Heilung durch stark verdünnte und am Ende gar nicht mehr nachweisbare Wirkstoffe – einer großen Gruppe vorwiegend junger Grüner ist das so suspekt, dass sie beim Parteitag am Wochenende einen Beschluss zum Verbot der Finanzierung durch gesetzliche Krankenkassen erreichen wollen.
Kaum aber war der Antrag online, überfluteten Hunderte Protestmails erboster Homöopathie-Anhänger unter den Grünen das parteiinterne Diskussionsforum. Jetzt soll der Antrag mehrerer Fachpolitikerinnen aus der Bundestagsfraktion etwas Ruhe in die Debatte bringen. Er sieht vor, dass sich zunächst eine Fachkommission des Themas annehmen soll. Der Streit wäre zumindest vertagt.
Bei der Auseinandersetzung um die Homöopathie tragen die Grünen-Anhänger ähnlich wie bei der Gentechnik einen Grundsatz-Streit aus: Wie viel Wissenschaftlichkeit muss sein? Wie viel Skepsis gegenüber der Wissenschaft darf sein?
Die Gegner der Homöopathie argumentieren, dass die alternative Heilmethode keine Wirkung aufweise, die über den Placebo-Effekt hinausreiche. Zwei Dinge fordern die mehr als 250 Unterzeichner des Antrags, der den Titel "Bevorteilung der Homöopathie beenden" trägt: dass die "simple Registrierung und ver­einfachte Zulassung als Arzneimittel durch eine Zulassung mit wissenschaftlicher Betrachtung ersetzt" wird und dass Krankenkassen die Kostenerstattung beenden.
Grüne Befürworter der Heilmethode sind alarmiert und drohen sogar mit Parteiaustritt, falls es zu einem Beschluss gegen die Homöopathie kommt. Raymund Messmer aus dem bayerischen Gräfeling spricht von einem "perfekten Eigentor" bei einem für viele Grüne besonders emotionalen Thema.
Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche, die den Antrag auf Verschiebung der Diskussion mitinitiiert hat, plädiert für Mäßigung. Schließlich machten bei den gesetzlichen Krankenkassen die Ausgaben für Homöopathie "weniger als ein Promille ihrer Gesamtausgaben" aus.