichtschweif über Brandenburg, Sachsen und weitere Teile Deutschlands. Was es war und was Elon Musk damit zu tun hat.
Von
Tilo Winkler,
Jana Scholz,
dpa
Frankfurt (Oder)
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Himmelserscheinung über Deutschland - Dresden: 19.02.2025, Sachsen, Dresden: In den frühen Morgenstunden des 19.02.2025 erhellt ein Lichtschweif den Nachthimmel für einige Sekunden. Die Aufnahme eines Augenzeugen zeigt das Spektakel über Dresden. Es soll sich um verglühende Teile einer Raketenstufe gehandelt haben. Foto: --/NEWS5/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In den frühen Morgenstunden erhellt ein Lichtschweif den Nachthimmel für einige Sekunden. Die Aufnahme eines Augenzeugen zeigt das Spektakel über Dresden. Auch in Brandenburg wurde das Phänomen beobachtet.

NEWS5/dpa
  • Glühender Lichtschweif über Brandenburg um 4:45 Uhr gefilmt und fotografiert.
  • Frühaufsteher berichteten von einem Knistern beim Phänomen.
  • Viele Fotos und Videos in sozialen Medien geteilt.
  • Unklar, was der glühende Lichtschweif verursachte.
  • Weitere Untersuchungen laufen, um das Ereignis zu klären.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den sozialen Medien sind etliche Fotos und Videos zu sehen: Über Brandenburg zog gegen 4.45 Uhr ein glühender Lichtschweif am Himmel durch die Nacht, begleitet von einem Knistern – so beschreiben es die, die es direkt gesehen (und gehört) haben. Etliche Frühaufsteher beobachteten das Phänomen am Himmel. Es wurde fotografiert und gefilmt.

Aber was war das? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Auf Anfrage erklärt Andreas Schütz, Leiter der Abteilung Kommunikation und Sprecher des Zentrums für Luft- und Raumfahrt, dass man nicht von einem Meteoritenschauer sprechen könnte. „Meteoriten sind farblich, das, was wir am Himmel gesehen haben, war weiß. Es könnte sich dabei um ein künstliches Objekt handeln.“

Währenddessen wird in den sozialen Netzwerken weiter gemutmaßt, was am frühen Morgen am Himmel über Frankfurt (Oder), Rüdersdorf, Königs Wusterhausen bis nach Greifswald oder Bautzen zu sehen war.

Was es war und was Elon Musk damit zu tun hat

Das Phänomen war offenbar an vielen Orten in Deutschland zu sehen. Dabei habe es sich um einen unkontrollierten Wiedereintritt des Objekts Falcon 9 R/B, ein Stück einer Raketenstufe, in die Atmosphäre gehandelt, teilte Martin Fleischmann von der Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. auf MOZ.de-Anfrage mit. Er erklärt: „Aufgrund der großen Höhe von rund 80 Kilometern, in der typischerweise Weltraumobjekte auseinanderbrechen, konnte das Phänomen aus großer Entfernung beobachtet werden.“

Noch Konkreter wurde Tim Flohrer, Abteilungsleiter für Weltraumschrott, der ESA (European Space Agency) gegenüber unserem Medienhaus: „Die Oberstufe der Falcon 9 (#62878), die am 1. Februar 2025 gestartet wurde, ist wieder eingetreten, nach einem Überflug von West nach Ost über Deutschland um ca. 04:46 MEZ.“ Beiden Agenturen zufolge gebe es keine Erkenntnisse, dass Trümmerteile auf Deutschland gefallen sein könnten, sagte der Sprecher. Wegen der ungewöhnlichen Lichterscheinungen hatten in der Nacht zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Polizei angerufen.

Ein Anrufer aus Bautzen in Sachsen etwa habe von „etwas Hellem am Himmel“ oder einem „Lichtball“ berichtet, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion in Görlitz. Ein Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg in Sachsen-Anhalt sprach von ein oder zwei Anrufen. Die Anrufer hätten ihre Beobachtungen mitgeteilt und sich nach der Ursache erkundigt, sie seien „nicht panisch“ gewesen. Auch bei der Polizei in Stendal und in Brandenburg hätten sich Anrufer nach den Himmelerscheinungen erkundigt, hieß es. Schäden seien nicht bekannt.

Auf seiner Internetseite gab das Raumfahrt-Unternehmen SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk bekannt, dass eine Falcon 9 um 0.21 Uhr deutscher Zeit 23 Starlink-Satelliten in die erdnahe Umlaufbahn brachte.  Bei der Falcon 9 wird die erste Raketenstufe - der sogenannte Booster - wieder gelandet. Die zweite Raketenstufe verglüht in der Atmosphäre.

Weltraumexperte aus dem Bett geklingelt

Dass es sich um sogenannten Weltraumschrott handelt, bestätigt auch Hans-Jürgen Köhler von der Ufo-Meldestelle gegenüber diesem Nachrichtenportal. Nachdem der Weltraumexperte um 4.48 Uhr aus dem Bett geklingelt wurde, weil alle Welt wissen wollte, was am Himmel zu sehen ist, erklärt er im Gespräch mit unserem Medienhaus: „Das North American Aerospace Defense Command (NORAD; deutsch Nordamerikanisches Luftverteidigungskommando) hat inzwischen bestätigt, dass es sich um einen verglühten US-Satelliten handelt, der in unsere Erdatmosphäre eingedrungen ist und nun spektakulär verglüht.“

Laut Köhler war der Glüh-Akt bereits angekündigt: „Es war bekannt, dass sich da ein Satellit Richtung Atmosphäre herunterbewegt. Aber man kann es nicht genau auf die Uhrzeit bestimmen.“ Das Lichtspektakel am morgendlichen Himmel erklärt er nüchtern: „Wenn so Satellitenteile hereinkommen, das ist ganz einfach so, durch die Reibung in der Erdatmosphäre werden die dann total zerrissen.“ Das erklärt auch, die Formation, die zu sehen war: „Die Teile sind voreinander miteinander verglüht.“