Klimabewegung
: Fridays for Future leidet unter Corona-Einschränkungen

Die Aktivisten dringen seit Beginn der Coronakrise nicht mehr wirklich durch. War’s das mit der Klimabewegung?
Von
Igor Steinle
Berlin
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Fridays For Future-Demos verlagern sich jetzt ins Netz.

Christoph Soeder/dpa

Mit ihren weltweiten Protestaktionen katapultierten sie den Klimaschutz an die Spitze der politischen Agenda. Zuletzt ist es allerdings immer stiller um sie geworden, schon vor der Corona-Krise nahm die Anzahl der Teilnehmer an den wöchentlichen Schulstreiks ab.

Der Plan der Aktivisten war daher, die Bewegung am 24. April mit einem globalen Schulstreik aus dem Winterschlaf zu holen, was Covid-19 nun unmöglich macht. Aufgeben wollen sie dennoch nicht: „Dann machen wir das halt digital und bringen den Protest von der Straße ins Netz“, sagt FFF-Sprecher Quang Paasch.

Während sich am letzten globalen Klimastreik Ende November deutschlandweit rund 630.000 Protestierende beteiligten, soll es nun einen Livestream mit Musik, prominenten Rednern sowie Schalten an verschiedene Orte geben. In vielen Städten sollen kleinere Aktionen des stillen Protests stattfinden, indem Demo-Schilder als eine Art Ausstellung ausgelegt werden, unter anderem vor dem Reichstag. Streikende weltweit sollen sich in den sozialen Medien oder auf der FFF-Website mit Videos oder Bildern am Protest beteiligen.

Von einigen Aktivisten ist jedoch die Befürchtung zu hören, dass man mit der neuen Protestform nicht durchdringen werde: Demonstrationen leben von der physischen Präsenz der Teilnehmer, die in den Städten für ihre Interessen trommeln. Im Internet hingegen erreicht man in der Regel nur diejenigen, die ohnehin schon für das Thema sensibilisiert sind. Und das in einer Lage, in der sich laut einer Umfrage von Anfang April nur noch wenige Prozent der Deutschen für den Klimaschutz interessieren.

Der Berliner Protestforscher Simon Teune geht dennoch davon aus, dass die Klimabewegung die Corona-Krise überleben wird. Es sei nur eine Frage der Zeit, „bis Klimathemen wieder auf die Agenda drängen“, sagte er in einem Zeitungsinterview. Angesichts der zu erwartenden sozialen Probleme durch Corona empfiehlt er allerdings, künftig die soziale Dimension der Klimakrise mit in den Fokus zu stellen. Alle Formen von Ungleichheit würden durch die Corona-Krise intensiviert. Deshalb sei es wichtig, „wenn man über das Klima redet, über Maßnahmen zu sprechen, die solche Verwerfungen im Blick haben“.