zu Afghanistan
: Frieden und Verrat

Nach 17 Jahren könnte der Krieg in Afghanistan nun zu Ende gehen. Mit einem Sieg der Taliban.
Von
André Bochow
Berlin
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André Bochow

Thomas Koehler

Es könnte sehr schlimm in den kommenden Jahren werden für die Menschen in dem Land, in dem sich nur sehr alte Menschen an Zeiten ohne Krieg erinnern. Denn die separaten  Verhandlungen der USA  mit den Taliban  werden vielleicht zur Errichtung eines islamischen Staatswesens führen, aber sicher nicht zu einem wirklichen Frieden. Nach den Erfahrungen mit den Taliban, ist allenfalls Friedhofsruhe zu erwarten. Die Regierung in Kabul wird ignoriert. Das ist Verrat an einem Verbündeten. Und dass auch Russland mit den Gotteskriegern verhandelt, macht die Sache nicht besser, sondern nur noch komplizierter.

Die westliche Afghanistan–Interventionspolitik  endet nun so, wie sie die gesamten 17 Jahre war — ohne Strategie.  Nein, es wird keine verzweifelt an Hubschrauberkufen hängenden Menschen geben wie weiland in Vietnam, aber der Abzug aus Afghanistan wird wieder eine Niederlage besiegeln. Dieses Mal wird es die Niederlage  praktisch der gesamten westlichen Welt sein. Es ist nicht nur eine militärische, es ist auch eine moralische Bankrotterklärung. Denn die Bundesregierung kann nun so viel Rechte für Frauen, Minderheiten und Gegner der Taliban einfordern wie sie will, es wird niemanden geben, der die Rechte durchsetzen kann.

Dabei hat es an Warnungen nicht gefehlt. Wer es wissen wollte, wusste:  Militärisch kann man in Afghanistan nicht gewinnen. Und wer nicht als Besatzungsmacht betrachtet werden will, darf nicht als solche auftreten. Aber den USA ging es immer nur um die eigene Sicherheit. Der Kampf gegen den Terrorismus wurde mit wenig Rücksicht auf die afghanische Zivilbevölkerung und mit gar keinem Plan für die Zukunft Afghanistans geführt. Die Herrschaft der Taliban, die die USA seinerzeit selbst  gegen die Russen aufrüsteten, hat Washington schon einmal nicht gestört.

Die Deutschen hätten gern Afghanistan gestaltet, aber es fehlten ihnen dafür Mitstreiter. Erst wurden Brunnen gegraben, dann hat man sich in den Militärcamps verschanzt. Jetzt warnt die Bundesregierung vor einem übereilten Abzug. Es wird schwer fallen, künftigen Generationen zu erklären, warum Deutschland diesen Krieg mitgemacht hat.