Ebola, Kriege, Armut, Hunger, Korruption – das ist Afrika. Wer aber spricht über die Raumfahrtnation Äthiopien? Das ostafrikanische Land will noch in diesem Jahr  einen eigenen Wetterbeobachtungs-Satelliten ins All schießen. Mit chinesischer Hilfe. Wie so vieles in Afrika derzeit mit China zusammenhängt. Der äthiopische Weltraumausflug ist  keineswegs so sensationell, wie es auf den ersten Blick scheint. Neun afrikanische Länder haben Satelliten im All.  Südafrika, Algerien, Angola, Ägypten, Ghana, Kenia, Nigeria, Marokko und natürlich Ruanda.
Der Satellit "Icyerekezo" sendet ein Internetsignal, das in den Schulen für den Unterricht genutzt wird. Ruanda ist darüber hinaus das einzige Land der Welt, in dem ein funktionierendes Drohnen-Liefersystem existiert.  Bei der Afrikatagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Kapstadt, bei dem es Anfang des Monats um die Chancen des Kontinents durch die sogenannte vierte industrielle Revolution ging, kündigte die ruandische Informationsministerin Paula Ingabire ein Exportprogramm für das Drohnensystem sowie einen afrikanischen Drohnengipfel für 2020 an.
Der Erfolg hat viele Gesichter
Das schnelle Internet in Ruanda hilft auch Volkswagen. Der Konzern  hat in dem kleinen Land nicht nur ein Werk errichtet, in dem Varianten des Polo, des Passat und des Geländewagens Teramont zusammengebaut werden, sondern plant den Aufbau eines lokalen Carsharing-Systems. "Ruanda ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine konsequente Reformpolitik und die Förderung von Investitionen Unternehmen aus aller Welt anziehen", sagt  Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU).  "Bestehende Defizite bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit"  müssten aber angesprochen werden. Tatsächlich ist das die Kehrseite des boomenden Landes: In Ruanda sind nicht nur Plastiktüten und bald  Secondhand-Klamotten verboten, sondern auch Äußerungen, die dem Präsidenten Paul Kagame missfallen könnten. Andererseits: In den vergangenen zehn Jahren wurde die Kindersterblichkeit halbiert, die Zahl der Grundschüler verdreifacht, und Entwicklungshilfe wird in Ruanda nach übereinstimmender Meinung von Experten äußerst effektiv eingesetzt.
Das gilt auch für Botswana. Das Land  mit heute 2,2 Millionen Einwohnern hatte nach dem Ende des britischen Protektorats 1966 ganze zwölf Kilometer befestigte Straßen und nur zwei weiterführende Schulen – auf einer Fläche von der Größe Frankreichs. Heute gilt Botswana als Musterland. Keine Bürgerkriege, keine ethnischen Auseinandersetzungen, weniger Korruption als in Griechenland oder Spanien und eine stabile Demokratie. Die Hälfte der Gewinne aus der Diamantenförderung geht an den Staat, die Überlandstraßen sind durchweg asphaltiert  und die Alphabetisierungsrate beträgt fast 90 Prozent. Gefährdet ist die Entwicklung in Botswana vor allem durch Aids. 23 Prozent der 15- bis 49-Jährigen sind HIV-infiziert.
Besondere Aufmerksamkeit erregt derzeit das bevölkerungsreiche Äthiopien mit 108 Millionen Einwohnern.  Noch liegt das Pro-Kopf-Einkommen bei rund 500 Dollar im Jahr. Mit diesen niedrigen Löhnen lockt die äthiopische Regierung Investoren. 5000 Kilometer Schienenwege sind geplant, das größte Wasserkraftwerk Afrikas wird nach Verzögerungen vermutlich 2022 fertig werden. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum könnte Äthiopien in wenigen Jahren  ein Pro-Kopf-Einkommen von 1026 Dollar im Jahr erreichen – laut Uno ein mittleres Einkommen.
"Der afrikanische Erfolg hat viele Gesichter", sagt Uwe Kekeritz, der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag.  "Botswana ist ein Beispiel dafür, dass eine Wirtschaft sich dann positiv entwickelt, wenn Ressourcen nachhaltiger genutzt werden. Der Senegal blickt auf eine lange demokratische Geschichte zurück und entwickelt sich derzeit zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften des Kontinents. Ruanda und Äthiopien verkörpern das neue Selbstbewusstsein Afrikas."  Kekeritz gießt aber auch Wasser in den Wein.  "Viel zu häufig wird das Wirtschaftswachstum auf Pump finanziert oder beruht auf der Ausbeutung von Bodenschätzen."
Bei allen Fortschritten gilt auch: Die großen Wachstumsraten vieler Länder Afrikas beruhen auf einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. Allein Frankreich hat eine größere Wirtschaftskraft als ganz Afrika. Außerdem hat sich das Wirtschaftswachstum in der Subsahara-Region erheblich verlangsamt. In einer Analyse für das "Zentrum Liberale Moderne" warnt Thies Petersen, Lehrbeauftragter an der Viadrina in Frankfurt (Oder): "Ohne  Unterstützung beim Kapitalstockaufbau und Technologietransfer droht Afrika – wirtschaftlich betrachtet – vom Rest der Welt abgehängt zu werden." Die Folge wäre "eine erhebliche Zunahme der gesellschaftlichen Konflikte in Afrika und damit auch des Migrationsdrucks."

Afrikanische Länder mit großen Chancen