Zwei Ausnahme-Athleten, gewiss. Aber wer die Massen von Senioren-Freizeitsportlern erlebt, wie sie Marathon laufen, Berge erwandern, Pisten herunterwedeln und Seen durchschwimmen, der ahnt: Da geht noch viel im Ü-65-Klub. Ein Großteil der Dreißiger kann da nicht mithalten.
Viele verbinden mit Senioren Bilder von Altersarmut, Pflegeheim und Treppenlift. Doch dies betrifft eher die Altersgruppe der Betagten mit rund 80 Jahren und mehr. Bei den meisten Ü-65-Jährigen sieht die Lebensrealität dank des medizinischen Fortschritts und des Verschwindens zahlreicher körperlich anstrengender Jobs völlig anders aus.
Die "jungen Alten" von heute sind beim Start ins Rentenalter in der Regel geistig und körperlich topfit. Und da sie – zumindest im statistischen Durchschnitt – nicht gerade am Hungertuch nagen und zudem über viel Freizeit verfügen, sind sie auch überall präsent: im Ehrenamt, im Theater, im Museum, ja sogar in den hintersten Winkeln der Welt.
Reisen ist nämlich – nach Fernsehen und Radiohören – eins der liebsten Hobbys der "Best Ager", wie sie von der Werbeindustrie genannt werden. Besonders gefragt sind Kreuzfahrten. Da geht es mit der "Aida" in den Orient und nach Indien oder mit Hurtigruten in skandinavische Länder. Denn wer viele stressige Jahre im Beruf hinter sich hat, kann sich endlich Zeit nehmen, um die Schönheiten der Welt zu erleben.
Jungrentner wollen, wenn es ihre finanziellen Möglichkeiten zulassen, "ihr Leben genießen und ihr Geld für schöne Dinge ausgeben", sagt Altersforscher Hans-Werner Wahl, Professor an der Universität Heidelberg. Die frühere Haltung vieler Senioren, möglichst viel Geld zu sparen, um es irgendwann den Erben zu vermachen, sei nur noch in stark abgeschwächter Form vorhanden.
Auch Hotelübernachtungen sind eine Spezialität von Senioren, wie aus Analysen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hervorgeht. Campingplatz und Ferienwohnung meiden sie dagegen zunehmend. Der Wunsch nach einer etwas luxuriöseren Unterbringung hat jedoch seinen Preis, weshalb Senioren für ihre Reisen im Schnitt mehr Geld ausgeben als der Rest der Bevölkerung. Dazu kommt: Wer im Rentenalter ist, liegt weniger oft am Strand, sondern interessiert sich überdurchschnittlich stark für kulturelle Sehenswürdigkeiten und Museen. Was ebenfalls ins Geld geht. Eine derart aktive Altersgruppe solle in der Werbung nicht überwiegend als "alte, hinfällige Menschen" gezeigt werden, sagt Altersforscher Wahl. Doch genau dies sei regelmäßig der Fall. Die Fernsehspots bezeichnet er als "defizitbetont", da Gesundheitsprobleme zu stark im Vordergrund stünden.
Die Muskelkraft trainieren
Dagegen werde moderne Technik wie Sonnenschutzsysteme und autonomes Autofahren, wovon vor allem Senioren profitieren könnten, in der Regel mit jungen Darstellern illustriert. "Absurd", nennt Wahl dies. Er hoffe, dass man in der Werbeindustrie bald umdenkt und die wirtschaftlichen Potenziale besser erkennt.
Zumal sich der Trend, dass Menschen im Rentenalter immer aktiver werden, gewiss fortsetzen werde, wie Wahl betont. Dazu sei es allerdings nötig, die "riesigen Möglichkeiten" bei der Präven­tion schwerer Krankheiten auszunutzen, beispielsweise indem Gesundheitsprogramme weiter ausgebaut würden. "Wer in seinen Vierzigern und Fünfzigern seine Muskelkraft, aber auch seine kognitiven Fähigkeiten systematisch trainiert und sich darüber hinaus vernünftig ernährt, bleibt im Alter wesentlich länger fit", sagt Wahl. Das könne der Gesellschaft "Milliarden Euro an Einsparungen" bringen. Wahls Berufskollege Sven Voelpel hat aus einem

Nettovermögen nach Alter*