Interview: Raphael Dirnberger verschenkt abgelaufene Lebensmittel an Kunden

Bietet Alternative zum "Containern": Raphael Dirnberger
EdekaHerr Dirnberger, welche Waren kommen bei Ihnen in die Verschenkekisten?
Das kann Joghurt sein, aber auch eine verbeulte Dose oder eine aufgerissene Packung Nudeln. Da kommt eine Menge zusammen.
Haben sich schon Kunden beschwert, dass etwas nicht mehr genießbar war?
Gar nicht. Aber wir geben zusätzlich den Hinweis, dass man prüfen soll, ob ein Produkt noch gut riecht und ob es schmeckt.
Was würden Sie nicht hinstellen?
Alles, was leicht verderblich ist. Fleisch zum Beispiel.
Haben Sie neben der Kasse eine Kühltheke aufgebaut?
Nein, das war nicht nötig. Die Sachen sind so schnell weg, da braucht man nichts zu kühlen.
Befürchten Sie nicht, dass manche Kunden beim kostenlosen Angebot gern zugreifen, sonst aber nichts in Ihrem Laden kaufen?
Nein. Die Kunden kaufen ganz normal ein. Am Ende freuen sie sich dann aber darüber, dass sie zusätzlich etwas geschenkt bekommen.
Wie reagieren die Kunden auf Ihr Angebot?
Sie finden es ganz super und wundern sich, warum das bei anderen nicht so ist. Darüber wundere ich mich übrigens auch.
Und was denken Sie, was der Grund ist?
Wahrscheinlich haben andere Supermarkt–Betreiber Bedenken, dass weniger gekauft wird, oder Angst, dass sich Kunden beschweren, wenn sie etwas mitgenommen haben, das ungenießbar ist.
Wurde bei Ihnen schon mal „containert“?
Ja, früher hatten wir das regelmäßig. Aber ich fand es unwürdig, dass die Leute die Mülltonnen durchsuchen mussten.
Deshalb also die Verschenkekisten.
Ja. Die ursprüngliche Idee war, alles den Tafeln zu geben. Aber das ist nicht einfach, weil es strenge Vorgaben gibt. So, wie wir es jetzt machen, ist es für uns besser.
Wie ist Ihre Bevölkerungsstruktur? Leben bei Ihnen viele Bedürftige?
Nein, eigentlich gar nicht. Die meisten haben ein gutes Einkommen. Sie nehmen aber trotzdem gern etwas mit, das nichts kostet.
