zu politischer Korrektheit
: Witze zeigen, wie eine Gesellschaft tickt

Ein Scherz auf Kosten Schwächerer kann noch so gut sein, harmlos ist er nicht. Er zeigt, was so alles verkehrt läuft.
Von
Dorothee Torebko
Berlin
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Dorothee Torebko

MOZ/Josephin Hartwig

Darüber hat sich der Komödiant Bernd Stelter lustig gemacht. Dass sich eine Frau mit Doppelnamen angegriffen fühlt, verstanden viele nicht. Sicher kann man den Witz als harmlos abtun. Doch wer das tut, verkennt, dass diese Art von Scherzen Ausdruck eines größeren Problems sind. Sie zeigen, wie eine Gesellschaft tickt.

Sie tickt sexistisch, diskriminierend und rassistisch. Der Karneval zeigt all das. Zum Beispiel der Doppelname: Dieser steht für Gleichberechtigung. Er verdeutlicht, dass sich eine Frau einen Namen gemacht hat durch berufliche Leistungen und diese nicht per Heirat über den Haufen werfen will. Wer das zum Witz macht, reproduziert sexistische Formen des Zusammenlebens, die für Männer wunderbar klappen. Für Frauen aber nicht. Das Beispiel ist nur eines von vielen. Beliebt sind im Fasching stereotype Kostüme: Menschen bemalen sich schwarz, um einen Afrikaner zu mimen, Dünne legen einen Fatsuit an, um Sumo–Ringer zu spielen, Männer stöckeln als Transvestiten in Pumps umher. Das mag für einige lustig sein, doch für Menschen, die nicht der Norm entsprechen, bedeutet es eine Attacke.

Mit ihrer Verkleidung sagen die Karnevalisten: Der Körper eines Menschen, der nicht weiß und dünn ist oder in die Geschlechterrollen reinpasst, ist ein Kostüm. Ihr Leben wird ins Lächerliche gezogen. Ist das das Ziel von Karneval? Bestimmt nicht. Sich dafür einzusetzen, dass Menschen nicht beleidigt werden, hat nichts mit übertriebener politischer Korrektheit zu tun. Es sollte normal sein. Auch im Karneval.