Arbeitsunfähigkeit
: Krankschreibung digital

„Gelber Schein“ soll in Zukunft elektronisch bei Krankenkassen und Betrieben landen. Der AOK geht das zu langsam.
Von
Hajo Zenker
Berlin
Jetzt in der App anhören

Der "Gelbe Schein" soll in Zukunft elektronisch bei Krankenkassen und Betrieben landen.

Franziska Gabbert/dpa

Deutschlands große Krankenkassen begrüßen das Vorhaben der Bundesregierung, in Zukunft die Krankschreibung eines Arbeitnehmers ausschließlich digital an die Kasse und den Arbeitgeber übermitteln zu lassen. Die Vorteile lägen auf der Hand, so TK–Vizechef Thomas Ballast: Die Patienten könnten sich so auf ihre Gesundheit konzentrieren und müssten nicht die Bescheinigungen zur Post bringen. „Auch das Risiko, das Einreichen zu vergessen, entfällt damit.“

Die Barmer teilte mit, die Digitalisierung „bringe eine erhebliche Entlastung für Arbeitgeber, Ärzte und Versicherte“. Allein für die Firmen hat das Bundeswirtschaftsministerium ausgerechnet, dass fast 550 Millionen Euro pro Jahr an Kosten für die Verarbeitung des „gelben Scheins“ entfallen.

Bisher läuft es so: Der Arbeitnehmer bekommt vom Arzt seine Krankschreibung, offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), in dreifacher Ausführung – zur Vorlage bei der Kasse und dem Arbeitgeber sowie für die eigenen Unterlagen. Der Patient muss schnell zwei der drei Scheine per Post versenden. Schließlich soll spätestens am vierten Tag beim Arbeitgeber der Zettel vorliegen, bei der Kasse muss er in sieben Tagen sein. Pro Jahr gibt es 75 Millionen Krankmeldungen. Die TK hat 230 Millionen Zettel errechnet, die unnötig werden.

Erfolgreiche Pilotprojekte

Dass viele Patienten die Digitalisierung begrüßen, zeigen Pilotprojekte. Die TK hatte vor zwei Jahren damit in Schleswig–Holstein begonnen, es folgten Hamburg und Nordrhein–Westfalen. 110 000 digitale Krankschreibungen wurden von Ärzten an die TK übermittelt. Mittlerweile sind zwei Arbeitgeber dabei, wo bereits die digitale Kette Arzt–Kasse–Betrieb funktioniert. Ebenfalls in Schleswig–Holstein und NRW probt die Barmer, wo seit Mai 11 000 Krankmeldungen über diesen Kanal eingingen. Seit Juli schicken auch Ärzte in Baden–Württemberg Krankschreibungen digital an die AOK des Landes — bisher sind 5000 eingegangen.

Bundesweit kommt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) allerdings in Trippelschritten. Im Terminservicegesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist verankert, dass der „gelbe Schein“ ab 2021 vom Arzt nur noch digital an die Kassen übermittelt wird. Das dritte Bürokratieentlastungsgesetz von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), das jetzt als Entwurf vorliegt, sieht vor, dass ab 2023 die Firmen nur noch elektronisch die Daten bei der Kasse abfordern.

An diesem Zeitplan übt der AOK–Bundesverband Kritik: Es wäre besser, wenn beide Stufen „zeitgleich in Kraft treten würden" – möglichst Anfang 2021. Selbst wenn die Beschleunigung gelingen sollte: Ganz verschwindet das Papier trotzdem nicht. Der Arzt bleibt verpflichtet, dem Patienten eine Krankschreibung auszustellen und in die Hand zu drücken.