Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom fertiggestellt. Am Freitagmorgen sei der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen worden, teilte Gazprom-Chef Alexej Miller der Staatsagentur Tass zufolge mit.

Nord Stream 2: Wann wird Erdgas aus Russland geliefert?

Betriebsbereit ist die Pipeline damit aber nicht. Danach stehen laut Nord Stream 2 etwa noch Dichtigkeitsprüfungen und weitere Schweißarbeiten an Land aus. Erwartet wird, dass der russische Gasmonopolist Gazprom im Oktober das erste Erdgas durch die neue Pipeline nach Deutschland liefert und dafür zunächst den Strang nutzt, der bereits im Juni fertig verlegt worden war. Vor allem der Widerstand der USA, die Sanktionen gegen die Leitung androhten und auch verhängten, verzögerte den Bau, der Ende 2019 hatte beendet werden sollen.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die ungeachtet der Kritik aus dem In- und Ausland den Pipeline-Bau stets unterstützt hatte, zeigte sich Anfang der Woche erfreut über den bevorstehenden Abschluss der Bauarbeiten. „Es war richtig, dass die Landesregierung immer an der Ostseepipeline festgehalten hat. Die Erdgasleitung wird gebraucht für die Energiewende in Deutschland“, betonte sie in Schwerin. Nach dem Ausstieg aus der Atomkraft-Nutzung und mit dem Ende der Kohleverstromung werde neben Ökostrom zumindest für eine Übergangszeit auch noch Gas als Energieträger benötigt.

Pipeline aus Russland: Kritik von den Grünen

Die Stralsunder Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller äußerte hingegen die Befürchtung, dass mit den zusätzlichen Gaslieferungen die Energiewende weiter verzögert werden könnte. Deshalb gelte es, dafür Sorge zu tragen, „dass der drohende Überschuss an Erdgas uns nicht vom Pfad der Klimaneutralität abbringt und somit nicht dem Pariser Klimaabkommen widerspricht“, sagte sie.

Erdgas durch Nord Stream 2: Wie viel Gas soll kommen?

Die Bauarbeiten für Nord Stream 2 hatten 2018 begonnen. Die Leitung soll künftig 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland durch die Ostsee nach Deutschland liefern. Damit können nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden. Die Baukosten der 1230 Kilometer langen Pipeline, die zwei Stränge hat, werden mit mehr als zehn Milliarden Euro angegeben. Die Leitung war je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert worden.
Der Gastransport hängt unter anderem von der Erlaubnis der deutschen Behörden ab. Noch in diesem Jahr will Gazprom 5,6 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung pumpen, wie das Unternehmen unlängst mitgeteilt hatte. Nord Stream 2 verläuft von Wyborg in Russland durch die Ostsee bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.

Nord Stream 2: Umstrittenes Projekt

Das Projekt ist umstritten. Die US-Regierung kritisiert, Europa mache sich dadurch bei der Energieversorgung zu stark von Russland abhängig. Eine deutsch-amerikanische Vereinbarung sieht vor, dass Russland mit Sanktionen belegt wird, sollte die Pipeline als geopolitische „Waffe“ genutzt werden.
Russland hatte Nord Stream 1 und nun auch Nord Stream 2 gebaut, um unabhängiger zu werden von dem lange Zeit wichtigsten Transitland Ukraine für die Erdgaslieferungen nach Europa. Die beiden Länder sind tief zerstritten. Zudem kritisiert Moskau, dass Kiew nichts tue, um die maroden Leitungen des Transitnetzes im eigenen Land zu sanieren.