Im Unterhaus verteidigte er sich gegen Angriffe der Opposition mit der Frage, ob sie "ein einziges Land" nennen könne, das über eine funktionierende Corona-App verfüge. ,"Deutschland", lautete die kurze und knappe Antwort von Labour-Chef Keir Starmer. "Läuft seit dem 15. Juni. Zwölf Millionen Downloads."
Tatsächlich ist die deutsche App bisher ein großer Erfolg. Am Donnerstag passierte sie bereits die Marke von 13 Millionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Damit hat die App eine wichtige Hürde genommen: 15 Prozent der Bevölkerung müssen sie einer Oxford-Studie zufolge nutzen, damit sie einen spürbaren Effekt bei der Eindämmung der Pandemie hat. In Deutschland war dieser Anteil bei 12,48 Millionen Nutzern erreicht.

Beteiligungsquote und Pandemiekonzept

Zuvor war oft eine nötige Beteiligungsquote von 60 Prozent genannt worden. Die gelte jedoch nur, wenn die App alleine im Kampf gegen Covid-19 stehe, erläuterten die Forscher. Als Teil eines umfassenden Pandemiekonzeptes mit Hygiene, Abstand und Atemschutz zeige sie schon bei 15 Prozent Wirkung.
Auch im internationalen Vergleich können sich die Zahlen sehen lassen. Nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurde die deutsche Version öfter heruntergeladen als die Corona-Apps aller anderen EU-Staa­ten zusammen.
Zum Vergleich: Die französische App hat nach drei Wochen lediglich 1,5 Millionen Nutzer. 14 wurden dort bis Dienstag gewarnt, dass sie einem Corona-Infizierten zu nahe gekommen seien. Nur 68 Menschen gaben an, dass sie positiv getestet wurden.
Weil diese Daten in Deutschland nicht zentral erfasst werden, sondern lokal auf den Smartphones gespeichert werden, sind ähnliche Aussagen hierzulande kaum möglich. "Dem Robert Koch-Institut liegt noch keine konsolidierte Auswertung vor", teilte es auf Anfrage mit. Manches lässt sich dennoch nachvollziehen, da einige Daten für Entwickler einsehbar sind. So wurden laut einem an der App beteiligten Entwickler am Mittwoch zum ersten Mal App-Nutzer benachrichtigt, dass sie sich in der Nähe eines mit Covid-19 Infizierten aufgehalten haben. Denn ein erster Satz von 341 Schlüsseln, die über positiv getestete Nutzer informieren, sei seit Dienstag abrufbar.

Fehlermeldungen gibt es

Zum Verständnis: Die App ruft regelmäßig die Schlüssel von positiv getesteten App-Nutzern von einem zentralen Server ab. Diese gleicht sie dann mit auf den Handys gespeicherten Identifikationsnummern ab, die dem eigenen Gerät nahe gekommen sind. 20 bis 30 Personen seien informiert worden, schätzt der Entwickler auf Twitter.
Es gibt auch Probleme. So erhalten einige Nutzer Fehlermeldungen, wonach sie sich nicht in der richtigen Region befänden oder die Risiko-Ermittlung nicht möglich sei. Manche Meldungen kann man ignorieren, andere lassen sich in den Einstellungen beheben, Anleitungen gibt es auf der Webseite der App. "Die Corona-Warn-App wird laufend und auch auf Basis des Feedbacks der Nutzer" weiterentwickelt, teilt das RKI mit.