zu Lebenmittelkontrollen
: Wirres System

Die Länder müssen die Lebensmittelkontrolle verschärfen. Das bedeutet Personal und Kosten – doch es kann Leben retten.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Michael Gabel

MMH

Dass sich nun Bund und Länder gegenseitig einen besseren Informationsaustausch zusichern, ist zwar sinnvoll. Doch das eigentliche Problem wird dadurch nicht beseitigt: der Zuständigkeitswirrwarr bei den Lebensmittelkontrollen, der einen Fall wie den des Wurstherstellers Wilke erst ermöglicht hat.

Dass das hessische Unternehmen seine mit Listerien verseuchte Wurst wochen- und monatelang weiter verkaufen durfte, obwohl die Gefahr aktenkundig war, hat die Schwachstellen des derzeitigen Kontrollsystems deutlich vor Augen geführt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz, das hessische Verbraucherschutzministerium und der Landkreis arbeiteten mehr neben- als miteinander. So kam es zu Abstimmungsproblemen und Fehleinschätzungen. Weil auch der Hersteller nur mangelhaft kooperierte, verstrich wertvolle Zeit. Zeit, in der drei Menschen starben.

Der beste Weg, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, wäre, die behördlichen Zuständigkeiten völlig neu zu ordnen. Die Verantwortung für die Lebensmittelkontrolle muss künftig klar bei den Ländern liegen, denn sie haben mit ihren Laboren die Expertise, um auch größere Schadensfälle zu bearbeiten. Außerdem müssen Hersteller verpflichtet werden, dass sie ihre Produkte schneller und umfassender zurückrufen. Damit das gelingt, müssen die Lieferwege transparenter werden. Am wichtigsten wäre es jedoch, die Betriebe besser und häufiger zu kontrollieren. Das bedeutet zwar mehr Personal. Aber es könnte Leben retten.