Analyse: Landtagswahl Thüringen: Ostdeutschland bleibt für die Grünen schwieriges Terrain

Erfurt: Anja Siegesmund, (l, Bündnis 90/Die Grünen) Spitzenkandidatin, und Dirk Adams, Spitzenkandidat, während des Wahlkampfs vor der Landtagswahl.
Bodo Schackow/zb/dpaAls Grund für das schwache Abschneiden nannte sie den scharfen Gegenwind im Wahlkampf. „Wir haben es nicht geschafft, mit Themen wie Klimaschutz und Erneuerbaren Energien die Breite der Gesellschaft zu erreichen.“
Bei den drei Landtagswahlen in Ostdeutschland innerhalb von acht Wochen sieht die Bilanz der Grünen dürftig aus: Leichten Zugewinne in Brandenburg und Sachsen steht eine Stagnation auf niedrigem Niveau in Thüringen gegenüber. In der Grünen-Spitze betont man, dass alleine ostdeutsche Besonderheiten eine Rolle gespielt hätten. Die Ergebnisse bedeuteten keinesfalls, dass das bundesweite Grünen-Hoch allmählich zu Ende gehe.
Vor allem sei es die „Angst vieler Thüringer vor Veränderung“ gewesen, die den Grünen Schwierigkeiten bereitet habe, sagte Jamila Schäfer, Vorstandsmitglied der Bundesgrünen, dieser Zeitung. „Unsere klare Botschaft, dass wir viel verändern müssen, wenn wir das Klima und die Umwelt schützen wollen, hat viele Menschen persönliche Nachteile befürchten lassen.“
Der Jenaer Politikprofessor Torsten Oppelland sieht das ähnlich. Das Interesse an Öko-Themen sei bei vielen Menschen im Osten lange nicht so ausgeprägt wie im Westen. „Es gibt hier große Bevölkerungsgruppen, die materielle Sorgen haben“, sagte er. Für diese stünden Themen wie der Klimaschutz nicht im Zentrum ihres Interesses.
Aber Oppelland sieht noch einen weiteren Grund für das schwache Abschneiden: die fehlenden Grünen-Milieus im Bundesland. „Da gibt es die Studentenstädte Jena, Weimar und Erfurt, in denen die Partei viele Stammwähler hat. Darüber hinaus greift die Partei noch ein bisschen auf andere Wählerschichten aus, aber lange nicht in dem Maße wie in Westdeutschland und vor allem in Baden-Württemberg.“
Warum die Regierungsbildung in Thüringen schwierig wird, lesen Sie hier.
