Ulrike Poppe
: „Wer  was verändern will, muss kämpfen“

Ulrike Poppe hat sich in der DDR für öffentliche Debatten über politische Veränderungen eingesetzt. Heute wünscht sie sich mehr Mut.
Von
Nina Jeglinski
Berlin
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Ulrike Poppe in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg in Berlin.

Nina Jeglinski

Den Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen war wichtig, gewaltfrei zu agieren und einen Dialog innerhalb der Bevölkerung zu ermöglichen. Ulrike Poppe (Jahrgang 1953) hatte sich besonders in den 1980er Jahren für öffentliche Debatten über politische Veränderungen und mehr Pluralität eingesetzt. Sie wurde 1983 inhaftiert, kam wegen massiver Proteste in Ost und West jedoch nach sechs Wochen aus dem Gefängnis Hohenschönhausen frei. Sie zählt zu den Mitgründerinnen der Initiative für Frieden und Menschenrechte, Mitte der 1980er-Jahre, und zur Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ (DJ), die sich im September 1989 konstituiert hatte. Sie vertrat die Bürgerbewegung am Zentralen Runden Tisch.

In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Mauerfall und 29 Jahre deutsche Wiedervereinigung. Für viele sind Sie eine der Symbolfiguren der friedlichen Revolution in der DDR. Sind Sie stolz auf den Beitrag, den Sie zur Veränderung geleistet haben?

Stolz ist das falsche Wort dafür, aber ich bin froh, dass es uns gelungen ist, das System in der DDR abzuschaffen und mit den ersten freien Wahlen eine Demokratie auf den Weg zu bringen.

Bereits Anfang/Mitte der 1980er Jahre gründeten Sie Gruppen wie „Frauen für den Frieden“ und die „Initiative für Menschenrechte“. Welchen Einfluss hatten diese Gruppen auf die Ereignisse von 1989?

Die Gruppen hatten eine Art Katalysatorenfunktion, es gab eine verbreitete Wut in der Bevölkerung. Wut über den zunehmenden Niedergang wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, die marode Infrastruktur, den Verfall der Innenstädte und die verlogene Informationspolitik. Außerdem wollten die Menschen nicht länger eingesperrt sein, sie wollten reisen können. Dieses Unbehagen und die Empörung führten dazu, dass immer mehr Menschen in die DDR verlassen wollten. Vor allem Ende der 1980er Jahre stiegen die Zahlen der Ausreisewilligen enorm an, aber die SED-Führung reagierte mit dem zynischen Satz: „Denen, die unser sozialistisches Vaterland verlassen, weinen wir keine Träne nach“. Viele Menschen jedoch haben geweint, wenn ihre Töchter, Söhne, Väter und Mütter gingen. Ich gehörte zu denen, die auf keinen Fall in den Westen gehen wollten.

Warum nicht?

Weil ich mir gesagt habe, wenn man etwas verändern will, muss man dableiben und kämpfen. Wenn alle Kritiker gehen, wird sich nichts verändern, dann bleiben die zurück, die sich mit den Bedingungen arrangiert haben. Es gab immer Spannungen zwischen denen, die ausreisen wollten, und denjenigen, die bleiben wollten, um etwas zu verändern. Unzufriedenheit gab es in fast allen Bereichen und kaum Anlass zur Hoffnung, dass sich die DDR noch mal erholen könnte. Die Betriebe waren marode, es gab keine Aussicht mehr auf ein technologisches Einholen des Westens, im Gegenteil. Der Abstand zwischen West und Ost wurde immer größer, und die DDR-Bevölkerung hat ihren Lebensstandard ja immer mit dem in der Bundesrepublik verglichen.

Bleiben wir noch einen Augenblick am Anfang der 1980er Jahre. Sie wurden im Dezember 1983 zusammen mit Bärbel Bohley inhaftiert. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Haftzeit?

Ganz überraschend kam die Verhaftung nicht. Wir hatten schon damit gerechnet, dass es nach der Bundestagsentscheidung für eine Stationierung neuer amerikanischer Atomraketen in der Bundesrepublik zu Verhaftungen kommen würde. Bis dahin hatte die internationale Friedensbewegung gehofft, diesen weiteren Aufrüstungsbeschluss verhindern zu können, und die DDR-Führung hielt sich wegen unserer Verbindungen zu westlichen Friedensgruppen mit Repressionen zunächst zurück. Wir waren auf Verhaftungen vorbereitet, wussten aber nicht, was dafür als Anlass genommen und wen von den Friedensaktivisten es treffen würde. Ende 1983 besuchte eine Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin aus Großbritannien die DDR und traf sich auch mit unserer Gruppe „Frauen für den Frieden“. Sie arbeitete an einer Studie über die Situation der Frauen in der DDR und wurde bei ihrer Ausreise an der Grenze festgenommen. Ihre Aufzeichnungen zu unserem Treffen wurden zum Anlass für die Verhaftung von vier Frauen. Zwei von uns bekamen ein Ermittlungsverfahren ohne Haft, und Bärbel Bohley und ich kamen in Haft. Gegen uns wurde nach Paragraf 99, Landesverrat, ermittelt – Weitergabe nichtgeheimer Nachrichten, die geeignet sind, dem Ansehen der DDR zu schaden. Ein „Gummi-Paragraf“, er führte dazu, dass wir in der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Hohenschönhausen landeten. Überraschend kamen wir nach sechs Wochen wieder auf freien Fuß. Und das war dem Umstand geschuldet, dass es viele Proteste und Solidarität für uns gab, auch und vor allem in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Petra Kelly hatte unter andeem Willy Brandt und Olof Palme gebeten, sich bei Erich Honecker für uns einzusetzen.

Es gibt mittlerweile viele Filme, in denen die Haftbedingungen in Hohenschönhausen gezeigt werden. Wie haben Sie die Haft erlebt?

An den ersten Tagen war ich ziemlich benommen. Ich hatte zunächst angenommen, in wenigen Tagen wieder rauszukommen. Ich dachte, Weihnachten bin ich wieder draußen. Aber dann hat es doch vom 12. Dezember 1983 bis zum 24. Januar 1984 gedauert. Ab der fünften Woche hatte ich allerdings den Eindruck, dass mein Vernehmer sich beeilte, alles zusammenzutragen, um eine Anklageschrift fertig zu bekommen und es auf einen Prozess zuläuft. Ich war sehr verwundert, als man mir sagte, ich könne das Gefängnis verlassen. Unsere Entlassung werteten wir als Erfolg, weil wir merkten, die Macht der SED ist begrenzbar und die DDR steht international unter Beobachtung. Und wir erkannten: Mit Zusammenhalt und Mobilisierung der Öffentlichkeit können wir uns schützen.

Es waren ja noch viele Jahre bis 1989. Wie sah Ihr Alltag nach der Haft aus?

Unsere Haftentlassung war eine Ermutigung weiterzumachen und wir haben weitergemacht. Bald danach wurde die Initiative „Frieden und Menschenrechte“ gegründet, die radikalste Gruppe der DDR-Opposition. Es hatten sich seit Anfang der 1980er Jahre viele Gruppen für die Themen Umwelt, Frieden, Frauen, Minderheiten, Dritte Welt gegründet und eine Dachorganisation war entstanden, die „Frieden Konkret“ hieß. Diese organisierte jährliche Treffen, um die Arbeit der einzelnen Gruppen zu koordinieren und sie zu vernetzen. Insgesamt waren es relativ wenige Menschen, vielleicht ein paar Tausend. und sie standen unter engmaschiger Beobachtung durch die Staatssicherheit. Und obwohl wir von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden, standen wir alle unter sehr engmaschiger Beobachtung durch die Staatssicherheit. Für größere Veranstaltungen und Zusammenkünfte konnten wir lediglich kirchliche Räume nutzen. Und für viele Menschen in der DDR war die Schwelle zum Betreten kirchlicher Einrichtungen zu hoch.

Als im Frühjahr 1989 durch oppositionelle Gruppen die Fälschungen der Kommunalwahlen aufgedeckt wurden, breitete sich die Empörung aus. Gleichzeitig wurde dadurch innerhalb der DDR eine organisierte Opposition sichtbar. Und das machte vielen Menschen Mut, die bisher nur die Faust in der Tasche geballt hatten. In vielen Regionen der DDR konnte West-Fernsehen empfangen werden, und die Berichterstattung ließ die Zahl der Unzufriedenen steigen. Die westlichen Medien waren ein wichtiges Transportmittel in die Öffentlichkeit.

Wie sah Ihr Alltag in der DDR aus? Sie hatten kleine Kinder und waren verheiratet, wie war das Leben damals in Ost-Berlin?

Die alten Gebäude in den Innenstädten waren stark verfallen, nicht nur in Berlin, sondern in allen Teilen der DDR. Die Regierung baute Neubausiedlungen am Stadtrand, aber das half nicht über die Trauer hinweg, dass jene Gebäude und Marktplätze, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten systematisch verkamen. Der Mittelstand war seit den 1960er seit den 1979er Jahren so gut wie abgeschaft, die kleinen Handwerksbetriebe waren den großen Betonfabriken gewichen, die Wohnungsnot war groß.

In Berlin Prenzlauer Berg, wo ich bis heute wohne, gab es viel Leerstand, nicht erfasste Wohnungen, die im Grunde unbewohnbar waren, weil es durchs Dach regnete, Schwamm und Schimmel sich ausgebreitet hatten. Doch manche jungen Leute, die nach Berlin wollten, zogen in diese Wohnungen, reparierten sie notdürftig und lebten dort so gut es ging. Ich habe in mehreren solcher Wohnungen gewohnt, meine beiden Kinder sind in einer Wohnung aufgewachsen, in die wir illegal eingezogen waren. Vierte Etage, es regnete durch, weil das Dach beschädigt war, und es gab keine Aussicht auf Reparatur. Die Öfen zogen nicht richtig – wenn der Wind falsch stand, war die Wohnung verqualmt. Aber wir haben dort viele Jahre gelebt.

Die Stasi hat uns ständig beobachtet. Einmal entdeckten wir ein Mikrofon, das in der Zimmerdecke unter dem Putz steckte. Wir haben das Gerät ausprobiert und festgestellt, dass es sich um ein hochempfindliches Mikrophon handelte, mit dem man auch ein sehr leises Gespräch aufzeichnen konnte. Das war schon Anfang der 1980er Jahre. Außerdem wurden aus einer Wohnung im gegenüber liegenden Haus gefilmt. Das hatten wir in den Stasi-Akten später bestätigt bekommen. In den Akten gab es verschriftlichte Videoprotokolle. Wir sahen unsere Bewacher, an manchen Tagen gab es offene Beschattung, dann stand ein Auto mit drei Stasileuten Tag und Nacht vor unserer Tür, und wir wurden verfolgt, wenn wir zum Bäcker oder zur Arbeit gingen. Aber auch die verdeckte Beschattung bekamen wir oftmals mit, denn wir erkannten inzwischen die Stasitypen an ihrem Äußeren und ihrem Verhalten.

War das irgendwann Gewöhnungssache?

Als mein Sohn 1985 eingeschult wurde, kam die Stasi zur Schulleitung und hat der Direktorin mitgeteilt, Jonas Poppe sei das Kind von Staatsfeinden, die Mutter stehe der Volksbildung sehr feindlich gegenüber. Das erfuhr ich von einer Hortnerin Und es war meine schlimmste Erfahrung, schlimmer als Haft und Bedrohung. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich das noch verantworten kann, wenn unseren Kindern der Weg verbaut wird. Ich bin heulend von der Schule nach Hause gelaufen, und mein Mann und ich haben lange darüber geredet, ob wir unseren Weg weiter verantworten können oder ob wir in den Westen gehen sollten. Aber dann erfuhr ich, dass die Lehrer sich nicht feindlich gegenüber unserem Sohn verhalten, und wir blieben. Die Klassenlehrerin hat sich offenbar gedacht, das Kind kann ja nichts für seine Eltern, und sie hat unseren Sohn wohl einigermaßen fair behandelt.

Wann kam der Wendepunkt, dass die Leute sagten: „Es reicht uns, wir wollen andere Verhältnisse und sind bereit, das nach draußen zu tragen“?

Ein Anlass waren die Kommunalwahlen, nicht nur weil herauskam, dass gefälscht wurde, sondern weil durch die landesweite Auszählung plötzlich eine organisierte Opposition sichtbar geworden war. In Teilen der Bevölkerung entstand die Erkenntnis, es gibt eine Kraft, der man sich anschließen könnte und mit der wir versuchen können, etwas anderes aus der DDR zu machen. Gleichzeitig aber wuchs die Resignation und verstärkte die Ausreisewelle. Dennoch kam es im September 1989 zu einer Aufbruchsstimmung. Überall gründeten sich Initiativen, in Scheunen und Kirchen kamen die Menschen zusammen und begannen ihren Frust herauszulassen und Vorschläge zur Umgestaltung zu entwickeln. Zigtausende unterzeichneten den Aufruf des Neuen Forums. Ich erinnere mich noch sehr gut, ich war damals im Sprecherrat von „Demokratie Jetzt“ und war fast jeden Tag an einem anderen Ort, an dem sich die Bevölkerung versammelte und einfach offen reden wollte. In kleinen Gemeinden, wie im brandenburgischen Schildow zum Beispiel oder in anderen Vororten von Berlin, versammelte sich das gesamte Dorf und beschloss, die politischen Entscheidungen in die eigenen Hände zu nehmen. Und das hat vielen Mut gemacht und hat bei vielen das Vertrauen in die eigene Kraft gestärkt. Es gab ja nicht nur in Leipzig Demonstrationen, sondern in der gesamten DDR.

Hat der 9. Oktober in Leipzig das Schicksal der Revolution entschieden?

Es war ein Wendepunkt. Wie wir ja wissen, stand damals in Leipzig in den Seitenstraßen die Armee, und in den Krankenhäusern hielt man die Blutkonserven bereit. Alles war vorbereitet auf eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste. Dass die Entscheidung getroffen wurde, nicht gegen die gewaltlosen Demonstranten zuzuschlagen, das war für uns das Signal, wir haben eine Chance. Aber es dauerte noch bis Anfang Dezember, bis die im Artikel 1 der DDR-Verfassung festgeschriebene führende Rolle der SED gestrichen wurde. Für uns war das damals bedeutsam, weil die SED in allen Bereichen der DDR das Sagen hatte, und das musste erst einmal abgeschafft werden.

Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie am 9. November 1989 getan haben und wie Sie von der Maueröffnung erfahren haben? Für Menschen, die nach 1989 geboren sind, sind das ja eher abstrakte, geschichtliche Ereignisse, doch diejenigen, die damals dabei waren, werden die Geschehnisse nicht vergessen. Vor allem Sie von der Bürgerrechtsbewegung waren ja Auslöser der Ereignisse.

Ich war in Schildow, einem Vorort von Berlin. Am Abend fuhr ich nach Berlin zurück, um zu einer Geburtstagsfeier zu gehen. Dann war der Wein alle, und jemand ging in die Kneipe, um neue Weinflaschen zu holen. Er kam völlig irritiert wieder und erzählte, der Wirt habe für alle Gäste Freibier ausgegeben. Die Mauer sei angeblich offen. Wir waren völlig verwirrt und haben sofort den Fernseher eingeschaltet, wo immer wieder die Szene von der Pressekonferenz mit Günther Schabowski und seiner Aussage, man könne unverzüglich ausreisen gezeigt wurde. Daraufhin sind wir zum Brandenburger Tor gefahren, wo wir über die Mauer geklettert sind. Auf der Straße des 17. Juni nahm uns dann ein Auto mit zum Ku‘damm. Dort knallten die Sektkorken. Ich saß bis zum frühen Morgen in irgendwelchen Kneipen und wir feierten unser Glück. Als ich feststellte, dass ich keinen Ausweis bei mir hatte, kriegte ich einen Schreck. Schließlich lagen meine Kinder zu Hause im Bett. Aber es war kein Problem, wieder nach Ostberlin zu kommen. Am nächsten Tag gingen mein Mann und ich mit unseren Kindern über die Bornholmer Brücke Richtung Westen und standen staunend vor den Auslagen der Geschäfte. Vor allem waren wir fasziniert von den vielen unbekannten Obst- und Gemüsesorten, erinnere ich mich.

Was haben Sie da gedacht?

Ich war etwas erschlagen von der Buntheit und der Jubelstimmung, die da herrschte. Wir haben in den Tagen nach dem Mauerfall viel diskutiert, und viele äußerten die Sorge, dass mit der Grenzöffnung die Luft raus ist und die Proteststimmung nachlässt, weil das Ventil geöffnet war. Doch die Sorge war unbegründet, die Proteste hielten an, weil nun erst recht die große Chance sichtbar war, das Land zu verändern, Reisefreiheit alleine reichte nicht mehr. Wir wollten die Demokratie auf den Weg bringen, und dazu brauchten wir freie Wahlen.

Sie haben Kinder und Enkelkinder, was geben Sie dieser Generation für Antworten, und was wird oder soll bleiben von der DDR und der Zeit 1989/90 als Vermächtnis?

Dass man sich politische Ziele setzen sollte, die nicht von der zu erwartenden Machbarkeit bzw. Durchsetzbarkeit abgebremst werden. Man darf auch mit unwahrscheinlichen Wendungen rechnen, das haben die Ereignisse 1989 und 1990 gezeigt. Wir haben damals erlebt, dass wirklich Unerwartetes passieren kann und es ist gut, dass die Bestrebungen nach politischen Freiheitsrechten und Rechtsstaatlichkeit in all’ den Jahrzehnten überwintert haben, um 1989 wieder frisch aufzukeimen. Heute wünsche ich mir mehr Mut, eine Welt zu entwerfen, die eine gute Zukunft für unsere Nachkommen ermöglicht, auch wenn es genug Gründe gibt, diese eher düster zu zeichnen. Wir brauchen beides: Gefährdungen benennen, aber auch Hoffnungsbilder entwerfen. Für die Außenpolitik hat uns die Oppositionszeit gelehrt, dass es nicht reicht, mit autoritären Staaten um der friedlichen Koexistenz willen diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakt auf den Führungsebenen zu führen. Man sollte schauen, wo es demokratische Gegenkräfte in den jeweiligen Diktaturen gibt, und wie sie unterstützt werden können. Wir haben in der DDR erlebt, dass die offiziellen politischen Kräfte des Westens vor allem die Kontakte zur SED gesucht haben und die DDR-Opposition oftmals als Störfaktor angesehen haben. Aber wir hatten auch Unterstützer im Westen, Korrespondenten, vereinzelte Politiker, vor allem von den Grünen, und viele zivilgesellschaftliche Organisationen.

Lebensdaten von Ulrike Poppe

1953 in Rostock geboren engagierte sich Ulrike Poppe seit den 1970er Jahren in Bürgerrechtsgruppen. Sie zählt zu den Gründern der "Initiative für Frieden und Menschenrechte" und  "Demokratie Jetzt" und vertrat die Bürgerbewegung am Zentralen Runden Tisch. Von 1992 bis 2010 war sie  Studienleiterin für Politik und Zeitgeschichte an der Evangelischen Akademie Berlin Brandenburg. Und bis 2017 Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur.