Anspruch: Bei Ganztagsbetreuung für Jugendliche explodieren die Kosten

Ganztagesbetreuung an einer Grundschule: Ein Junge arbeitet im Klassenzimmer neben der Tafel an einem Arbeitsblatt.
Sven Hoppe/dpaUm den von der Bundesregierung geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umsetzen zu können, müssen nach Berechnungen der Bertelsmann–Stiftung jährlich 815 Millionen Euro mehr investiert werden als die derzeit vorgesehenen 4,5 Milliarden Euro. Bisher sei es bei den Kostenberechnungen nur darum gegangen, wie rund 500.000 zusätzlich benötigte Plätze finanziert werden können, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie. Damit die Kapazitäten für einen Rechtsanspruch reichten, müsse aber zusätzlich auch das bereits vorhandene Ganztagsangebot aufgewertet werden — etwa indem die täglichen Öffnungszeiten verlängert und die Ferienangebote ausgebaut werden. Die Kosten dafür seien noch nicht einkalkuliert worden.
Den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung hat Schwarz–Rot im Koalitionsvertrag als Ziel für 2025 festgeschrieben. „Gemeinsam mit den Ländern“ wolle man dafür die Voraussetzungen schaffen, heißt es dort. Als ersten Schritt beschloss das Kabinett Mitte November ein Zwei–Milliarden–Euro–Programm für Investitionen in Gebäude und ihre Ausstattung. Wie die darüber hinaus anfallenden Personalkosten zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden, darüber wird derzeit verhandelt.
In der Grünen–Bundestagsfraktion unterstützt man zwar das Ziel, für die Ganztagsbetreuung einen Rechtsanspruch zu schaffen. Die Bundesregierung müsse aber „mehr tun, wenn das Vorhaben ein Erfolg werden soll“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Dörner dieser Zeitung. Sie dringt darauf, dass die Investitionsmittel des Bundes in Gebäude und Ausstattung verdoppelt werden.
Beim Bundesfamilienministerium weist man darauf hin, dass die konkrete Ausgestaltung der Ganztagsbetreuung Ländersache sei. Vom Bund werde nichts vorgeschrieben, sagt ein Sprecher. Die Reform habe drei Ziele: mehr Chancengerechtigkeit für Kinder, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern und damit verbunden das Schließen der Fachkräftelücke.
Die Planungen von Bund und Bundesländern sehen vor, dass Schüler künftig einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung über acht Zeitstunden am Tag und an fünf Tagen in der Woche haben. Außerdem soll es in allen Schulferien zusammengenommen nur noch Schließzeiten von maximal vier Wochen geben. Nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts wünschen sich mehr als zwei Drittel aller Eltern eine Ganztagsbetreuung für ihre Kinder. Doch nur knapp die Hälfte kommt derzeit in den Genuss eines solchen Angebots.
