Pro & Contra
: Ist ein Mietendeckel sinnvoll? - Pro

Unser Korrespondent Igor Steinle findet Pro-Argumente.
Von
Igor Steinle
Berlin
Jetzt in der App anhören

Igor Steinle Korrespondent des Märkischen Medienhauses

Marc Hörger

Der Verweis, man könne doch einfach aufs Land ziehen, ist dabei nicht nur zynisch, sondern gefährlich. Wer verlangt, dass Menschen ihren Wohnort wechseln, Kinder aus Schule und Umfeld gerissen werden, nur um die Gesetze des Kapitalismus durchzusetzen, bestätigt vor allem eine These: dass die Belange der „kleinen Leute“ keine Rolle mehr spielen. Wenn Krankenschwestern, Polizisten und Verkäufer, die das Leben in der Metropole nicht mehr bezahlen können, pendeln müssen, um die Bessersituierten in Berlin-Mitte zu versorgen, muss man sich nicht wundern, wenn diese Menschen sich von der politischen Mitte abwenden und radikal wählen.

Dabei erinnert die aktuelle Empörung lediglich an die Einführung des Mindestlohnes. Schon damals warnten Experten vor einem Heer von Arbeitslosen. Dass auch die aktuellen Untergangsphantasien der Grundlage entbehren, zeigt ein Blick nach Österreich. Dort gibt es seit 1994 einen Mietendeckel ("Richtwertmietzins"). Seltsamerweise müssen weder Vermieter hungern, noch bröckelt im Alpenstaat Putz von den Wänden. Stattdessen pilgern regelmäßig Delegationen nach Wien, um zu lernen, wie man die Stadt für alle bezahlbar hält.