Olympische Spiele 2024
: Frankfurter Boxerin im „Schockzustand“ – Ticket für Paris gelöst

Das ist ein riesiger Erfolg für den Bundesstützpunkt Frankfurt (Oder) im Boxen: Eine Einser-Abiturientin der Sportschule holt das erste Olympia-Ticket – dabei hat sie als Eiskunstläuferin begonnen.
Von
Thomas Juschus
Frankfurt (Oder)
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Maxi Klötzer (rechts) setzt sich im entscheidenden Kampf in Italien gegen die zweimalige WM-Medaillengewinnerin Alua Balkibekova aus Kasachstan durch. Damit ist sie für die Olympischen Spiele in Paris qualifiziert.

IMAGO/IPA Sport/ABACA

Viel Zeit zum Feiern blieb nicht. Am Tag nach dem größten Erfolg ihrer Boxsport-Karriere war Maxi Klötzer mit der deutschen Nationalmannschaft mit dem Zug schon wieder auf dem Weg in das nächste Trainingslager – diesmal in der Höhe von St. Moritz. Knapp 24 Stunden zuvor hatte die 23-Jährige beim ersten Welt-Ausscheid in Busto Arsizio vor den Toren Mailands als erste und bisher einzige Frau des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) ein Ticket für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris (ab 26. Juli) gelöst.

„Es war noch keine Zeit, den Erfolg zu verarbeiten. Ich kann es immer noch nicht richtig realisieren“, sagte Klötzer auf dem Weg in die Schweiz. Mit einem Sieg gegen die zweimalige WM-Medaillengewinnerin Alua Balkibekova aus Kasachstan zog Klötzer in das Halbfinale ein und hatte damit einen der vier Quotenplätze im Fliegengewicht (bis 50 kg) für Paris 2024 sicher. Die Medaillen wurden in Busto Arsizio nicht ausgeboxt. „Direkt nach dem Kampf war ich in einer Art Schock-Zustand und musste mich erstmal sammeln“, so die aus Chemnitz stammende Kämpferin, die mehr als 200 Glückwunsch-Nachrichten auf ihrem Mobil-Telefon erreichten.

Glück bei der Auslosung

Klötzer hatte in Busto Arsizio auch endlich einmal das nötige Glück in der Auslosung und startete in der E-Work-Arena mit einem klaren 5:0-Erfolg gegen Rita Soares aus Portugal in das Turnier. Nach einem RSC-Sieg gegen Yi-Xuan Guo aus Taiwan war das Viertelfinale erreicht – und nach dem knappen, aber verdienten 3:2-Erfolg gegen Balkibekova die Paris-Fahrkarte sicher. „Ich war zum ersten Mal in meinem Leben mit der Auslosung zufrieden. Mit meinem Gewicht hat alles gepasst, und ich habe immer nur von Kampf zu Kampf gedacht – es war ein optimaler Turnierverlauf“, resümierte Maxi Klötzer ihren Wettbewerb.

2018 folgte Klötzer ihrem langjährigen Förderer und heutigen Bundestrainer René Benirschke an den Bundesstützpunkt nach Frankfurt (Oder), legte dort an der Sportschule ein Einser-Abitur ab und gehört heute zur Sportförderkompanie. Schon früh entwickelte Klötzer den Wunsch auf eine Olympia-Teilnahme, entschied sich zunächst für das Eiskunstlaufen, ehe sie 2011 zum Boxen wechselte. „Ich habe 14 Jahre und damit mehr als die Hälfte meines Lebens auf diesen Moment hintrainiert. Jetzt ist eine Last von mir abgefallen, ich fühle mich gerade sehr befreit“, sagte Klötzer mit dem Ticket in der Tasche.

Die vielen Momente der Entbehrungen, die Schmerzen und Tränen der letzten Jahre seien mit der sicheren Olympia-Teilnahme vergessen gewesen. „Es hat sich zu 100 Prozent gelohnt. Es ist genau das passiert, was ich immer wollte.“

Countdown für Spiele in Paris läuft

Mit der erfolgreichen Qualifikation hat der Countdown für die Olympischen Spiele begonnen. Und mit dem Ende des ersten Welt-Ausscheids ihre Paris-Vorbereitung. Bis Ende des Monats bleibt Klötzer in der Höhe von St. Moritz. Danach ist der genaue Fahrplan noch nicht klar.

Bei der zweiten Welt-Qualifikation in Bangkok (ab 23. Mai) soll sie aber ihre Trainingspartnerinnen Felicitas Ganglbauer und Canan Tas aus Cottbus vor Ort unterstützen und selber Sparring machen. Ganglbauer und Tas hatten im ersten Anlauf die Paris-Quali verpasst. Und im Sommer will die junge Chemnitzerin dann im berühmten Tennis-Stadion von Roland-Garros ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben: „Die Aufgabe ist noch nicht beendet. Ich habe schon die Goldmedaille im Visier“, sagt Maxi Klötzer.