Skitourismus: Ski- Touristen verursachen immer mehr ökologische Probleme

Neben einer Skipiste abgestellte Schneekanonen im Tiroler Skigebiet Kühtai auf 2020 Meter Meereshöhe. Viele Skigebiete setzen künstliche Beschneiung inzwischen auch in Hochlagen ein, in denen ausreichend Naturschnee fällt.
Carsten Hoefer/dpaDie weiße Pracht aus der Kanone gibt es sogar in den höheren Lagen. Der Riesenskiverbund Dolomiti Superski gibt an, 97 Prozent seiner Pisten zu beschneien. Laut dem Verband Deutscher Seilbahnen sind es in Österreich 70 Prozent und in Bayern 25 Prozent. Rund 10.000 Lifte und 50.000 Schneekanonen verteilen sich auf rund 1.300 Skigebiete. Angeblich lagern in Ramsau 500 Lkw-Ladungen Schnee. „Snowfarming“ nennt man das. Im französischen Tignes wird darüber nachgedacht, einzelne Pisten zu überdachen und den Schnee so haltbarer zu machen. Das Mil-liardengeschäft mit dem Skisport muss in Gang gehalten werden. Klimawandel hin oder her.
„Die Beschneiungsanlagen helfen uns, die Wintersaison zu sichern“, sagt Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. „Um Gerüchten vorzubeugen: In Deutschland und Österreich muss das Wasser, aus dem der Schnee gemacht wird, Trinkwasserqualität haben. Und die meisten Bergbahnen bei uns setzen Strom aus Wasserkraft ein.“ Das mag stimmen, das Ausmaß des Energie- und Wasserverbrauchs ist allerdings enorm.
„Obwohl wir seit Jahren wissen, was der Klimawandel für die Wintersportgebiete bedeutet, wird immer noch in Anlagen investiert, die sich der Temperaturerhöhung in den Weg stellen wollen“, kritisiert Markus Tressel, Tourismusexperte der Grünen. Nicht zuletzt die nationale Tourismusstrategie, die derzeit erarbeitet wird, sollte solche Fehlentwicklungen zum Beispiel in der Förderpolitik korrigieren.“
Auf der Internetseite des Deutschen Alpenvereins bezeichnet Präsidiumsmitglied Rudi Erlacher die Faszination des Gebirges als eine Art Zucker. „Als Folge entsteht eine ganze Industrie, die die Berge noch schmackhafter macht, indem sie die eigentlich schützende Schranke der Schwerkraft überwindet – motorisiert auf Wegen, oder mit Liften.“
Die Frage ist, wie weit man das treiben will, ist nicht nur eine ökologische. „Man wird die physikalischen Grenzen schlicht nicht ewig ausdehnen können“, meint der Grünen-Politiker Tressel. Der Tourismus in den Alpen müsse sich verändern. Wandern, Wellness, Kletterdörfer – das könnte die Zukunft sein. Schließlich ist es in den Alpen im Jahresmittel etwa zwei Grad wärmer als Ende des 19. Jahrhunderts.
In Bayern scheint man das nicht zur Kenntnis zu nehmen. „Bergbahnen investieren 88 Millionen Euro“ meldet die Allgäu GmbH, die sich um Tourismus-Marketing kümmert. Doch der Eindruck täuscht. Geschäftsführer Bernhard Joachim versichert: „Im Allgäu wurde in den vergangenen zwanzig Jahren nicht ein Quadratmeter Piste neu gebaut. Alte Lift- und Bergbahnlagen werden lediglich ersetzt. Die neuen sind leiser, verbrauchen weniger Energie und sind grundsätzlich für den ganzjährigen Betrieb gedacht.“
Wenn es um den CO2-Ausstoß geht, sind ohnehin weder Bergbahnen noch Schneekanonen die großen Klimasünder, sondern es ist der Verkehr. Etwa 75 Prozent gehen auf das Konto von An- und Abreise. Unabhängig davon, ob jemand Langläufer, Snowboarder, Carver oder Bergwanderer ist. „Wir überlegen, ob wir unseren Gästen CO2-Ausgleichszahlungen anbieten“, sagt Allgäu-Geschäftsführer Joachim. "Aber da sind wir erst am Anfang.“
Ansonsten setzt man im Allgäu durchaus auf den öffentlichen Nahverkehr. „Da gibt es gute Ansätze für die letzte Meile zum Hang“ bestätigt Tressel. „Für die Meilen davor sind aber die Bundes-und Landesverkehrspolitiker zuständig." Tressel hält es auch für ein Problem, dass Skigebiete in Österreich und der Schweiz aufgrund der höheren Lage einen Wettbewerbsvorteil haben. „Aber deswegen ein Wettrüsten in Sachen Lifte und Pistenbeschneiung zu initiieren, wird auf die Dauer nicht helfen. Wir müssen neue Alleinstellungsmerkmale für die bayrischen Alpen finden.“
Dort will man so schnell nicht aufgeben. „Alpiner Skisport in der Alpenlandschaft löst nun einmal Glücksgefühle aus“, sagt Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH. "Aber klar, auf die Dauer wird es eine Herausforderung, die Zahl der Skifahrer in der Region zu halten.“ Dabei müsse man auch beachten, was die „Zeit“ mal geschrieben hat: „Der wahre Feind des Wintersports ist nicht der Klimawandel, sondern der demografische Wandel.“