Usedom
: Bahnlinie zur Ostsee soll wiederbelebt werden

In Vorpommern wird die Wiederbelebung einer alten Bahnstrecke geprüft, die seit 1945 brach liegt. Anlass ist ein Tunnelbau in Polen.
Von
Dietrich Schröder
Stralsund
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  • 1933 gebaut und 1945 gesprengt: Über die Karniner Brücke über die Peene fuhren einst Schnellzüge von Berlin nach Swinemünde.

    1933 gebaut und 1945 gesprengt: Über die Karniner Brücke über die Peene fuhren einst Schnellzüge von Berlin nach Swinemünde.

    Jens Büttner/dpa
  • Mit der Bahn nach Usedom

    Mit der Bahn nach Usedom

    MMH/Jörn Sandner
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Vier Stunden. So viel Zeit braucht man im günstigsten Fall, wenn man als Berliner mit dem Zug auf die Insel Usedom kommen will, die als „Badewanne“ der Hauptstädter und Brandenburger gilt. Vor 80 Jahren ging es noch deutlich schneller: 1939 erreichten Schnellzüge vom Stettiner Bahnhof nach knapp drei Stunden ihr Ziel in Swinemünde, dem seit 1945 polnischen Swinoujscie.

Freilich fuhren diese Züge über die fast 100 Kilometer kürzere Südverbindung, die bei Ducherow in Richtung Ostseeinsel abbog. Doch kurz vor dem Kriegsende – am 29. April 1945 – sprengten Truppen der Wehrmacht die Hubbrücke, die  bei Karnin über den Peenestrom zur Insel führte. Lediglich deren Mittelstück wurde nicht zerstört, um der im Stettiner Haff operierenden Kriegsmarine einen trümmerfreien Fluchtweg in die Ostsee zu ermöglichen.

Bis heute steht dieses — technisch mit dem Schiffshebewerk bei Niederfinow vergleichbare  Bauwerk – wie ein anklagendes Denkmal im Peenestrom. Seit DDR–Zeiten gab es zwar zahlreiche Pläne, die Strecke wiederzubeleben, doch scheiterten diese immer wieder an den Kosten.

Nun sorgt ausgerechnet ein Verkehrsprojekt auf polnischer Seite der Grenze für die Neubelebung der Debatte. Denn in Swinoujscie – der Stadt, die bisher nur über zwei Fähren mit dem „Rest“ von Polen verbunden ist — wird seit einem Jahr ein Autotunnel unter der Swine gebaut. Er soll spätestens 2023 fertig sein.

„Da dieser Tunnel an die polnische Fernstraße 3 anschließt, befürchten wir das Schlimmste.“ Das sagt Günther Jikeli, ein geborener Insulaner und Vorsitzender des Vereins Usedomer Eisenbahnfreunde. Dieser Verein kämpft seit Jahren um die neue (alte) Eisenbahnlinie und hat sich — da deren Strecke bis kurz vor Swinoujscie vier Kilometer über polnisches Territorium führen würde — auch längst mit Gleichgesinnten aus dem Nachbarland zusammengetan.

Nicht nur für Touristen wichtig

„Die Bahnlinie hätte mehrere Vorteile“, argumentiert Jikeli. „Sie wäre gut für die Touristen, aber auch für Arbeitskräfte aus Pasewalk oder Anklam, die auf Usedom dringend gebraucht werden.“ Hinzu käme noch, dass man für polnische Lkw–Transporte, die künftig durch den neuen Tunnel bis nach Hamburg rollen sollen, als Alternative einen Containertransport auf der Bahnlinie anbieten könnte.

Tatsächlich hat das Verkehrsministerium von Mecklenburg–Vorpommern jetzt erstmals 2,8 Millionen Euro beantragt, mit deren Hilfe eine Kosten–Nutzen–Rechnung für den möglichen Wiederaufbau der Linie von Ducherow erstellt werden soll. Auch Auswirkungen auf die Umwelt sollen darin einfließen.

Zwar muss der Landtag in Schwerin diesem Antrag noch zustimmen, doch Günther Jikeli sieht darin schon jetzt „den entscheidenden Anstoß für unser Vorhaben“. Der bekennende Usedomer verweist zudem „als abschreckendes Beispiel“ auf die Insel Rügen. Dort habe der Pkw–Verkehr in den vergangenen Jahren so stark zugenommen, „dass wir alles dafür tun müssen, damit uns Ähnliches erspart bleibt“.