Wahlparteitag Grüne
: „Das Runde muss ins Eckige“

Die Grünen befinden sich im Stimmungshoch. Doch vor der Europawahl treten manche die Euphoriebremse.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Ska Keller, Spitzenkandidatin Bündnis 90/Die Grünen zur Europawahl, spricht beim Wahlparteitag zur Europawahl.

dpa/Gregor Fischer

Parteichefin Annalena Baerbock scheint aber Restzweifel zu haben, ob am Sonntag alles so kommt wie erhofft. Den Delegierten rief sie zu: „Wir müssen Stimmungen in Stimmen umsetzen.“

Schon oft standen die Grünen in Umfragen gut da, bevor sie am Wahlabend eine Enttäuschung erlebten — zuletzt bei der Bundestagswahl. Derzeit werden Werte von bis zu 19 Prozent bei der ­Europawahl vorhergesagt, fast eine Verdopplung gegenüber den 10,7 Prozent vor fünf Jahren. „Es reicht aber nicht, wenn die Leute uns gut finden“, sagte die Grünen–Spitzenkandidatin Ska Keller aus Guben. „Wir müssen auch das Runde ins Eckige kriegen.“

Mit den wichtigsten Grünen–Forderungen – mehr Anstrengungen fürs Weltklima, Bekämpfung der Steuerflucht — scheint die Partei den Nerv vieler Wähler zu treffen. Doch eine wichtige Frage hat die Ökopartei bisher unbeantwortet gelassen: Wem würden die Grünen zum Amt des Kommissionspräsidenten verhelfen? Auch der langjährige Grünen–Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer will sich nicht festlegen. „Wir werden zuerst schauen, mit wem wir grüne Inhalte durchsetzen können, bevor wir uns in einem weiteren Schritt personell festlegen“, sagte er dieser Zeitung.

Die brandenburgische Grünen–Chefin Petra Budke betonte ebenfalls, dass sie keinen Favoriten habe. Zwar wünsche sie sich eine Frau als Nachfolgerin des Christdemokraten Jean–Claude Juncker an der Spitze der EU–Kommission — und nannte außer der grünen Spitzenkandidatin Keller, die aber wohl chancenlos ist, auch die liberale Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. „Doch mit ihr ließen sich zum Beispiel unsere Forderungen nach Mindestlöhnen für ganz Europa und nach einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Jugendarbeitslosigkeit kaum umsetzen“, sagte Budke dieser Zeitung.

Aber wenn nicht Vestager, wer soll’s dann werden — der Konservative Manfred Weber, der Sozialdemokrat Frans Timmermans? Führende Grüne schließen nichts aus.