Nach Ampel-Aus
: Habeck bewirbt sich offiziell als Kanzlerkandidat der Grünen

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge will Robert Habeck heute seine Kanzlerkandidatur für die Grünen bekanntgeben – zuvor hatte er mit einem Video für Spekulationen gesorgt.
Von
Leonie Maschke,
dpa STATISTISCH
Berlin
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German Minister of Economics and Climate Protection Robert Habeck gives a statement on November 7, 2024 at his ministry, one day after the German government's three-party ruling coalition collapsed. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)

Will nun Kanzler werden: Robert Habeck (Grüne).

JOHN MACDOUGALL/AFP
  • Robert Habeck bewirbt sich als Kanzlerkandidat der Grünen.
  • Nach fünfjähriger Pause kehrte er auf die Plattform "X" zurück.
  • Seine Rückkehr erfolgte nach dem Bruch der Ampel-Koalition.
  • Habeck hat fast 60.000 Follower auf "X".
  • Er deutete in einem Video seine Kanzlerkandidatur an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Robert Habeck for Kanzler? Nach übereinstimmenden Medienberichten und Informationen der dpa will Vizekanzler Robert Habeck am Freitag seine Kanzlerkandidatur für die Grünen bekannt geben.

Am Donnerstagabend war Habeck zunächst nach fünfjähriger Pause auf die Social-Plattform "X" zurückgekehrt. „Orte wie diesen den Schreihälsen und Populisten zu überlassen, ist leicht. Aber es sich leicht zu machen, kann nicht die Lösung sein“, postete Habeck am Donnerstagabend rund 24 Stunden nach dem Auseinanderbrechen der Ampel-Koalition und fügte hinzu: „Nicht heute. Nicht in dieser Woche. Nicht in dieser Zeit. Deshalb bin ich wieder auf X.“ Am Freitagmorgen zählte Habecks Account fast 60.000 Follower.

Kurze Zeit später postete Habeck ein elfsekündiges Video, in dem er das Lied „Zeit, dass sich was dreht“ von Herbert Grönemeyer summt. In dem Video trägt Habeck ein Armband mit der Aufschrift „Kanzler Era“ (eine Anspielung auf Taylor-Swift-Fans), und im Kalender im Hintergrund ist der 8. November markiert – das hatten Medien als Hinweis darauf gedeutet, dass Habeck am Freitag seine Kandidatur offiziell bekannt geben werde. Diese Vermutung bestätigt sich nun offenbar.

Habeck hofft auf die Mitte

Die Kür zum Spitzenmann der Grünen ist für den Bundesparteitag der Grünen geplant, der am Freitag kommender Woche in Wiesbaden beginnt. Dort wird Habeck um die Unterstützung der Delegierten werben, um mit Rückenwind in den Wahlkampf zu starten.

Habeck steht für einen Realo-Kurs und hofft, Wähler aus der Mitte zu gewinnen. Als Vizekanzler hat er Kompromisse mit ausgehandelt, die dem linken Flügel seiner Partei übel aufstießen – so zum Beispiel Verschärfungen in der Migrationspolitik. Mit der Abgrenzung zur eigenen Partei, mit der er immer wieder kokettierte, kann es Habeck als Kandidat aber nicht zu weit treiben – ihr Kreuzchen machen Wählerinnen und Wähler schließlich immer noch bei einer Partei.

Auch seine internen Kritiker wissen, dass Habeck eines der Zugpferde der Partei ist, wenn auch nach mehreren Jahren als Minister (Stichwort Heizungsgesetz) ein einigermaßen lädiertes. Im Rededuell mit CDU-Chef Friedrich Merz und SPD-Spitzenmann Olaf Scholz (SPD) dürfte er mit Charisma punkten. Allerdings birgt Habecks Liebe zur spontanen Rede Risiken: Er trifft den falschen Ton oder vertut sich mit Fakten.

Schwierige Ausgangslage und Prinzip Hoffnung

Die Chancen, tatsächlich ins Kanzleramt einzuziehen, sind für Habeck allerdings begrenzt. In Umfragen liegt seine Partei derzeit bei schlappen 9 bis 11 Prozent. Grüne verweisen an dieser Stelle gern auf die nur um ein paar Prozentpunkte besseren Umfragewerte der SPD, die ja auch einen Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt.

Wie einen Klotz am Bein schleppt Habeck die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland mit. Er selbst erklärt die Situation unter anderem mit dem Verlust russischer Energieimporte infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine und verschleppten Reformen der Vorgängerregierungen. Doch als Wirtschaftsminister wird er das Thema kaum abschütteln können.

Wie er sich den Bundestagswahlkampf vorstellt, das skizzierte Habeck Ende August bei einem Wahlkampfauftritt in Sachsen, wo seine Partei wenige Tage später herbe Verluste einstecken musste und mit Ach und Krach den Wiedereinzug in den Landtag schaffte. Habeck glaubt, an die Möglichkeit eines Stimmungsumschwungs zum Besseren. „Und es muss nur irgendein Kristallisationspunkt kommen, wo wir uns selbst beweisen, dass wir viel, viel besser in Deutschland sind, als die Stimmungslage und die Umfragen es im Moment zeigen. Wenn das passiert, dann kann wirklich alles passieren“, sagte er damals.