Einwanderung
: Mehrheit für Spurwechsel von Flüchtlingen

Laut einer Studie ist eine Mehrheit der Deutschen für eine Einwanderung qualifizierter Fachkräfte.
Von
Stefan Kegel
Berlin
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MMH/dpa

Die Deutschen sind grundsätzlich für eine Einwanderung qualifizierter Fachkräfte. Wie eine Studie der Friedrich–Ebert–Stiftung ergab, äußert mehr als die Hälfte der Befragten die Meinung, dass Deutschland Einwanderung als Chance sehen sollte.

Die einzige Gruppe, die deutlich dieser Meinung widerspricht, sind national orientierte Befragte. Hier sind fast zwei Drittel gegen Einwanderung, 23 Prozent sehen in ihr eine Chance.

Das Bild verschiebt sich allerdings auch im nationalen Spektrum, wenn es um Fachkräfte geht. Zwei Drittel der Deutschen und deutlich mehr als ein Drittel (38 Prozent) der national orientierten Menschen sind der Auffassung, dass ausländische Beschäftigte benötigt werden, um den Fachkräftemangel auszugleichen. Wenn es um einen sogenannten Spurwechsel geht, dann ist sogar in allen Gruppen die Mehrheit dafür, gut integrierten Ausländern ein Bleiberecht zu geben. 78 Prozent der Deutschen und auch 63 Prozent der national Orientierten befürworten, dass ausreisepflichtige Ausländer, die gut integriert sind und einen Arbeitsplatz haben, in Deutschland bleiben dürfen. Nur jeder Fünfte aller 3000 Befragten ist für eine Abschiebung.

Die Studie legt einen Zusammenhang der Ablehnung der Ausländerpolitik der Regierung und den eigenen wirtschaftlichen Verhältnissen nahe. Vor allem national orientierte Menschen sehen sich als wirtschaftliche Verlierer. Der Aussage, sie profitierten nicht vom Wirtschaftsboom Deutschlands, stimmten 74 Prozent teilweise oder ganz zu. Vom Gegenpol, den Weltoffenen, sagen das weniger als halb so viele. Interessant ist hierbei der Befund, dass sich selbst bei gleichen Einkommensverhältnissen national Orientierte deutlich häufiger als wirtschaftliche Verlierer einordnen als Weltoffene. Der Unterschied beträgt hier teilweise 40 Prozentpunkte. Die Flüchtlingsproblematik birgt der überwiegenden Mehrheit der Befragten — 81 Prozent — zufolge die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung. Als größte Sorge wird allerdings die Zunahme von Rechtsextremismus bewertet — von 86 Prozent aller Befragten und sogar 75 Prozent der national Orientierten. Hinter diesen beiden Ängsten rangieren jene vor Kriminalität und Terroranschlägen (73 Prozent), einem Einfluss des Islams auf die Gesellschaft (64) und vor den Kosten der Integration (61).