zum 1. FC Union
: Bereit fürs Abenteuer

42 Jahre hat es gedauert. Nun hat Berlin mit Hertha BSC und dem 1. FC Union zwei Profiteams in der Bundesliga.
Von
Uwe Wuttke
Berlin
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Uwe Wuttke

Gerrit Freitag

Der Aufsteiger aus Köpenick wird dabei die deutsche Beletage auf verschiedene Art bereichern. Der fast abgedroschene Begriff vom etwas anderen Club trifft auf die Eisernen voll zu. Der Comic von Asterix und dem kleinen unbeugsamen gallischen Dorf kommt einem in den Sinn. Vereinsboss Dirk Zingler und Köpenick haben etwas davon.

Schließlich haben sich die Verantwortlichen schon des Öfteren mit der mächtigen Deutschen Fußball–Liga angelegt, gehen keinem Konflikt aus dem Weg und haben sich gerade im Stimmungsboykott als Protest gegen das umstrittene Vereinskonstrukt des erste Gegners RB Leipzig am Sonntag auf die Seite der Fans gestellt. Union und die Anhänger, das ist ein Kapitel für sich. Lange fremdelten diese mit dem Gedanken, in eine kapitalregierte Spielklasse aufzusteigen. Schließlich war Union schon immer ein Verein der Werktätigen und mehrfach vor allem finanziell am Boden. Blut– und Geldspenden sowie der Eigenbau des Stadions 2008 für den Herzensverein halfen beim Überleben.

Weshalb es in Berlin in dieser Saison, wie es Zingler formulierte, auch ein bisschen um Klassenkampf geht. Frei nach dem Motto in der Vereinshymne, die Nina Hagen singt: „Wir aus dem Osten gehen immer nach vorn.“ Der Traum aller in Köpenick sind zwei Derbysiege gegen die neureiche Hertha aus Charlottenburg.

Nach dem Aufstieg ist die Euphorie allerorten zu spüren. Er wird den Köpenicker aber auch helfen, infrastrukturelle Dinge zu beschleunigen. Schließlich ist die Nahverkehrsanbindung weiter ausbaufähig. Und auch das Stadion ist zu klein. Es soll und es muss von 22 000 auf 37 000 Zuschauer ausgebaut werden. Schließlich wird Union die Bude eingerannt. Es gibt bereits mehr als 30 000 Mitglieder. Eintrittskarten für jene ohne Dauerkarte müssen schon verlost werden.

Sportlich braucht die Mannschaft vom Schweizer Trainer Urs Fischer sicher ein kleines bisschen Zaubertrank. Aber immerhin hat der Club, dessen Etat auf über 80 Millionen Euro gestiegen ist, kräftig aufgerüstet, sogar einen Spieler mit Erfahrung in der Champions League verpflichtet und damit alles getan, um das Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Schließlich gab es schon ähnliche Außenseiter, die den Großkopferten der Liga die Stirn boten. Man denke an den FC Energie Cottbus.

Ganz nebenbei sind die Köpenicker der 56. Bundesligist in der bisher 56–jährigen Ligageschichte und festigen der Bundeshauptstadt damit den unangefochtenen Titel als Bundesliga–Hauptstadt. Die Eisernen sind nach Hertha BSC, Tennis Borussia, Tasmania 1900 und Blau–Weiß 90 schon der fünfte Erstligist aus der Metropole an der Spree. Städte wie München, Stuttgart und Hamburg schafften es bisher maximal auf zwei. Wenn es nach der Saison weiter so viele Berliner Clubs gebe, wäre das schön. Klar ist aber auch – die Union–Familie wird zusammenstehen, egal wie das Abenteuer Bundesliga ausgeht.

leserbriefe@moz.de