Girls‘ und Boys‘ Day
: Berufswahl nach altem Muster

Girls‘ und Boys‘ Day: Noch weniger junge Frauen als bisher lassen sich zur Informatik-Fachkraft oder Chemielaborantin ausbilden.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Die Ausnahme: Immer weniger Frauen lassen sich zu Mechatronikerinnen ausbilden.

Hendrik Schmidt/dpa

Trotz der Bemühungen, alte Rollenmuster aufzubrechen: Jungen drängen verstärkt in naturwissenschaftliche und technische Berufe, Mädchen eher in Pflegeberufe.

Darauf hat das Statistische Bundesamt anlässlich des heutigen Girls‘ und Boys‘ Days hingewiesen. Bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht man das kritisch: „Uns gehen dadurch in vielen Bereichen Talente verloren, die wir dringend brauchen“, sagt ein Sprecher.

Der heutige Berufsorientierungstag soll dazu dienen, dass Mädchen und Jungen sich einen Tag lang in Berufen jenseits der klassischen Rollenmuster umsehen. An der Initiative, die 2001 mit dem Girls‘ Day startete, ist die BDA seit Beginn beteiligt.

Als Grund für das Erstarken veralteter Rollenmuster nennt die BDA auch Social Media-Kanäle wie Youtube. „Viele Influencer neigen dazu, Geschlechterstereotype zu wiederholen“, betont der Sprecher und verweist auf die oft übliche Aufteilung: Schminktipps für Mädchen, Techniktipps für Jungen. Die BDA fordert, dass Schulen, Kitas, aber auch Eltern gegensteuern sollen, indem sie die Mädchen und Jungen noch mehr mit den vielen verschiedenen beruflichen Möglichkeiten bekannt machen.

Laut Statistischem Bundesamt betrug der Anteil von Mädchen in der Informatik – ohne Studium – im Ausbildungsjahr 2017/2018 nur noch 6,8 Prozent, ein Rückgang von 0,25 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Ähnlich sieht es bei Chemieberufen aus. Dort sind zwar immerhin 32,2 Prozent der Auszubildenden weiblich. Das bedeutet aber ebenfalls einen leichten Rückgang (minus 0,5 Prozentpunkte).

Umgekehrt lassen sich weniger junge Männer zum Gesundheits- und Krankenpfleger ausbilden – 23,2 Prozent, ein Rückgang von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Nur der Anteil der angehenden Altenpfleger hat sich 2017/2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,5 Prozentpunkte auf 31,2 Prozent erhöht.

In Brandenburg ist die Situation teilweise noch extremer als im gesamten Bundesgebiet. Hier sind sogar nur 2,6 Prozent der angehenden Informatikerinnen Mädchen. Und bei den Chemikantinnen und Chemielaborantinnen sind es gerade einmal 21,2 Prozent. Immerhin: Mehr junge Männer als im Bundesdurchschnitt wollen im Land Brandenburg Gesundheits- oder Krankenpfleger werden, ihr Anteil liegt bei 28,2 Prozent.