Verkehr
: Debatte - digitale Tempoanzeigen versus Tempolimit auf Autobahnen

Verkehrsminister Scheuer ist weiterhin gegen ein allgemeines Tempolimit. Ein flächendeckende digitale Verkehrssteuerung aber wäre teuer.
Von
Dorothee Torebko
Berlin
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Ein Straßenwärter bereitet ein Tempolimit-Schild zum Aufhängen vor.

Jens Büttner/dpa

Würde das gesamte Autobahnnetz mit dem System gesteuert, würde dies zwölf Milliarden Euro kosten, heißt es in der Antwort an den baden-württembergischen Verkehrspolitiker Matthias Gastel (Grüne). Eine Ausstattung des gesamten Autobahnnetzes hält Gastel für unsinnig, denn das Geld würde anderswo fehlen. Das sehe auch der Verkehrsminister so. Aber: „Dann sollte er auch nicht suggerieren, alleine mit Technik die Unfallzahlen auf den Autobahnen reduzieren zu können“, sagt Gastel. Bundesverkehrsminister Scheuer hatte sich in einem Interview mit dieser Zeitung erneut gegen das Tempolimit ausgesprochen. Seine Begründung: „Besser ist es, mit einer digitalen und intelligenten Verkehrslenkung zu arbeiten, wie wir es bereits machen.“

Für den Bundestagsabgeordneten Gastel bedeutet die fehlende Ausstattung des Autobahnnetzes mit der intelligenten Verkehrssteuerung, dass ein Tempolimit unverzichtbar ist. „Tempo 130 würde im Gegensatz zur vollständigen Digitalisierung der Autobahnen nichts kosten, könnte sehr schnell die Verkehrssicherheit weiter verbessern und würde außerdem Treibhausgasemissionen sowie Lärm reduzieren.“ Laut einer Untersuchung des Öko-Instituts könnten bei Tempo 120 bis zu 3,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Unfallforschung der Versicherer geht davon aus, dass durch eine Tempobeschränkung 80 Menschen pro Jahr gerettet werden könnten. Das sind etwa zwei bis drei Prozent aller im Verkehr Getöteten. Erhöhte Geschwindigkeit ist die mit Abstand häufigste Unfallursache auf Autobahnen.

Der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, plädiert für eine Versachlichung der Debatte. „Man muss das Gift aus der Diskussion nehmen“, sagt der Wissenschaftler. „Das Tempolimit macht aus Sicherheitsaspekten Sinn. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass die meisten Unfälle auf der Landstraße passieren“, sagt Bratzel. Klar sei aber auch, dass es eh bald ein Tempolimit geben werde. „Im Zuge des Umstiegs auf E-Autos macht es keinen Sinn, schneller als 130 km/h zu fahren.“ Denn dann sei die Batterie schnell leer.

Intelligente Verkehrslenkung

Intelligente Systeme zur Verkehrslenkung heißen Streckenbeeinflussungsanlagen. Das sind digitale Schilder an Autobahnen, die mal 80 km/h, mal 100 km/h anzeigen. Wie hoch die Geschwindigkeit ist, hängt von der Verkehrsdichte ab. Die Künstliche Intelligenz errechnet, wie schnell die Verkehrsteilnehmer fahren sollten, damit kein Stau entsteht. Einen Stau gibt es, wenn die Strecke überlastet ist. Bremst dann ein Fahrer ab und sein Hintermann kommt zum Stehen, wird ein Stauwelle losgetreten. ⇥dot