Die Nato will derzeit kein konkretes Datum für ein Ende der Evakuierungsflüge aus Afghanistan nennen. „Die Lage am Flughafen in Kabul bleibt extrem herausfordernd und unberechenbar“, sagte ein Bündnissprecher am Montag in Brüssel. Gemeinsam mit alliierten Truppen werde daran gearbeitet, die Evakuierungen fortzusetzen. Derzeit verließen täglich Dutzende Flüge Kabul.
Weitere Gespräche zum Thema wird es nach Angaben des Sprechers bei dem per Videokonferenz organisierten G7-Sondergipfel zur Lage in Afghanistan an diesem Dienstag geben. An den Beratungen nimmt auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teil.
Der Zeitplan der USA sieht eigentlich vor, alle Truppen bis zum 31. August abzuziehen, was bedeuten würde, dass der Evakuierungseinsatz für Ausländer und durch die Taliban gefährdete Afghanen vermutlich schon Ende dieser Woche enden müsste. Zuletzt hat US-Präsident Joe Biden allerdings angekündigt, dass die US-Regierung im Gespräch mit dem Militär über eine mögliche Verlängerung der Evakuierungsmission über das Monatsende hinaus ist. Mehrere Nato-Partner sprechen sich dafür aus, diese Option in Erwägung zu ziehen.

31. August als „rote Linie“ für Taliban

Dagegen sprechen allerdings Warnungen der Taliban. Sie wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten nicht zustimmen. Die für den 31. August festgesette Frist sei eine „rote Linie“, sagte Suhail Schahin, ein Mitglied der Taliban-Delegation dem britischen Nachrichtensender „Sky News“ am Montag. Sie zu verschieben, käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Schahin fügte hinzu: „Es wird Misstrauen schaffen zwischen uns. Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen.“ Zuvor hatte ZDF heute darüber berichtet.
Dass der Betrieb des Flughafens in Kabul ohne die USA aufrechterhalten werden kann, gilt als unwahrscheinlich. Sie waren zuletzt mit etwa 5800 US-Soldatinnen und -Soldaten vor Ort, um nach der Machtübernahme der Taliban den Evakuierungseinsatz abzusichern.
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