Landwirtschaft
: Revolution auf dem Acker

Digitalisierung findet nicht nur in Büros und Fabriken statt, sondern auch auf den Äckern und in den Ställen. Nicht alle Bauern sind über diese Entwicklung glücklich.
Von
Simone Dürmuth
Berlin
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Digitaler Bauernhof: Dieser Landwirt  füttert sein iPad mit Daten seiner Kühe.

Oliver Krato/dpa

Politik, Wirtschaft und Forschung leisten deshalb bei den Landwirten Überzeugungsarbeit. Das Bundeslandwirtschaftsministerium lockt mit Fördermitteln etwa aus dem Programm „Digitale Experimentierfelder“. Brandenburg hilft den Bauern mit dem „Di–Lan“-Programm für Landwirte. Wissenschaftler und Forscher besuchen die Landwirte auf ihren Höfen und zeigen ihnen, wie Drohnen  beim Aussäen helfen können oder wie Sensoren im Stall die Gesundheit der Kühe überwachen.

Hendrik Wendorf, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, ist trotzdem skeptisch. Er warnt vor zu hohem Tempo. Die meisten Bauern müssten mit jedem Euro rechnen und jede Anschaffung sei gründlich zu überdenken. Er stehe dem technischen Fortschritt zwar nicht im Wege, aber die digitale Technik sei zurzeit noch nicht weit genug entwickelt, dass sich hohe Investitionen lohnen. Zumal die meisten Betriebe dazu nur schwer in der Lage sind. Die landwirtschaftliche Branche in Deutschland ist meistens mittelständisch geprägt, nur wenige Höfe sind größer als 100 Hektar. Großbetriebe, die zu solchen Investitionen eher in der Lage wären, gibt es vor allem in Niedersachsen, Sachsen–Anhalt und in Brandenburg.

Die Wirtschaft, insbesondere die Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen wie John Deere, Fendt oder Claas, halten die Bedenken der Landwirte für übertrieben. Sie setzen voll auf die Digitalisierung der Felder und Äcker. Klaus–Herbert Rolf, Network Manager bei 365 Farmnet — einer Tochter von Claas — etwa sagt: „Wir sollten nun endlich anfangen, digitale Infrastruktur aufzubauen, geredet darüber haben wir genug.“ Zusammen mit dem Konkurrenten John Deere und Agco hat Claas sich deshalb darauf geeinigt, die gleichen Schnittstellen in die Landwirtschaftsmaschinen einzubauen. Die Landwirte können damit ihren Fuhrpark, der in der Regel aus den Produkten verschiedener Hersteller besteht, bequem miteinander vernetzen. Das Beratungsunternehmen Markets and Markets schätzt, dass das Umsatzvolumen von heute 4,2 Milliarden Euro bis 2025 auf neun Milliarden Euro ansteigen wird.

Wechsel ist nicht aufzuhalten

Die Agrargenossenschaft Trebbin in der Nähe von Berlin könnte schon bald einen Blick in die Zukunft der Landwirtschaft bieten. Es handelt sich um einen Großbetrieb, für den sich der Wandel lohnen könnte. Auf für deutsche Verhältnisse riesigen 4000 Hektar werden vor allem Futtermittel für Milchkühe angebaut. Und die Ideen der Industrie treffen genau auf die von Geschäftsführer Thomas Gäbert. Dieser wünscht sich einheitliche Kommunikationsstandards, die den Datenaustausch zwischen allen bestehenden Plattformen ermöglichen. Dort sollen sowohl die Daten kommerzieller Anbieter wie auch öffentlicher Stellen abrufbar sein.

Doch egal, wie die Stimmung unter den Landwirten ist, die Digitalisierung der Agrartechnik ist nach einhelligem Expertenurteil nicht mehr aufzuhalten. Professor Hans–Werner Griepentrog vom Institut für Agrartechnik der Universität Stuttgart Hohenheim erwartet, dass die Landwirtschaft in den kommenden Jahren von vier Komponenten wesentlich geprägt wird: Erstens werden die landwirtschaftlichen Maschinen stärker miteinander kommunizieren und sich untereinander abstimmen. Zweitens werden Cloud–Systeme — also eine externe Speicherung – an Bedeutung gewinnen. Dort kann der Landwirt eintragen, welches Saatgut er gekauft hat, was es gekostet hat und welchen Ertrag er hatte. Über die Cloud können die verschiedensten Endgeräte kommunizieren und auch Maschinen auf das Internet zugreifen. Schließlich erwartet Griepentrog auch von der Anwendung von Big Data und künstlicher Intelligenz eine Effizienzsteigerung. Um die neuen Techniken einzusetzen, brauche es auch keinen 5G–Anschluss, ist der Forscher überzeugt. Viel wichtiger sei die zeitnahe flächendeckende Ausstattung mit dem Standard 4G.