Verkehr: Bald kommen die E-Roller

Eine Frau testet einen E-Roller.
Julian Stratenschulte/dpaIn wenigen Tagen könnte es soweit sein: E-Roller werden durch deutsche Städte flitzen. Heute entscheidet der Bundesrat darüber, ob er einer entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zustimmt. Diese besagt, dass die elektrischen Gefährte dann Radwege und Straßen bevölkern können. Dass der Bundesrat die Verordnung durchwinkt, gilt als sicher. Dennoch gibt es hinter der Zulassung der neuen Verkehrsträger allerlei Fragezeichen.
Bedenken gibt es, was den raren Platz in den Städten angeht. Bereits die Flut an Leihrädern hat gezeigt, wie umkämpft der Raum ist. Auch die Verleiher von E-Rollern bringen sich in Stellung. Das Berliner Start-up Tier will den Markt erobern – genauso wie Hive, hinter dem Daimler steht, und die US-Firma Bird. Deshalb rüsten sich Städte wie Berlin und beschränken die Zahl der Roller pro Ausleihstation. Andere Konzepte etwa in Ulm sehen vor, dass Roller nicht an zentralen Orten wie dem Münsterplatz abgelegt werden dürfen. Das System soll verhindern, dass sich die Roller-Nutzer dort ausloggen können.
Doch nicht nur die E-Roller-Flut ist ein Problem. Bisher dürfen die Scooter im Öffentlichen Nahverkehr nur dann mitgenommen werden, wenn sie nicht zu schwer und zusammenklappbar sind.
Mitnahme eingeschränkt
Für nicht klappbare Roller, die so groß wie Räder sind, gibt es allerdings noch keine Regelung. Doch die E-Scooter sind nur dann für eine breite Bevölkerungsschicht attraktiv, wenn sie für die letzten Kilometer zur Arbeit genutzt werden können, macht die Verbraucherzentrale Bundesverband deutlich. Das unterstreicht auch die stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Daniela Kluckert (FDP). Ihr geht die Verordnung zudem nicht weit genug. Denn ob Elektrokleinstfahrzeugen ohne Lenkstange zugelassen werden, ist weiterhin ungeklärt: „Ich befürchte, dass es gar nicht mehr zu einer Verordnung für beispielsweise Hoverboards kommt.“
„Die Debatte um die neuen Mobilitätsträger wurde von Beginn an als Angstdebatte geführt“, kritisiert die FDP-Abgeordnete Kluckert. Fußgängervereine, Versicherer und Behindertenverbände hatten auf die Gefahren der E-Roller auf Gehwegen aufmerksam gemacht. Ursprünglich war geplant, dass diese auch auf Bürgersteigen fahren dürfen. Nach einer langwierigen Diskussion verbannte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Roller auf Radwege und Straßen.
Doch damit sind nicht alle Gefahrenpotenziale gebannt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club macht deutlich, dass es durch den neuen Konkurrenten breiterer Radwege bedarf. Viele Städte bauen derzeit ihre Radinfrastruktur aus – allerdings wird diese nicht so schnell fertig, wie die E-Roller zugelassen werden.
