Weihnachten in Polen: Wird Heiligabend im Nachbarland von Brandenburg ein Feiertag?

Ein traditioneller Gänsebraten liegt auf einem Teller vor einem geschmückten Christbaum. Etliche Menschen aus Brandenburg holen ihr Geflügel für Weihnachten noch am 24. Dezember frisch aus Polen. Müssen sie sich noch 2024 umstellen?
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Polens Politiker diskutieren, ob der 24. Dezember ein Feiertag wird, möglicherweise ab 2024.
- Wirtschaftsvertreter und Politiker sind wegen möglicher wirtschaftlicher Einbußen skeptisch.
- 66% der Polen unterstützen den Vorschlag, aber es gibt Bedenken wegen der Kosten.
- Ein Feiertag könnte bedeuten, dass viele Läden am 24. Dezember geschlossen bleiben.
- Änderungen würden auch Brandenburger und Sachsen betreffen, die am 24. Dezember in Polen einkaufen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Heiligabend am 24. Dezember heißt in Polen „Wigilia“ und ist im Nachbarland von Deutschland ein genauso janusköpfiger Tag wie hierzulande: Bis zum frühen Nachmittag ein Werktag, geprägt von vorweihnachtlicher Hektik, letzten Einkäufen oder stockendem „driving home for Christmas“-Verkehr. Ab dem späten Nachmittag mutiert die Getriebenheit in Feierlichkeit oder zumindest in geselliges Beisammensein unterm Weihnachtsbaum.
Ein gesetzlicher Feiertag aber ist Heiligabend nicht. In Polen könnte sich das bald ändern. Im Parlament diskutiert man aktuell einen Antrag der Linken, Koalitionspartner in der Tusk-Regierung.
Die Linken wollen, dass der 24. Dezember ein arbeitsfreier Feiertag wird – möglichst schon ab 2024. Das dürfte jedoch angesichts der nahenden Weihnachtszeit knapp werden, befand der Parlamentspräsident. Die Anträge wurden in Ausschüsse zur Beratung verwiesen, abgestimmt im Plenum wird bestenfalls noch im November.
Heiligabend als Feiertag – sogar der Präsident ist dafür
Familienministerin Agnieszka Dziemianowicz–Bąk (Linke) hätte den freien Heiligabend am liebsten schon in diesem Jahr und verwies auf Tschechen, Finnen und Slowaken, die den freien Tag vor dem richtigen Weihnachtsfest schon lange eingeführt hätten. Damit würde das Weihnachtsfest auf drei gesetzliche Feiertage ausgedehnt. Positiv äußerte sich sogar Präsident Andrzej Duda, der sonst fast alle Vorschläge aus dem Regierungslager ablehnt.
Skeptisch sind hingegen Abgeordnete aus der eigenen Regierungskoalition, etwa vom konservativen Bündnis „Dritter Weg“ – wegen der Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Ein Feiertag kostet einem Land Milliarden
In einer repräsentativen Umfrage zum Thema stimmten etwa zwei Drittel der Polinnen und Polen dem Vorschlag zu. Schließlich ist am 24. Dezember schon genug zu tun. Wer das Fest ganz traditionell mag, muss zwölf Speisen zubereiten. Immerhin 26 Prozent der Befragten hatten Bedenken – oft wegen der Wirtschaft.
Laut dem Portal „Interia Biznes“ ist die Einführung eines zusätzlichen Feiertags schätzungsweise mit Verlusten von 6 bis 8 Milliarden Złoty (1,4 bis 1,8 Milliarden Euro) für die polnische Volkswirtschaft verbunden. Polens Bruttoinlandsprodukt betrug 2023 umgerechnet rund 760 Milliarden Euro.
Dreikönigstag streichen? Oder den Ersten Mai?
Die Ministerin für Regionales, Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz, schlug daher etwas vor: Man könnte einen anderen Feiertag für den Heiligabend streichen, der traditionell und familiär nicht so bedeutsam ist. „In den jetzigen schwierigen Zeiten ist die Wirtschaftskraft auch ein Sicherheitsfaktor. Und Wirtschaftskraft erlange man unter anderem durch Arbeit“, sagte die Ministerin gegenüber polnischen Medien.
Konkret nannte sie den 6. Januar als Verhandlungsmasse – den Tag der Heiligen Drei Könige (Epiphanias). Ein christlicher Feiertag, der in Polen seit 2011 Feiertag ist. In Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt geht man zum Dreikönigstag ebenfalls nicht arbeiten.
Es gibt noch weitere Vorschläge, wie der polnische Staat die freie „Wigilia“ finanzieren könnte. Ausgerechnet der Tag der Arbeit, der 1. Mai, wurde ebenfalls für die Streichliste vorgeschlagen. Das lange Frühlingswochenende mit den Feiertagen am 1. und 3. Mai dürften die Polen jedoch kaum hergeben.
Arbeitgebervertreter kritisieren knappen Zeitplan
In Brandenburgs Nachbarregion Lubuskie äußerten sich Wirtschaftsvertreter zum Thema. Die Arbeitsgeberorganisation OZPL ist skeptisch – aber in erster Linie, weil alles so kurzfristig kommt. Das würde die interne Planung von Unternehmen, etwa von Schichtdiensten, durcheinander bringen. Kritisiert wird auch, dass die Initiative von der Politik nicht im dafür vorgesehenen Gremium mit Akteuren aus Wirtschaft und Gewerkschaften beraten wurde.
Bisherige Vorschrift: Handel bis 14 Uhr erlaubt
Der Gewerkschaftsbund OPZZ in Lubuskie ist hingegen dafür. Es wäre eine Systematisierung von Prinzipien – denn die meisten Unternehmen organisierten sich ohnehin so, dass der 24. Dezember arbeitsfrei sei, so Gewerkschaftsvertreterin Monika Bocian. „Die größte Veränderung gäbe es im Handel.“

Weihnachtliche Rote-Bete-Suppe „Barszcz“ mit Teigtaschen mit Pilzfüllung. Am Abend des 24. Dezember gibt es in Polen ein üppiges Festmahl, ganz ohne Fleisch. Traditionell stehen zwölf verschiedene Speisen auf dem Tisch. Aber nicht in jedem polnischen Haus macht man soviel zu essen.
Natalie Skrzypczak/dpaVeränderung würde dies auch für Brandenburgerinnen und Brandenburger, Sächsinnen und Sachsen bedeuten, die gern frisch zum Fest ihren polnischen Braten jenseits der Oder abholen. Oder einfach noch einen Einkauf machen. Bisher gilt im polnischen Handel die Vorschrift, dass Geschäfte am Heiligabend bis 14 Uhr geöffnet haben dürfen, Inhaber-geführte Läden auch länger. Würde der 24. Dezember ein normaler Feiertag, dann blieben die meisten Geschäfte zu. Gastronomie ist davon ausgenommen.


