Zehn Jahre Flüchtlingskrise
: Was ist eigentlich aus dem EU-Türkei-Deal geworden?

Er half, ab dem Jahr 2016 die Migration aus Richtung Türkei massiv zurückzudrängen: der EU-Türkei-Deal. Was geschah in den Jahren danach?
Von
Stefan Kegel
Berlin
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Flüchtlinge vor Lesbos: ARCHIV - 29.02.2020, Griechenland, Lesbos: Migranten kommen in einem Schlauchboot auf dem Weg aus der Türkei zur griechischen Insel Lesbos. (zu dpa: «Tote und vermisste Migranten nach Bootsunglück in der Ägäis») Foto: Angelos Tzortzinis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mit Schlauchboot übers Meer: Flüchtlinge im Jahr 2020 vor der griechischen Insel Lesbos

Angelos Tzortzinis/dpa
  • Der EU-Türkei-Deal von 2016 reduzierte die Migration über die Türkei nach Europa deutlich.
  • Abkommen: Flüchtlinge auf griechischen Inseln konnten in die Türkei zurückgeschickt werden.
  • EU zahlte 6 Milliarden Euro für Unterkünfte und Schulen für Syrer in der Türkei.
  • 2020 zerbrach der Deal: Erdogan stoppte Rücknahmen und ermöglichte erneute Migration.
  • Griechische Grenzpolizei drängt seitdem Ankommende mit Gewalt zurück.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es galt im Jahr 2016 als wichtigstes Instrument, um die Zahl der in Europa ankommenden Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, zu reduzieren: das Abkommen der EU mit der Türkei. Es wurde verhandelt, nachdem bis zum Frühjahr 2016 rund eine Million Menschen über die Türkei und die Ägäis in Griechenland angekommen waren. Die Türkei nahm damals trotz eines anderslautenden Abkommens mit Griechenland keine Flüchtlinge zurück, da im Land selbst drei Millionen Syrer ausharrten.

Um das zu ändern, wurde die Idee des Migrationsforschers Gerald Knaus umgesetzt: der sogenannte EU-Türkei Deal. Darin wurde vereinbart, dass jede Person, die nach dem 20. März 2016 auf den griechischen Inseln ankam, nach einem Verfahren in die Türkei zurückgeschickt werden konnte. Im Gegenzug sollte syrischen Flüchtlingen in der Türkei in gleichem Umfang ein legaler Weg in die EU ermöglicht werden. Sechs Milliarden Euro zahlte die EU an die Türkei für den Bau von Unterkünften und Schulen für die Syrer. Nach dem Inkrafttreten fiel die Zahl der Ankommenden in Europa schlagartig.

Im Jahr 2020 zerbrach das Abkommen im Streit zwischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und der EU: Er nahm keine Flüchtlinge aus Griechenland mehr zurück und ließ wieder Menschen in Richtung Europa durch. Seitdem drängt die griechische Grenzpolizei Ankommende mit Gewalt zurück.