Energie
: Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine spitzt sich zu

Russland und die Ukraine streiten über die Fortsetzung des Gastransits. Ein Lieferstopp droht, Europa hortet bereits Vorräte.
Von
Stefan Scholl
Moskau
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Sobald die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 verlegt ist, dürfte der Gastransit durch die Ukraine zu Ende gehen.

Stefan Sauer/dpa

Die Verhandlungen über ein neues Abkommen klemmen, bisher verharren beide Seiten auf unvereinbaren Positionen. Eine Wiederholung des russischen Lieferstopps von 2009 zeichnet sich ab.

Gazprom schlägt zwar einen kurzfristigen Kontrakt  mit einer Laufzeit von einem Jahr vor. Für Naftogas ist das jedoch unannehmbar. Der ukrainische Konzern verlangt einen neuen 10-Jahresvertrag. Es gilt jedoch als offenes Geheimnis, dass die Russen sich nur noch für ein Jahr binden wollen, weil sie auf die Fertigstellung der neuen Ostseepipeline Nord Stream 2 nach Deutschland warten. „Wenn Nord Stream 2 in Betrieb geht, ist zu erwarten, dass es keinen Transit durch die Ukraine mehr geben wird“, klagt Naftogas-Direktor Juri Witrenko der Deutschen Welle. „Die Wahrscheinlichkeit eines Gaskrieges und der Einstellung der Transitlieferungen durch Gazprom liegt bei 90 Prozent“ sagt Wolodymyr Omeltschenko, Energiewirtschaftsexperte des Kiewer Rasumkow-Zentrums dieser Zeitung.

Aber eine Einigung sei noch möglich, wenn sich die Präsidenten beider Länder sowie die Führer der EU-Staaten einschalteten. Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj treffen am 9. Dezember in Paris zusammen, Angela Merkel und Emmanuel Macron sind ebenfalls dabei. Außer einer Neuauflage des Friedensplans für den Donbas könnten die Vier auch einen Gaskompromiss verhandeln. Putin hat Kiew schon einen neuen Vertrag „zu europäischen Bedingungen“ und 25 Prozent Rabatt auf Direktexporte von 15 Milliarden Kubikmeter jährlich angeboten, was einem Bruchteil der aktuellen Lieferungen entspricht. Aber in Kiew warnen viele Stimmen davor, Putin wolle Gas und Frieden zu einem Paket schnüren, um die Ukraine unter Druck zu setzen.

Die Vorbereitungen auf einen Lieferstopp sind indes in vollem Gange. Nach Angaben des ukrainischen Wirtschaftsportals liga.net hat die Ukraine vor dem Winter 21,6 Milliarden Kubikmeter gehortet, die EU-Länder füllten laut Betreiberfirma Gas Infrastructure Europe ihre Gasspeicher mit über 100 Milliarden Kubikmeter zu fast 95 Prozent. Wie Konzernchef Alexei Miller schon im September erklärte, „pumpt Gazprom Rekordumfänge in das europäische Gaslagersystem“. „Man hat den Eindruck“, so der Gastransportmanager Sergij Makogon , „als habe Gazprom nicht unbedingt vor, den Transit durch die Ukraine nach dem 1. Januar 2020 fortzusetzen.“

Umstrittene Ostsee-Pipeline

Nord Stream 2 soll bis Jahresende fertig sein. Ursprünglich sollte die Pipeline für Erdgas aus Russland bis dahin bereits in Betrieb sein. Der Bau verzögerte sich, weil die Genehmigung einer Route um eine dänische Insel ausstand. Die Leitung ist notwendig, da die Erdgasproduktion in Europa bis 2035 deutlich sinken, der Bedarf aber voraussichtlich annähernd gleich bleiben wird. Kritiker betonen, dass Nord Stream 2 die EU von Russland abhängig mache. Etliche EU-Länder und die USA lehnen das Projekt ab.⇥igs/dpa