Autogipfel: So steht es um die deutsche Autoindustrie

Ein Pkw des Elektroauto-Herstellers e.Go steht in der Werkshalle in der Endabnahme. Das Top-Thema heißt Elektro. Was zu tun ist, um möglichst schnell möglichst viele E-Autos auf die Straße zu bringen, dürfte die zentrale Frage beim Autogipfel im Kanzleramt sein.
Oliver Berg/dpaElektromobilität ist das überragende Thema vieler Autohersteller. VW hat es mit seiner aggressiven Strategie, gänzlich auf die Elektrofahrzeuge zu setzen, vorgemacht. Zögernd ziehen nun BMW und Daimler nach. Doch ist Deutschland nicht schon längst bei dem Thema Elektromobilität abgehängt? Durch Tesla? Durch chinesische Produzenten? Einer der führenden Experten in Sachen Automobilindustrie Stefan Bratzel meint nein. „Was die Innovationsstärke von reinen E–Autos angeht, sind die deutschen Autobauer im Mittelfeld. Sie haben das Thema aber verstanden. Ich bin optimistisch, dass sie also aufholen können“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.
Ob das geschieht, hat zum großen Teil mit der Batteriezellenproduktion zu tun. Derzeit ist Deutschland diesbezüglich von chinesischen Herstellern abhängig. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat angekündigt, bis Ende 2019 die Weichen für drei Firmenkonsortien zum Bau von Batteriezellenfabriken zu stellen. Ein Drittel der weltweiten Produktion will er nach Europa holen. So sollen tausende Jobs entstehen. Automobilexperte Bratzel rechnet nicht damit, dass das so schnell geht. „Man darf nicht glauben, dass man in drei, vier Jahren wettbewerbsfähig ist. Die Batteriezellenproduktion ist eine Herkules–Aufgabe.“ Bei der Batteriezellenproduktion gehe es um langfristige Prozesse. Er rechnet mit sieben bis zehn Jahren.
Absatzkrise — aktuell herrscht eine Flaute, was den Absatz von Autos angeht. Die fetten Jahre für die Hersteller sind vorbei. Im ersten Quartal 2019 brachen die Gewinne der deutschen Autoindustrie um 28 Prozent ein. Dabei hat es vor allem VW, Audi und Daimler getroffen. Nun müssen sie investieren und das bedeutet weniger Einnahmen. Zugleich belasten die Zollstreitigkeiten und der Brexit die Bücher der Hersteller. Sie müssen sich auf schwere Zeiten gefasst machen.
Das bedeutet für die Kunden aber auch: „Mobilität wird teurer werden“, sagt CAM–Direktor Stefan Bratzel. Zugleich rechnet er mit massiven Entlassungen. Einer Studie des CAM aus dem Jahr 2017 zufolge wird es bis 2030 einen Netto–Rückgang der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie von 15 bis 20 Prozent geben. Die Hersteller können dies abfedern, indem sie Weiterbildungsmaßnahmen oder Kurzarbeit anbieten. Doch auch um Abfindungen werden sie nicht herum kommen.
Das Dieseldesaster ist hingegen noch nicht ausgestanden. VW und die Töchter Audi und Porsche mussten bereits für ihre Betrügereien zahlen, gegen Daimler läuft ein Verfahren. Zudem klagen per Musterfeststellungsklage Tausende Verbraucher vor Gericht ihr Recht ein. Doch es kommt noch schlimmer: Auch die EU hat ein Kartellverfahren angestrengt, weil sie VW, Daimler und BMW illegale Absprachen in der Abgasreinigung vorwirft. All das wird die Hersteller über viele Jahre beschäftigen.dot
