Umweltschutz
: Flugverkehr ist Klimakiller Nummer 1

Der Flugverkehr boomt und ist doch Klimasünder Nummer 1. Deshalb fordern Umweltschützer Konsequenzen.
Von
Dorothee Torebko
Berlin
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Setzt sich ein für klimafreundliche Verkehrsträger wie das Rad und die Bahn: der Grünen-Europaabgeordnete und Verkehrsexperte Michael Cramer

Bündnis 90/Grüne

Der Flugverkehr boomt: Während vor 20 Jahren 62 Millionen Passagiere in Deutschland gezählt wurden, waren es 2017 bereits 213 Millionen. Zugleich fallen die Preise. Doch Flugreisen sind Klimakiller, sagen Umweltschützer. Sie fordern, dass die Gesellschaften einen größeren Beitrag zum Umweltschutz leisten müssen.

Ein Flieger produziert durch das Verbrennen von Kerosin genauso wie Autos und Fabriken auch CO2. Das Kohlenstoffdioxid legt sich um die Erde wie eine Decke und sorgt für den Treibhauseffekt. „Fliegen ist aber mit Abstand die umweltschädlichste Art des Reisens“, sagt der Verkehrsreferent Michael Müller–Görnert vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Flugzeuge produzieren siebenmal so viel CO2 pro Personenkilometer wie durch eine Bahnreise entsteht. Ein Flug von Berlin nach New York ist so schädlich, wie ein Jahr mit dem Auto durch die Gegend zu fahren.

Problematisch sind aber nicht nur das ausgestoßene CO2, sondern auch die emittierten Stickoxide, der Ruß und die Kondensstreifen. Letztere stehen im Verdacht, zum Treibhauseffekt beizutragen und damit genauso schädlich zu sein wie CO2. „Dennoch leistet der Flugverkehr keinen Beitrag für den Klimaschutz“, moniert Müller–Görnert. Dabei gäbe es Möglichkeiten.

Seit Jahren fordert der Grünen–Politiker Michael Cramer eine Kerosin– und Mehrwertsteuer für die Luftfahrt. „Andere Verkehrsträger wie die Bahn werden stark benachteiligt“, kritisiert der Verkehrspolitiker, der für die Grünen im Europäischen Parlament sitzt. „Es kann doch nicht sein, dass die klimafreundliche Bahn noch zusätzlich durch Steuern belastet wird und eine Bahnfahrt nach Paris am Ende das Fünffache von dem kostet, was ein Flugreisender zahlt.“

Überlegungen, eine Kerosinsteuer einzuführen, wurden auf europäischer Ebene bereits diskutiert. Allerdings blockierten die USA, China und Russland nach dem Motto: Wenn wir zahlen müssen, fliegen wir Europa nicht mehr an. Die Idee wurde fallen gelassen. „Doch die EU könnte vorangehen, indem innereuropäische Flüge besteuert werden“, sagt Cramer. Bisher findet der Vorschlag aber kaum Anklang.

Fluggesellschaften gehen einen anderen Weg. Sie wollen ab 2020 CO2–neutral wachsen und bis 2050 sollen die Emissionen der Luftfahrt verglichen mit 2005 sogar halbiert werden. Um das zu schaffen, investieren die Airlines in nachhaltiges Benzin, neue Triebwerke und leichtere Maschinen. Das Problem: Das Ganze ist teuer. Anfang des Jahres forderte die Atag, ein Zusammenschluss von Gesellschaften, Triebwerkherstellern und Fluglotsendiensten, eine staatliche Unterstützung für die Luftfahrt. Das heißt: Ohne Finanzspritzen keine saubere Luft.

Zudem sind die Maßnahmen nur freiwillig. Eine weitere Idee ist ein Ablasshandel. Das bedeutet, die ausgestoßenen Schadstoffe werden anderswo eingespart. Nicht bei den Fluggesellschaften selbst. Sie geben nur das Geld und finanzieren damit Projekte, wo Kohlendioxid reduziert wird. Beispiele sind die Wiederaufforstung der Regenwälder oder Biogasanlagen in Asien, damit Bauern kein Holz mehr zum Heizen verbrennen müssen. Prinzipiell sei die Idee gut, sagt Müller–Görnert: „Aber, wie umweltfreundlich die Projekte tatsächlich sind, ist fraglich.“