5G-Mobilfunk: Der Verbraucher hat nicht nur gewonnen

Das Kürzel 5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, auch LTE genannt.
dpa/Boris RoesslerWozu wird 5G benötigt?
Das Kürzel 5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Der Standard ist der Nachfolger von 4G, auch LTE genannt. 5G ist wesentlich schneller im Download und verfügt über eine deutlich geringere Reaktionszeit. In Zukunft wird der neue Standard durch seine enorme Geschwindigkeitssteigerung bis in den Gigabit-Bereich den Weg für zahlreiche Anwendungen ebnen, die eine Datenübertragung in Echtzeit benötigen. So fallen etwa bei selbstfahrenden Autos gewaltige Datenmengen an. Die Wirtschaft setzt ebenfalls auf intelligent vernetzte Fabriken und Maschinen. Und auch für Verbraucher bietet 5G neue Möglichkeiten – etwa beim Shopping in der virtuellen Realität. Große Datenvolumen wie etwa bei hochauflösenden Filmen lassen sich dann in Sekundenschnelle herunterladen.
Wann kommt 5G?
Heute spielt 5G für Verbraucher allerdings noch keine große Rolle. Endgeräte kommen erst nach und nach auf den Markt. Punktuell wollen die Mobilfunkanbieter zwar bereits im kommenden Jahr 5G-Masten in Betrieb nehmen. Offiziell gibt die Bundesnetzagentur die ersteigerten Frequenzen jedoch erst ab 2021 frei.
Jedoch haben die Frequenzen eine vergleichsweise geringe Reichweite. Die Wellen sind viel zu kurz, um die Daten über weitere Strecken als wenige hundert Meter zu transportieren. Deshalb wollen die Netzanbieter erstmal nur Ballungsräume und Industriestandorte mit dem schnellen Netz versorgen. Erst in den Jahren 2025 beziehungsweise 2033 werden Frequenzen mit längerer Reichweite frei, die sich dann auch für die Versorgung ländlicher Gebiete eignen.
Was ist mit den aktuellen Funklöchern?
Die Bundesnetzagentur hat alle Netzbetreiber verpflichtet, im Gegenzug für die 5G-Frequenzen das LTE-Netz zu verbessern. Bis Ende des Jahres 2022 müssen die Telekom, Vodafone, Telefonica und der neue Akteur am Markt, Drillisch, mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen sowie die wichtigsten Schienenwege mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgen.
Diese Geschwindigkeiten sind auch mit dem aktuellen LTE-Standard erreichbar – den die meisten Mobilfunkgeräte im Gegensatz zu 5G auch schon heute nutzen können. Ganz der Vergangenheit werden die Funklöcher dann jedoch trotzdem nicht angehören: Denn bei einer Versorgung von 98 Prozent der Haushalte drohen immer noch zehn bis 15 Prozent der Fläche nicht abgedeckt zu werden. Vor allem dünn besiedelte Gegenden wären betroffen.
Ändern sich die Mobilfunkpreise?
Durch den erhöhten Wettbewerb werden die Preise für die Endkunden aller Wahrscheinlichkeit nach sinken. „Für den Verbraucher ist es extrem wichtig, dass mit Drillisch ein vierter Anbieter auf dem Markt ist“, sagt die Mobilfunk-Expertin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes Susanne Blohm dieser Zeitung. Das ist umso wichtiger, weil die Netzbetreiber bei der aktuellen Auktion nicht verpflichtet wurden, ihr Netz für billige Drittanbieter wie Aldi Talk oder Debitel zu öffnen. Was aus den Discountern wird, ist heute noch unklar.
Denn im kommenden Jahr laufen die 3G-Lizenzen der Netzanbieter, die für die Billigheimer geöffnet sind, aus. Die Verbraucher können deswegen nur hoffen, dass die Netzbetreiber ihr Netz von alleine öffnen, wie es Vodafone etwa getan hat.
Was passiert mit den Milliarden?
Die vier Netzanbieter haben insgesamt 6,6 Milliarden Euro für die neuen Frequenzen gezahlt. Kritiker bemängeln, dass das viel zu viel sei, den Unternehmen würde das Geld nun für den Netzausbau fehlen.
Das Geld wandert nun ins Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“, das per Gesetz im Dezember 2018 geschaffen wurde. Dort ist auch die Verteilung festgelegt: 70 Prozent kommen dem Ausbau von Festnetz-Breitbandkabeln zugute. 30 Prozent erhalten Länder und Gemeinden für die digitale Infrastruktur der Schulen, also den Digitalpakt. Insgesamt sieht der Koalitionsvertrag zehn bis zwölf Milliarden Euro für den Breitbandausbau und fünf Milliarden Euro für den Digitalpakt Schule vor. Weil Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) 2018 Geld übrig hatte, überwies er 2,4 Milliarden Euro als Anschubfinanzierung. Durch die hohen Erlöse der Versteigerung muss er in den nächsten Jahren weniger nach schießen.
Die Kosten der Anbieter
2,17 Milliarden Euro hat die Telekom ausgegeben, auf Vodafone entfallen 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica 1,42 Milliarden Euro. Drillisch konnte sich Frequenzen für 1,07 Milliarden Euro sichern. Trotzdem liegt der Erlös weit unter der Rekordsumme von 50 Milliarden Euro, die die Betreiber vor etwa zwanzig Jahren für den 3G-Funk ausgaben. "Es gab damals einen immensen Hype um die neue Technologie. Die Anbieter haben sich unglaublich verschätzt, was ihre Investitionen angeht", erklärt Verbraucherschützerin Susanne Blohm die Unterschiede in den Erlösen. "Seitdem sind die Netzbetreiber vorsichtiger." (igs)