US-Wahlen: Startschuss für das lange Wahljahr in den Vereinigten Staaten
Alle vier Jahre gibt der US-Staat Iowa im Herzen von Amerikas so genannten „Getreidegürtel“ den Startschuss für eine lange Serie von Vorwahlen. Diese werden bestimmen, wen Republikaner und Demokraten im Sommer bei ihren Parteitagen als Präsidentschaftskandidat stellen.
Bei den Republikanern geht es um nichts. Die Vorwahlen werden vor allem Donald Trump als Bühne zur Eigenwerbung und Selbstbeweihräucherung dienen. Völlig offen aber ist das Rennen bei den Demokraten. Hier liefern sich ein halbes Dutzend Kandidaten seit Monaten einen erbitterten Kampf, der in den kommenden Wochen noch an Schärfe zunehmen wird.
Als Favoriten bei den Wählerversammlungen am Montagabend gelten Senator Bernie Sanders, der ehemalige Vizepräsident Joe Biden, Pette Buttigieg, der junge Bürgermeister von South Bend, Indiana und Sanders Senatskollegin Elizabeth Warren. Der spät in das Rennen eingestiegene Multimillionär Mike Bloomberg hat noch Außenseiterchancen. Wie die Geschichte gezeigt hat, wird einer der Top-Favoriten fast immer zum Kandidaten gekürt. Keineswegs ist es aber immer der Sieger des "Iowa Caucuses“.
Die Farmer sind entscheidend
Mit seinen etwas über drei Millionen Einwohnern verkörpert Iowa das typische Amerika jenseits der großen Metropolen, fernab der Küsten. Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen. Viele von ihnen arbeiten als Landwirte, ist der Agrarsektor doch nach wie vor die Stütze der Wirtschaft, wo Familien mit einem Durchschnittseinkommen von 58 000 Dollar im landesweiten Schnitt liegen. Aber auch Lehrer, Beamte, Polizisten und Studenten entscheiden mit, wen die Demokraten ins Rennen schicken und ob deren Kandidat imstande sein wird, im November Trump in die Knie zu zwingen.
Mittlerweile habe sich Iowas Bürger daran gewöhnt, alle vier Jahre für kurze Zeit im politischen Rampenlicht zu stehen. In der Kneipe des Des Moines Marriott Hotel, der inoffiziellen „Pressezentrale“, wimmelt es jeden Abend von hunderten Journalisten aus aller Welt.
In Großstädten wie Des Moines und Cedar Rapids oder Dörfern wie New Sharon und Montrose wettert etwa Biden gegen „den korruptesten Präsidenten in unserer Geschichte“ während Buttigieg bei Bürgerversammlungen über die Notwendigkeit einer Wachablösung durch „eine neue Generation aufgeweckter Politiker“ referiert.
Schimpfen über Großbanken
Warren und Sanders jetten von dem Impeachment-Prozess in Washington, an dem sie als Senatoren teilnehmen müssen, unermüdlich nach Iowa, um mit Wählern unzählige Selfies knipsen zu lassen, gegen die Großbanken zu schimpfen und eine staatliche Krankenversicherung für alle US-Bürger zu propagieren.
Ziel des eifrigen Umwerbens der Wähler ist es, am Montagabend aus dem so genannten „Caucuses“ als Sieger hervorzugehen. Republikaner und Demokraten werden sich strikt getrennt in Schulen, Sporthallen, Bibliotheken, Gemeindezentren, Kirchen und Wohnzimmern von Privathäusern versammeln und über aktuelle, politische Themen diskutieren. Von Krankenversicherung, Klimawandel und Steuersenkungen über Impeachment und Sicherheitspolitik bis hin zu der alles entscheidenden Frage, wie Trumps Einfuhrzölle Iowas Farmer getroffen haben, von denen viele in der Folge um ihre Existenz bangen
Viel Lärm um nichts, meinen Kritiker der Caucuses, die deren Abschaffung fordern und reguläre Vorwahlen, also „Primaries“ einführen wollen. Schließlich sind mindestens 1991 demokratische Delegierte erforderlich, um im Juli beim Parteikonvent in Milwaukee die Spitzenkandidatur zu erobern, also sind 41 Stimmen aus Iowa ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch geht es nicht um die nackten Zahlen. Ziel ist es vielmehr, mit Schwung in die weiteren Vorwahlen zu gehen und auf der nationalen Bühne als tragfähiger Kandidat und im Idealfall Topfavorit auftreten zu können.





