Scheidung
: „Keinesfalls um Gläser und Besteck streiten“

Bei den Vorbereitungen einer Scheidung kann man viel falsch machen. Das sagt Buchautor Jörg ter Veer.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Buchautor Jörg ter Veer

nelefotografie

Autor Jörg ter Veer empfiehlt Scheidungswilligen, Wesentliches erst einmal außergerichtlich zu klären. Mit dem Verfasser von „How to Survive Scheidungen“ (erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf) sprach Michael Gabel.

Herr ter Veer, Sie sind selbst geschieden. Hat die Scheidung für Sie auch irgendetwas Positives gebracht?

Ja, es gab auch Positives. Eine Scheidung ist bei allem Stress und Ärger immer auch ein Prozess der Klärung und der Neupositionierung. Manchmal ist eine Ehe einfach am Ende, und da hilft nur ein Neuanfang.

Hatten Sie eine friedliche Scheidung?

Unter dem Strich ja. Wir haben zunächst eine Mediation gemacht, um Details der Kinderbetreuung und des Umzugstags festzulegen. Das hat sehr gut geklappt. Aber hinterher haben uns die Anwälte wieder einiges kaputt geschossen, so dass es dann doch nicht immer so einvernehmlich war.

Welche Fehler kann man schon bei der Eheschließung machen?

Man sollte die Ehe nicht voreilig schließen. Und ich empfehle einen Ehevertrag, weil dann für den Fall einer Trennung, die ja nie ganz auszuschließen ist, schon das Wesentliche feststeht.

Warum gibt es so wenige Eheverträge?

Weil das Image eines Ehevertrags das des Misstrauens ist und nicht der Vorsorge und Fürsorge. Aber das ist ein falsches Bild.

Wie spart man bei einer Scheidung Geld und Nerven?

Bevor die Scheidung bei Gericht endet, schließt man mit dem Partner eine Scheidungsfolgen–Vereinbarung über Zugewinn, Unterhalt und gegebenenfalls Kinderbetreuung. Dafür kann man eine gute Anwaltskanzlei einschalten, die aber auf jeden Fall eine Mediation anbieten sollte. Es ist sehr riskant, erst vor Gericht eine Einigung erzielen zu wollen.

Amazon–Gründer Jeff Bezos und seine Ehefrau scheinen ihre Scheidung recht geräuschlos hinzubekommen, obwohl es um sehr hohe Summen geht. Eine Folge guter Beratung?

Da geht es auch um die Außenwirkung mit der Strahlkraft auf das Unternehmen selbst. Ich gehe davon aus, dass die beiden vorher alles getan haben, um das in die richtigen Bahnen zu lenken.

Welche Fehler sollte man bei Scheidungen unbedingt vermeiden?

Man sollte sich keinesfalls um Gläser und Besteck streiten. Der häufigste Fehler ist aber, dass man alleine zum Anwalt geht, um sich „nur mal zu informieren“. Genau dann schaukelt sich die Sache hoch.

Ist Scheidung heute noch eine Katastrophe?

Die persönliche Katastrophe wird individuell verschieden empfunden, kann aber immer noch sehr groß sein. Gesellschaftlich sind Scheidungen aber gar kein Drama mehr.

Laufen sie deshalb heute friedlicher ab als in früheren Zeiten?

Ich denke, ja. Die Frauen sind selbstbewusster, und die Männer nehmen, wenn sie Kinder haben, ihre Vaterrolle im gesellschaftlichen Durchschnitt besser an. Auch ist es für Männer kein Tabu mehr, über eigene Gefühle zu sprechen. Das hilft, die Angelegenheiten besser zu sortieren.

Haben Sie einen Tipp, wie Paare dauerhaft zufrieden bleiben können?

Man muss nicht den ganzen Tag mit Herzchen in den Augen und einem rosa Heiligenschein rumlaufen. Man kann auch mal streiten, verschiedene Ansichten haben und darf ruhig auch ein Wochenende ohne den Partner verbringen. Wichtig ist, dass die Partner die Unterschiede, die es zwischen ihnen gibt, akzeptieren und sie als Bereicherung erkennen.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Ehepaare viel von einem Fußballer wie Lionel Messi lernen können. Was zum Beispiel?

Das tägliche Training, das Feilen, das Offensein, Fehler auszumerzen, das ist damit gemeint. Man muss am Ball bleiben und kann zum Beispiel auch mal ein überraschendes Candlelight–Dinner organisieren.

Sie leben in einer neuen Beziehung. Würden Sie nochmal heiraten?

Ja. Ich habe so viel über mich dazugelernt, auch durch meine Ehe und meine Ex–Frau, dass ich glaube, dass es dieses Mal besser laufen würde.